22. Juli 2017

Streiflicht: Nix mit nix. Das war wohl nix.

Der Witz vom "Nix, dass alles mit Nix zu tun hat" ist inzwischen ja schon ein bischen gealtert. Er basierte im Wesentlichen auf der geradezu mantrahaften und nicht weniger absurden Formulierung, dass "das alles (hier ist eine beliebige Schandtat einzusetzen) nichts mit dem Islam zu tun hat". Und er zog seinen humoristischen Ansatz vor allem daraus, dass diese Formulierung nicht nur inhaltlich leer und abgedroschen war, sondern auch nicht zuletzt davon, dass man sich schon Mühe geben musste noch jemanden zu finden, der den Unsinn glaubte.

17. Juli 2017

Zitat des Tages: Links ist immer gut

Die SPD, speziell die Hamburger SPD, hat im Kampf gegen den Linksextremismus immer in der vordersten Reihe ihre Sympathien verschwiegen. Sprachlich hat sie ihn komplett aus ihrem Vokabular gestrichen. "Linksautonomes Zentrum" - das klingt eindeutig besser wie "gewaltbereite Arschlöcher". Links ist immer gut, deswegen kann es keinen Linken Terror geben. Che Guevara, Fidel Castro, Mao, Honecker - Heiko Maas-Wörner, der hat ja sofort "Rock gegen Links" vorgeschlagen: Udo Lindenberg, Grönemeyer, Niedecken und die Toten Hosen rocken gegen Links im Schanzenviertel in Hamburg - da werden die "linksautonomen Friedensaktivisten" die Pflastersteine schon mal vorsorglich im vierten Stock deponieren.
(Bruno Jonas im Staatsfunk)

16. Juli 2017

Empathie – hilft sie oder schadet sie?

In der letzten Zeit ist die Neigung des Menschen zur Nächstenhilfe, die der Fähigkeit des menschlichen Gehirns zum Mitgefühl mit Not und Leid anderer zu verdanken ist, in die Kritik geraten. Die Presse diskutierte Fälle vorschneller und falscher Solidarisierungen mit „Opfern“, und Bücher von Fachleuten beschäftigten sich mit der „Empathiefalle“ und dem falschen Gewissen des ‚Gutmenschen‘. Das Thema reicht von den „Helikopter-Eltern“, die zu viel Sorge um ihre Kinder haben, bis zur Frage einer schädlichen, die Eigeninitiativen lähmenden Entwicklungshilfe und Caritas und zu den Gefahren einer kriegerischen Interventionspolitik.

13. Juli 2017

Weg mit den kleinen Klimakillern

Wie wir alle wissen, zerstört der Mensch durch seine industrielle Lebensweise den Planeten Erde, und zwar vor allem durch die Emission von Kohlendioxid. Besorgte Mitmenschen fragen sich, wie sie in ihrer ganz persönlichen Lebensführung dazu beitragen können, die dadurch drohende Klimakatastrophe abzuwenden.

10. Juli 2017

Moments bloguicaux: Der Mehltau schwindet - Hamburg als ein Köln der anderen Art

Andernorts in diesem Blog haben wir (pluralis auctoris) die Ereignisse, die in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln vonstattengingen, als Auftakt des Schwindens des Mehltaus bezeichnet, der sich in den Jahren nach der Wiedervereinigung über Deutschland gelegt hat.

Wenn die Domstadt metonymisch für die Öffnung des Diskurses über die Themen Ausländerkriminalität und Migration steht, könnte Hamburg zur Chiffre für die Inangriffnahme der Diskussion über linke Gewalt und deren klammheimliche Billigung in Teilen des linken Lagers werden. Schulz und Stegner mögen zwar in zum Fremdschämen geeigneter Beflissenheit betonen, dass "links" und "Gewalt" miteinander unvereinbar seien. Aber das kann den interessierten Beobachter, der das Nix-hat-mit-nix-zu-tun-Ritual (siehe ZR vom 25.03.2016; ZR vom 15.07.2016) zur Genüge kennt, keinesfalls beirren.

Wenn nicht nur bürgerliche Blätter wie die WELT und die FAZ, sondern auch ein dezidiert linkes Medium wie ZEIT-Online das Kind beim Namen nennen, dann zeigt das, dass linksideologisch aufgeladene Bandenkriminalität höherer Söhne und Töchter im bundesrepublikanischen Meinungsspektrum überwiegend auf Ablehnung stößt. Dass ein SPD-Mann die treffendsten Worte für das erwartbare Schuldumkehrungstheater der auf Unwählbarkeit bedachten SED fand, sei nur am Rande angemerkt.

Der Mehltau schwindet wieder ein bisschen. Das mag den Kfz-Haltern, deren Auto ausgebrannt ist, und den von der "Entglasung" ihres Ladenlokals betroffenen Geschäftsleuten verständlicherweise nur ein schwacher Trost sein. Aber es zeigt, dass das politische Immunsystem in diesem Land doch noch funktioniert.

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

9. Juli 2017

Jonathan Swift - "Das jüngste Gericht" (1731)




- Jonathan Swift - "The Day of Judgement" (1731)

With a whirl of thought oppressed,
I sunk from reverie to rest.
A horrid vision seized my head,
I saw the graves give up their dead!
Jove1, armed with terrors, bursts the skies,
And thunder roars and lightning flies!
Amazed, confused, its fate unknown,
The world stands trembling at his throne!
While each pale sinner hangs his head,
Jove, nodding, shook the heavens, and said:
'Offending race of human kind,
By nature, reason, learning, blind;
You who, through frailty, stepped aside;
And you who never fell—through pride:
You who in different sects have shammed,
And come to see each other damned;
(So some folks told you, but they knew
No more of Jove's designs than you)
The world's mad business now is o'er,
And I resent these pranks no more.
I to such blockheads set my wit!
I damn such fools!—Go, go, you're bit'.

3. Juli 2017

Coda: das Lied vom kalten Regen. 寒雨曲

Als akustische Coda zum gestrigen Sturzregen - denn Joris Ivens` Bilderetüde wendete sich zuerst ans Auge, und darüber hinaus ist die Tonspur, die Hans Eisler 1941 zwölf Jahre später dafür komponierte, eine Beigabe zur ursprünglich stumm konzipierten Sonatine, und zudem der kantigen, akustischen Bauhaus-Ästhetik der Tonsetzerkunst etwa eines Bartok oder Orff verpflichtet, was diametral dem Fließenden, Plätschernd-Melodischen, dem Melancholisch-Getragenen, und was der Assoziationen mehr sind, die sich ans Bild des Sommerregens zwanglos anknüpfen, gegenstrebig scheint; nicht zuletzt - wofür nun die Bild- wie die Tonfolge nichts können, und wovon sie auch keine Spur aufweisen: nämlich die zeitlebende unerschütterliche kommunistische Einstellung von Tonsetzer wie Filmemacher selbst zu Hochzeiten stalinistischer Rigorosität - und die Propagierung derselben - aber hier ließe sich die Sentenz von Michael Klonovsky ensprechend abwandeln: "Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist"; und nichts vermag hier einen passenderen Kontrapunkt zu setzen als ein Stück der chinesischen Populärmusik, zumal solcher aus Taiwan, deren erstes Auftauchen in den Radioprogrammen auf dem Festland 1979 nach dem Einläuten von Deng Xiaopings Öffnungspolitik einen denkbar großen Kontrast zu den bisherigen Einpeitschungs- Brigade- und Pioniermärschen bildeten, die dreißig Jahre lang den Soundtrack zum Leben in der Volksrepublik geliefert hatten. Als Türöffner dienten die Songs von Teresa Teng (1953-1995): auf Kassetten verbreitet, spätnachts in Radioprogrammen gespielt, machten sie wie nichts anderes klar, daß auch klangliche Melancholie, Liebesschmerz, Privatheit wieder zum erlaubten Leben gehören durften: ihre Fans nannten sie die "kleine Deng" (der Unterschied des Anlauts entspricht der Anlautverhärtung des in Südchina in auf Taiwan gesprochenen Kantonesisch gegenüber dem Mandarin) in Gegensatz zum "großen Deng"; der Spruch "bei Tag gehörte dem Großen Deng; die Nacht der kleinen Deng" wurde zum geflügelten Wort. Um also eine klangliche Coda zum Wolkenbruch setzen, seien hier einige Versionen eines der Sogs hergesetzt, der zu den unverbrüchlichen Evergreens der chinesischsprachigen Populärmusik zählt: das Lied vom kalten Regen, immer wieder eingespielt und, anders als bei sehr vielen Mando- und Kantopopreprisen, auch in späteren Versionen nicht zu kitschiger und belangloser akustischer Allerwelt-Klangtapete, zur Elevator music oder Muzak verwässert (no pun intended!) - ein Schicksal, das diese Lieder etwa mit dem brasilianischen Samba teilen.

Beginnen wir deshalb mit der neuesten Version, von 蔡琴, Tsai Chin, von 2007: 



Der mediale Mythos des Raser-Problems auf Deutschlands Straßen – Teil 2

Der Kraftfahrzeugverkehr ist gefährlich, weil – wie es häufig formuliert wird – dabei große Massen mit hoher Geschwindigkeit bewegt werden. Der Kraftfahrzeugverkehr ist aber auch extrem nützlich: Für den Einzelnen bieten der Personenkraftwagen oder das Motorrad eine Freiheit, wie sie die fahrplangebundenen öffentlichen Verkehrsmittel weder in zeitlicher noch in örtlicher Hinsicht gewährleisten können. Unsere Wirtschaft bedient sich aus derartigen Flexibilitätserwägungen gerne des Lastkraftwagens.

2. Juli 2017

Jonathan Swift - "Platzregen in der Stadt" (1710)

Aus aktuellem Anlaß:



(Platzregen in Berlin, 29. Juni 2017)

Jonathan Swift, "A Description of a City Shower" (1710)

Careful observers may foretell the hour
(By sure prognostics) when to dread a shower.
While rain depends, the pensive cat gives o'er
Her frolics, and pursues her tail no more.
Returning home at night, you'll find the sink
Strike your offended sense with double stink.
If you be wise, then go not far to dine;
You'll spend in coach-hire more than save in wine.
A coming shower your shooting corns presage,
Old aches will throb, your hollow tooth will rage:
Sauntering in coffee-house is Dulman seen;
He damns the climate, and complains of spleen.

Randbemerkung: Die demokratische Kultur begraben. Ein Gedankensplitter.

Vorgestern hat der Bundestag nun also die "Ehe für alle" beschlossen. Das kann man gut finden, man kann es schlecht finden, was es aber vor allem war, ist ein Lehrstück in Sachen der neudeutschen Demokratieverachtung. Warum, werden nun nicht wenige fragen? Der Bundestag ist gewählt, es sind reguläre Vertreter, die sogar von ihren Lehnsherren und -damen freigestellt waren, ausnahmsweise mal nach ihrem Gewissen zu handeln (was sie scheinbar, entgegen der Verfassung, sonst nicht tun) und vermutlich, so behaupten die Demoskopen, haben die Volksvertreter auch die Meinung einer Mehrheit der Bevölkerung umgesetzt. Also, warum ist das eine Verachtung der Demokratie?

28. Juni 2017

"Das Ende der Fahnenstange ist erreicht." Wer hat's gesagt?



Der Protokollant ist sich bewußt, daß es - jedenfalls in diesem Netztagebuch - ungern gesehen ist, ein Fundstück, einen fremden Beitrag, oder längere Zitatpassagen als bloße Trouvaille, ohne Beigabe eigener Reflexion, zu präsentieren. Er gibt freilich freimütig zu, dieser Unsitte gelegentlich zu frönen, da er den Lesern dieses Blogs die Gabe der Einschätzung des Präsentierten zutraut. Zudem eignet sich nicht jede Manifestation des Zeitgeistes, schon gar nicht ein entrüstetes Basta!, als Startposition analytischen Kür- wie Schaulaufens. Und es gibt Momente, wo einem, gemäß der sprachlichen Prägung des Volksmundes, die Spucke wegbleibt.

27. Juni 2017

"Orgien! Wir wollen Orgien!"

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Was waren es noch für geruhsame, nachgerade spießige Zeiten, damals, auf der anderen Seite des "großen Teichs" zu den Hochzeiten der Gültigkeit des Volstead Acts von 1919, gemeinhin als Prohibition geläufig, als der Staatsfeind Nr. 1 noch Al Capone hieß statt, je nach dem Gusto der Berichterstatter, Donald Trump oder Vladimir Putin, und als ein Schriftsteller die Diagnose eines von Korruption und Verbrechen metastasierend zerfressenen Gemeinwesens noch an folgender Symptomatik festmachen konnte:

I first heard Personville called Poisonville by a red-haired mucker named Hickey Dewey in the Big Ship in Butte. He also called his shirt a shoit. I didn't think anything of what he had done to the city's name. Later I heard men who could manage their r's give it the same pronunciation. I still didn't see anything in it but the meaningless sort of humor that used to make richardsnary the thieves' word for dictionary. A few years later I went to Personville and learned better.

[...] I rode up to the Great Western Hotel, dumped my bags, and went out to look at the city.

The first policeman I saw needed a shave. The second had a couple of buttons off his shabby uniform. The third stood in the center of the city's main intersection--Broadway and Union Street--directing traffic, with a cigar in one corner of his mouth. After that I stopped checking them up. (Chapter 1, "A Woman in Green and a Man in Gray")

Moments bloguicaux: Angela Merkel und die Ehe für alle

Man musste schon naiv sein, wenn man glaubte, dass Angela Merkel, die während ihrer Kanzlerschaft so manche stolze Bastion des Konservatismus geschleift hat, diesen an der ohnehin schon abrissreifen Mauer der Begrenzung der Ehe auf einen Lebens(abschnitts)bund von Mann und Frau verteidigen würde. Nachdem zuletzt auch die FDP - wie zuvor schon die Grünen und die SPD - und somit alle Parteien, die für eine Koalition mit der Union in Frage kommen, die Homosexuellenheirat zur conditio sine qua non für ein Regierungsbündnis ausgerufen hatten, war abzusehen, dass die Bundeskanzlerin ihre bisher skeptische öffentliche Einstellung zur sogenannten Ehe für alle nicht aufrechterhalten würde.

25. Juni 2017

Sarrazin, Sieferle und die Antisemitismus-Doku: Vom Umgang mit nicht hilfreichen Werken

Der von der römisch-katholischen Kirche weiland herausgegebene Index Librorum Prohibitorum war eine paradoxe Angelegenheit. Denn es ist zu vermuten, dass er so manchem Buch, dessen Lektüre durch die Aufnahme in die schwarze Liste eigentlich verhindert werden sollte, zu neuen Lesern verhalf, die andernfalls nie von dem unter das Bannedikt gestellten Titel erfahren hätten.

Den beschriebenen Effekt erlebte das Publikum in Deutschland in jüngerer Zeit in der Auseinandersetzung um die Schrift „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin. In einer bis dahin beispiellosen, von Journalisten, Lobbyisten und Politikern betriebenen Verdammungszeremonie wurden Werk und Autor zu diskreditieren versucht. Die durch die medialen Erregungen entfachte Neugier der Bürger dürfte zum wirtschaftlichen Erfolg der Sachbuchveröffentlichung nicht unwesentlich beigetragen haben.

24. Juni 2017

咖啡! - Kāfēi!


姚蘇蓉  -  給我一杯愛的咖啡 / "Gěi wǒ yībēi ài de kāfēi "

给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,访问一下爱的禁地。
给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,探视一下爱的神秘。
咖啡是甜是苦,我都不介意,我需要的是鼓励鼓励。
咖啡是冷是热,我都不嫌弃,我寻求的是刺激刺激。
给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,探视一下爱的神秘。
咖啡是甜是苦,我都不介意,我需要的是鼓励鼓励。
咖啡是冷是热,我都不嫌弃,我寻求的是刺激刺激。
给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,探视一下爱的神秘。

23. Juni 2017

Zitat des Tages: Kleiderordnung in der Schule

"Die Schule ist kein Schwimmbad, kein Laufsteg und auch keine Disco. Zu locker gekleidete Mädchen haben eine ablenkende Wirkung auf Jungs."

So der nur noch wenige Tage amtierende Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, im Interview mit WELT-Online in Bezug auf schulische Kleiderordnungen.

Kommentar: Josef Kraus scheint ein Mann dezidierter und - gemessen am Klischee des linken Lehrers - eher konservativer Meinungen zu sein. Darauf lässt jedenfalls die Timeline der Pressemitteilungen auf der DL-Homepage schließen.

19. Juni 2017

"Morgen in der Stadt" (1709), 討厭的早晨 (1944)



Jonathan Swift - "A Description of the Morning" (1709)

Now hardly here and there a hackney coach
Appearing, showed the ruddy morn's approach.
Now Betty from her master's bed had flown,
And softly stole to discompose her own.
The slipshod 'prentice from his master's door,
Had pared the street, and sprinkled round the floor.
Now Moll had whirled her mop with dext'rous airs,
Prepared to scrub the entry and the stairs.
The youth with broomy stumps began to trace
The kennel edge, where wheels had worn the place.
The smallcoal-man was heard with cadence deep,
Till drowned in shriller notes of chimney-sweep.
Duns at his lordship's gate began to meet;
And Brickdust Moll had screamed through half a street;
The turnkey now his flock returning sees,
Duly let out at nights to steal for fees.
The watchful bailiffs take their silent stands;
And schoolboys lag with satchels in their hands.


18. Juni 2017

Wider den Zwang zur Distanzierung. Was ich vor 25 Jahren nicht getan habe

Erinnern Sie sich noch an die Lichterketten, die im Winter 1992 in vielen deutschen Städten als Reaktion auf den Brandanschlag von Mölln stattfanden? Ich muss gestehen, dass ich an keiner solchen Veranstaltung teilgenommen habe.

Die Einstellung, die auf diesen Versammlungen vertreten wurde, nämlich dass man Verbrechen gegen Leib und Leben verurteilte, entsprach (und entspricht) freilich meiner Überzeugung. Ich hätte kein Problem damit gehabt, zu dieser Haltung zu stehen.

17. Juni 2017

Marginalie: Das Unterschichtenfernsehen? Nein, das Triebabfuhrfernsehen

Wenn eine Journalistin die von ihr rezensierte Fernsehsendung mit Attributen wie „Blase der Blödheit“ und „komplett sinnleere[n] Dauerschleife“ versieht; wenn sie die in dem Format auftretenden Kandidaten als „Dumpfgockel“, „Trottel“ und „Brunftwachteln“ apostrophiert; wenn sie für die weiteren Folgen der Show „zumindest einige Prolligkeiten aus dem Bückwarenbereich“ erwartet; dann könnte man als naiver Leser vermuten, dass es sich bei dem Artikel um einen drastisch formulierten, ja grenzwertigen Verriss handelt.

In Wirklichkeit ist Anja Rützel, Verfasserin eines auf Spiegel-Online erschienen, die vorstehenden Zitate enthaltenden Textes über die RTL-Produktion „Die Bachelorette“, laut Autorenporträt auf der Homepage der Fischer-Verlage „bekennender Trash-TV-Fan“. Ihrer Polemik ist zu entnehmen, dass sie mit den Zumutungen für ihr ästhetisches Empfinden gerechnet hat. Wie kann man als Freundin des sogenannten Unterschichtenfernsehens nur so despektierlich über einen Exponenten dieses Flimmerkistensegments schreiben, zumal ohnehin alles so gekommen ist, wie man es vorhergesehen hat?

16. Juni 2017

Helmut Kohl ist tot


Er war der erste Bundeskanzler, dessen Amtszeit der Verfasser dieser Zeilen voll und ganz miterlebt hat. Und er war der letzte Vertreter der rheinischen CDU, also einer katholisch-konservativen, aber gerade nicht nationalistischen, sondern der Westbindung und der europäischen Integration verschriebenen Partei.

Bug oder Feature?

Deutschland tut sich schwer mit dem "Neuland" Internet.
Einerseits versuchen geistig im Gestern und Vorgestern verhaftete Politiker die praktische Nutzung einzuschränken.
Andererseits soll die verbleibende Nutzung möglichst schnell laufen. Und wenn das irgendwo nicht klappt, setzt die große Diskussion ein: Staatsversagen oder Marktversagen?

Aber wie so oft lautet die Antwort: Das Versagen sitzt vor der Tastatur. Sowohl bei manchen Internet-Nutzern wie bei "Journalisten", die darüber berichten.
Denn das behauptete "Problem" ist keines, das gehört so.

Eine kleine Filmrezension für einen nicht hilfreichen Film

Die letzten Wochen rauschte es so ein kleines bischen im feuilletonistischen Blätterwald: Der Sender Arte weigerte sich eine bestellte Dokumentation über Antisemitismus in Europa mit dem Titel "Auserwählt und Ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa" zu senden. Begründet wurde dieser Schritt von Seiten Arte damit, dass die Autoren "das Thema verfehlt" hätten und am Ende eine ganz andere Reportage gemacht hätten, als man bestellt habe.
Da so etwas in Deutschland aus naheliegenden Gründen immer ein Politikum darstellt, lies es sich der Zentralrat der Juden in Deutschland nicht nehmen, den Sender nachdrücklich aufzufordern die Reportage doch bitte zu senden und nicht in der Schublade verschwinden zu lassen. Die Bild Zeitung, in ihren sinkenden Auflagen durchaus an etwas Aufmerksamkeit stark interessiert, heizte die Diskussion in den vergangenen Tagen dann weiter an, pfiff auf das Urheberrecht und setzte den Film in einer eher etwas ungewöhnlichen Aktion für 24 Stunden ins Netz.

15. Juni 2017

Der mediale Mythos des Raser-Problems – Teil 1

Die Temperaturen mögen zwar dazu passen, aber vermutlich wird in diesem Wahljahr das traditionelle Sommerloch nicht aufklaffen. Gleichwohl holen die Grünen einen alten Hut der medialen Saure-Gurken-Zeit aus der Requisite: Härtere Strafen für Raser werden gefordert. Der Straßenverkehrsgemeingefährdungsparagraph § 315c StGB soll nach Ansicht der Partei der Gutdünkenden dahin abgeändert werden, dass grob verkehrswidriges und rücksichtloses Zu-Schnell-Fahren, wodurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet werden, nicht nur dann strafbar ist, wenn es an unübersichtlichen Stellen, an Straßenkreuzungen, Straßeneinmündungen oder Bahnübergängen erfolgt (§ 315c Abs. 1 Nr. 2 lit. d StGB).

13. Juni 2017

Marginalie: Die SED will Steuern

Wenn sich ein Neoliberaler mit dem Steuerkonzept von Sozialisten auseinandersetzt, dann steht die Bewertung wohl schon vergleichsweise fest. Dennoch erscheint mir das, was die SED derzeit in ihr Parteiprogramm schreibt, derart wahnwitzig, dass es noch dem letzten auffallen müsste, dass das, was die SED da plant schlicht das Ende der BRD ist, wie wir sie kennen.

12. Juni 2017

Die Quadratur der Rente. Von und mit Martin Schulz

Martin Schulz, ersatzweise einem seiner Berater, ist die alter Weisheit aufgegangen, dass in einem Land mit einer überalterten Bevölkerung, das Thema Rente ein wunderbares ist, um auf Stimmenfang zu gehen. Nachdem man mit innerer Sicherheit bei den Landtagswahlen, vor allem in NRW, krachend gescheitert ist, der Schulz-Zug auf dem Abstellgleis irgendwo zwischen Düsseldorf und Berlin hängen geblieben ist und so allmählich die Apparatschik Mentalität, die Schulz in Brüssel an den Tag gelegt hat, durchsickert, wird es langsam eng für "den Kandidaten".