19. August 2017

Selbstdemontage

Es gibt Vorkommnisse, öffentliche Selbstdemontagen, zu denen sich jeder Kommentar erübrigt. So gestern bei dem Statement, das der Kanzlerkandidat der SPD, Marin Schulz, am Freitag morgen zum Massaker in Barcelona vor den Kameras der Weltöffentlichkeit ablieferte.



Zitat des Tages: Terrorismus und Fatalismus

"Das Risiko lässt sich nicht vermeiden, damit müssen wir uns abfinden. Aber jeder Einzelne kann Widerstand leisten – weiter in Cafés, zu Konzerten und auf Flaniermeilen gehen, und damit die eigenen Werte verteidigen."

Sandra Louven, "Der Terror ist zurück in Spanien", 18.08.2017, Handelsblatt online, zu den Terroranschlägen in Barcelona und Cambrils.

Kommentar: Um es vorwegzunehmen: Der Verfasser dieser Zeilen ist anderer Meinung als Sandra Louven. Die zwei angeführten Sätze aus deren verlinktem Artikel haben sich ungeachtet dessen ein Zitat des Tages verdient, weil sie den Tenor der nach Terroranschlägen erfolgenden, meist recht verschwurbelten Appelle der politisch-publizistischen Klasse prägnant zusammenfassen.

17. August 2017

Der Tod des Herzogs und die Niedersachsenwahl

Wenn man zeigen möchte, daß in der hohen Machtpolitik die moralischen Maßstäbe anderen Prioritäten unterliegen als im Alltagsleben, wird gerne Fouché zitiert. Als Napoleon, der außerhalb der Schlachtfelder oft wenig geschickt agierte, den Herzog von Enghien entführen und ermorden ließ, da kommentierte sein Polizeiminister: "Das war schlimmer als ein Verbrechen, das war ein Fehler". Denn fies darf man schon sein als Staatsmann - aber möglichst nicht doof.

Nun ist es etwas schwierig, von Napoleon überzuleiten auf Thomas Oppermann. Ein ganz krasser Niveauabstieg in nur wenigen Sätzen. Immerhin kann man auch vom SPD-Fraktionschef sagen, daß er außerhalb der - in Deutschland Gott sei Dank nicht mehr aktuellen - Schlachtfelder oft wenig geschickt agiert.

Es wäre auch übertrieben zu sagen, die von ihm angekündigte Verschiebung der Koalitionsgespräche nach der Wahl wäre ein Verbrechen.
Aber demokratisch anständig ist sie natürlich nicht. Nach den klassischen Vorstellungen arbeitet die Regierung für das Wahl des Landes, und eine unnötige Verzögerung bei der Regierungsbildung schadet also dem Land. Die SPD nimmt diesen Schaden in Kauf, um ihre Chancen bei der Niedersachsenwahl zu verbessern.
Kein Verbrechen, aber ein übliches mieses parteitaktisches Manöver.

Und ein Fehler.

16. August 2017

Die Mitglieder der Bundesregierung in der Einzelkritik

Um einen Wahlkampf zu beschreiben, bietet sich ein militärisches Vokabular an: Die Kampagne zur Abstimmung über die Bestückung des nächsten deutschen Bundestages wäre demnach als Sitzkrieg zu bezeichnen. Es rührt sich nicht viel und das Ergebnis dürfte so ausfallen, dass Angela Merkel auch weiterhin über eine Parlamentsmehrheit für ein von ihr geführtes Kabinett verfügen wird.

Aber auch wenn man Überraschungseffekte einkalkuliert, steht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest, dass in der kommenden Legislaturperiode entweder die CDU/CSU oder die SPD (möglicherweise auch beide) an der Bundesregierung beteiligt sein werden, weshalb es mit dem einen oder anderen Minister ein Wiedersehen geben wird.

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) hat sich den verdienstvollen Spaß gemacht, die Mitglieder der derzeitigen deutschen Bundesregierung einer Einzelkritik zu unterziehen, wie man dies sonst etwa aus dem Sportjournalismus kennt. Da es langweilig ist, Einzelkritik an der Einzelkritik des wohl besten deutschsprachigen Tagesperiodikums zu üben, wird der Verfasser dieser Zeilen im Folgenden seine eigene Bewertung der Leistungen der Bundeskanzlerin und ihrer Minister abgeben. Die geschätzte Kommentatorenschaft ist herzlich eingeladen, es ihm im Kleinen Zimmer gleichzutun.

15. August 2017

Das Wettrennen um das nächste Informationsmonopol

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Ein Gastbeitrag von Frank2000

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat das Wettrennen um den neusten digitalen Markt begonnen: das Wettrennen um ein Produkt, das so neu ist, dass nicht mal ein Gattungsbegriff dafür existiert.
Oder wie heißen die Dinger, die aus einem Chip, einem Mikrofon, einem Lautsprecher und einer Internetverbindung bestehen? Irgendwas mit "Assistent" vermutlich. Abgeleitet von den "Sprachassistenten", die auf den Handys angeboten werden.

14. August 2017

"Die Katzen"

Die Katzen

Die heiß Verliebten und staubtrockenen Doktoren,
Sie schätzen beide, sobald sie verblühten,
Die Katzen, stark und sanft, zum Hausschatz auserkoren,
Die wie sie frieren und wie sie das Zimmer hüten.

Von Wissenschaft wie Wollust sind sie angetrieben
wenn sie zur Stille und dem Graus der Schatten fliehen.
Im Hades würden sie die Leichenwagen ziehen
Wenn sie nur ihre wilde Freiheit schuldig blieben.

Und träumend liegen sie, ganz ohne Willen
Wie große Sphinxe, in die Tiefen hingebannt.
Sie scheinen wie im ewigem Schlaf versunken.

Aus ihren Lenden sprühen Zauberfunken,
Und goldener Staub, wie ein feiner Sand
Bestirnt hauchzart die magischen Pupillen.

(U.E.)


Les Chats

Les amoureux fervents et les savants austères
Aiment également, dans leur mûre saison,
Les chats puissants et doux, orgueil de la maison,
Qui comme eux sont frileux et comme eux sédentaires.
Amis de la science et de la volupté
Ils cherchent le silence et l'horreur des ténèbres;
L'Erèbe les eût pris pour ses coursiers funèbres,
S'ils pouvaient au servage incliner leur fierté.
Ils prennent en songeant les nobles attitudes
Des grands sphinx allongés au fond des solitudes,
Qui semblent s'endormir dans un rêve sans fin;
Leurs reins féconds sont pleins d'étincelles magiques,
Et des parcelles d'or, ainsi qu'un sable fin,
Etoilent vaguement leurs prunelles mystiques.

— Charles Baudelaire

Baudelaires Sonett "Les Chats", neben den gleich betitelten Singular-Gedichten "Le chat" ("Viens, mon beau chat, sur mon coeur amoureux" und "Dans ma cervelle se promène  / Ainsi qu'en son appartement...") eines der drei Stubentiger-Gedichte in den Fleurs du Mal, hier als No. 66, wurde zuerst in der Zeitschrift Le Corsaire vom 14. November 1847 gedruckt.

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Der Leser möge dies als verspätete Abendgabe sowohl zu der Verpflichtung, die Wochenenden den beständigeren Sphären der Künste zu widmen, sehen, als auch als eine solche zum Weltkatzentag in der verflossenen Woche. Felidae, so sei betont, sind zwar strenge Gewohnheitstiere, doch stets nur auf eigenes Betreiben, nur auf die Anordnungen eines von Dosenöffnern ausgeheckten Zufallskalendariums.

U.E.

© U.E. Für Kommentare bitte hier klicken.

BTW 2017. And the winner is...




Lieber Leser:

Vor gut elf Monaten wurde an dieser Stelle das Ergebnis der Wahlen zur US-Präsidentschaft bekanntgegeben. Das hatte nicht zuletzt das Ziel der Fokussierung, um unnötige Verzettelung vin Aufmersamkeitsökonomie zu unterbunden. Heute sei der gleiche Dienst in Hinblick auf die anstehenden Wahlen zum Deutschen Bundestag gelistet. Wobei, dies sollte klar sein, es nicht um die de jure zu bestimmende Besetzung des Parlaments geht, sondern die sich daraus ergebende Weichenstellung, wer innert der nächsten Legislaturperiode "Kanzler kann", um es im bevorzugten politischen Idiom unsere politisch-medialen Klasse, in "leichter Sprache" also, zu sagen. Auch geht es mir nicht um die nächsten Wahlen, die, um es in der Begrifflichkeit der Luhmann'schen Systemtheorie auszudrücken, einen Unterschied machen" (a difference that makes a difference). Was in gut 1500 Tagen sein wird, in 48 Monaten, erscheint von heute aus ungewisser denn je; keine Kristallkugel könnte die Bahn, die dieses Land und seine Führung bis dahin nimmt, ansatzweise enthüllen. Nein, hier geht es um den in sechs Wochen anstehenden Urnengang, dessen Ergebnis en gros bereits so unumstößlich feststeht wie die Anzahl der bis dahin noch verrinnenden Stunden.

10. August 2017

Eine Verteidigung Wolfgang Amadeus Mozarts

Muss man Wolfgang Amadeus Mozart verteidigen? Offenbar schon. Denn wie Sabine Bergk in einer unbedingt zur Lektüre empfohlenen Ausgabe ihrer auf cicero.de erscheinenden Kolumne "Morgens um halb sechs" enthüllt, lehnen sämtliche zeitgenössische Tonsetzer, mit denen sie Kontakt hatte, den großen Salzburger Komponisten ab. Zu kitschig sei das Œuvre des vor gut 225 Jahren Verstorbenen nach dem Verdikt der Moderne, die nur das schwer Zugängliche und Komplizierte als Kunst anerkenne.

Sabine Bergk kann man vertiefte Einblicke in die heutige Musiktheater-Community ohne weiteres zugestehen. Sie ist nämlich nicht nur Schriftstellerin, sondern hat auch selbst das eine oder andere Klangwerk, darunter auch Stücke des hier interessierenden Urhebers, auf die Bühne gebracht.

9. August 2017

Im Namen des Volkes? - Gedanken eines Nichtjuristen

Was haben Juristen und Bären gemeinsam? Dass ihnen beiden die Literatur - in Person von Harry Rowohlt bzw. Ludwig Thoma einen mäßigen Verstand zuschreibt. Nun bin ich kein Jurist und auch nur qua nom de plume ein Bär, versuche aber trotzdem hier einigermaßen verständlich meine Gedanken zu einer interessanten Diskussion aus dem kleinen Zimmer darzulegen.

An Hand eines - von den meisten Diskussionspartnern als skandalös empfundenen - Urteils wurde die Frage aufgeworfen, in wie weit die Justiz zu einer "Geheimwissenschaft" geworden ist, die sich anmaßt, "im Namen des Volkes" Recht zu sprechen und in Wirklichkeit dessen Gerechtigkeitsempfinden systematisch verletzt.

Ich stelle die beiden konträren Positionen an Hand von exemplarischen Zitaten dar, ersuche aber den Leser, sich zum Verständnis die komplette Diskussion anzusehen.

Der geschätzte Autorenkollege Noricus schreibt:
In diesem Forum wird verbreitet (und zu Recht) die Meinung vertreten, dass die Ergebnisse von Diskussionen, die Theaterwissenschaftler über Abgasnormen führen, irrelevant sind bzw. sein sollten. Anders sieht man das offenbar, wenn Nichtjuristen anhand eines von einem Nichtjuristen geschriebenen Zeitungsartikels (wie war das mit der Glaubwürdigkeit der Presse? Gab es da nicht mal das L-Wort?) bei sonstiger Unkenntnis des Verfahrens ihre Ansichten über die Rechtsrichtigkeit eines Urteils äußern.

Der ebenso geschätzte Forist dirk schreibt:
Wenn Gesetze allgemeinverbindlich sind und Recht im Namen des Volkes gesprochen werden soll (gut, das wurde es hier offenkundig nicht), dann kann eine Diskussion ueber Recht und Rechtsprechung nicht einer lizensierten Minderheit vorbehalten sein. Die Juristerei ist keine "Science". Im Gegenteil: Je mehr Fachkenntnis erforderlich ist um Rechtssprechung nachzuvollziehen, umso schlechter der Zustand der Juristerei.(...) In einer idealen Welt wendet der Jurist Recht an, hat also quasi die Bedeutung eines Sachbearbeiters. In der realen Welt schaffen sich Juristen Interpretationshoheit und berufen sich zum Priester. Im Unterschied zu anderen Bereichen, zu Wissenschaften, ist der von ihnen behandelte Gegenstand nicht kompliziert. Er wird kompliziert gemacht, entgegen dem wie es idealerweise sein sollte.

Ist also die Justiz, wie der Vorwurf lautet, a) undemokratisch und b) elitär?

Google, Gender, Galgenstrick ?

Es ist in der deutschen Öffentlichkeit eine absolute Nickeligkeit, vielleicht allenfalls dazu da, um mal zwischen 15 und 18 Uhr den Ticker einer online Zeitung zu füllen, nichts was auf Seite eins groß auftaucht oder auch nur eine Chance hätte durch die Print-Presse in den Stand einer echten Nachricht geadelt zu werden: Anfang dieser Woch wurde durch Alphabet (die Muttergesellschaft und damit Eignerin von Google) der Ingenieur James Damore entlassen (genauer: gefeuert). Und in China ist ein Sack Reis geplatzt. Sollte man meinen. Eine nähere Beschäftigung mit dem Falle dagegen offenbart und characterisiert ein Problem, dass weit bedeutender ist, als nahezu alles, was derzeit durch den deutschen Blätterwald getrieben wird, von den Schulzschen Nachwahlambitionen bis zu hochgehypten Fipronil-Skandalen.

6. August 2017

Zur Abwechslung mal wieder ein kleines Quiz

Als dieses (dieser?) Blog noch von seinem Gründer unter dem nom de plume Zettel betrieben wurde, war es nicht ungewöhnlich, daß ab und an den Lesern eine kleine Frage, in Form einer Multiple-Choice-Entscheidung, gerichtet wurde, um auf überraschende Sachverhalte hinzuweisen oder deren Besonderheit, eben durch den Kontrast (oder die Vergleichbarkeit) der angebotenen Lösungsoptionen in ein kärftigeres Licht zu tauchen. In diesem Sinne sei hier, nach langer Pause, eine solche Probe vorgelegt. (Strenggenommen handelt es sich um nichts Multiples, da es nr um eine einzige Auswahl zwischen zwei Positionen geht.) Auf den beiden folgenden Fotos ist jeweils eine Schulklasse des Sommers 2017 zu sehen; bei beiden Schulen handelt es sich um die Abschlußklassen weiterführender, bzw. studienberechtigenden Abteilungen eines mehrzügigen Schulsystems. Welches der beiden Bilder stammt aus

A. Deutschland?
B. Syrien?

(Die Lösung, mitsamt einigen kurzen Reflektionen, wird morgen an dieser Stelle nachgereicht.)

1.)­



2.)





4. August 2017

Wir werden alle sterben! Eine kleine Dieselei

Man hat es schon nicht leicht, wenn man dieser Tage die Zeitung liest.Statt das Sommerloch mit den vielleicht dringenden Problemen unserer Tage zu füllen (anschwellende Flüchtlingszahlen in Italien, überbordende Sozialausgaben, steigende Kriminalität) hat sich das deutsche Establishment auf ein neues Thema gestürzt: Das Ende des Verbrennungsmotors für Fahrzeuge, und wenn nicht das, wenigstens für Dieselfahrzeuge. Die Rede ist dabei ständig vom "Dieselkandal" und den 10.000 Toten, die man durch das Verbot dieser Fahrzeugtypen demnächst einsparen werde.

2. August 2017

Kurioses, fast unkommentiert: "Schulz 2017"

Lieber Leser,

vielleicht erachten Sie ja den Kürlauf des Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, SPD genannt, zur kommenden Bundestagswahl als eine, salopp gesagt, Nullnummer, vielleicht sogar den Kandidaten selbst, den Gottkanzler in spe, Martin den Einzigen, weiland im Aufsichtsrat der Firma EU und verflossener Würseler Spaßbadgroßmeister, unnetterweise für eine Null. Bislang konnten Sie sich damit trösten, daß es sich hierbei um eine unmaßgebliche Privatmeinung handelte, und Trost aus der alten roten Weisheit schöpfen: "Du, Genosse, hast nur zwei Augen - die Partei hat tausend Augen!" Aber was seit kurzem von der Kampa der SPD zur Beglückung, ja Bestechung, der prospektiven Wählermassen angeboten wird, scheint geeignet, moralisch weniger gefestigten Zeitgenossen den Eindruck zu vermitteln, man sehe dies im Willy-Brandt-Haus ähnlich.
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Aus der Schwalbenperspektive (12): Schämt euch, ihr Türken!

Über den Unterschied zwischen Frauenfußball und Fußball hat sich der Kollege Noricus ja schon eingehend geäußert. Ich stimme ihm zwar nicht darin zu, dass man sich auf den Frauenfußball in den nächsten Jahren freuen kann, aber das ist ja im Grund genommen auch egal.

Im Gegensatz zu Sportarten wie Tennis, Biathlon, Schwimmen, Ski alpin oder - mit Abstrichen - Leichtathletik, wo die öffentliche Aufmerksamkeit trotz ebenso erheblicher Leistungsunterschiede annähernd gleich  zwischen männlichen und weiblichen Athleten verteilt ist, wird dem Frauenfußball immer ein sportliches Attraktivitätsdefizit bleiben. Denn wir als Zuschauer haben uns an ein hochathletisches, physisch dominiertes Spiel gewöhnt, und zwar - von der gesamten Mannschaft!

1. August 2017

Aus der Schwalbenperspektive (11): Nicht Hilfreiches über Frauenfußball

Königin Fußball regiert derzeit Europa: In den Niederlanden findet gegenwärtig die Kontinentalmeisterschaft im Balltretsport statt. Die deutsche Mannschaft (Frage an die Emma: Müsste es „Frauschaft“ heißen?) ist im Viertelfinale gegen Dänemark ausgeschieden. Die Damen aus dem Norden kämpfen am Donnerstag gegen die Österreicherinnen um den Einzug ins Endspiel. Die zweite Semifinalpartie bestreiten nur wenige Stunden später die Gastgeberinnen und die Engländerinnen.

Es soll hier kein Lamento darüber angestimmt werden, dass das Seriensiegerteam mit dem Bundesadler auf dem Trikot heuer so früh seine Koffer packen musste. Es soll auch nicht darüber spekuliert werden, ob für Bundestrainerin Steffi Jones die Schuhe ihrer außerordentlich erfolgreichen Vorgängerin vielleicht zu groß sind. Nein, es sollen hier ganz allgemeine, zweifellos nicht hilfreiche (sapienti sat) Betrachtungen über den Frauenfußball angestellt werden.

31. Juli 2017

劉金蓮 - 藍色的憂鬱 (1973)




劉金蓮 - 藍色的憂鬱

Lau Chin Lian - "Blaue Schwermut" - lán sè shì yōuyù (1973)

藍色的燈,藍色的夜,藍色是憂鬱,
藍色的情,藍色的愛,藍色是憂鬱。
難以排遺,難以忘懷,藍色的記憶,
憑著這一片,藍色的記憶,解除我心頭憂鬱。

藍色的天,藍色的海,藍色是煩惱,
藍色的沙,藍色的夢,藍色是煩惱。
惆悵心潮,陣陣捲起,藍色的波濤,
但願這一陣,藍色的波濤,洗去我心頭煩惱。

藍色的燈,藍色的夜,藍色是憂鬱,
藍色的情,藍色的愛,藍色是憂鬱。
難以排遺,難以忘懷,藍色的記憶,
憑著這一片,藍色的記憶,解除我心頭憂鬱。

30. Juli 2017

Eine Bankrotterklärung

Es gibt Momente, in denen sich jeder Kommentar erübrigt. In denen man sich auch den oft bemühten Rekurs auf Karl Kraus' Wendung "...fällt mir nichts ein" ersparen kann. So heute angesichts dieser Titelzeile des Tagesspiegels aus Anlaß des Hamburger Amoklaufes mit islamischer Grundierung vom Freitag (des wievielten eigentlich?). Was hier gefordert wird, ist nichts weniger als die Kapitulation des Rechtsstaats und die Preisgabe an die Barbarei. Fiat justitia et pereat mundi. Zum Mitschreiben: der Schutz der Bürger ist die erste Aufgabe eines Staates, ihr verdankt er seine Legitimation. So sehen es einhellig die Begründer des modernen Staatsrechts - Thomas Hobbes im Levitahan (1651) - der bekanntlich die absolute Monarchie präferierte, aber die Preisgabe der Schutzfunktion des Staats als die eine und einzige Rechtfertigung des Königsmords ansah; und John Locke, dessen Second Treatise on Government (1692), dem wir die Begründung der regelmäßigen Rechtfertigung der Regierungen durch Wahlen verdanken, der in diesem Bruch des contrat social durch den Staat dem Bürger freie Hand gibt, sich umgehend der Obrigkeit, gleich wie diese sich bislang legitimierte, zu entledigen. Man darf aber annehmen, daß dem Geistfreien, der sich diese Headline hat einfallen lassen, gemäß der flächendeckenden Ignoranz unserer Medienschaffenden in Bezug auf rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien derlei Aspekte Hekuba waren und es nur darum ging, im Wettbewerb um den imbezilsten Aufmacher den seit elf Jahren ungeschlagenen Spitzenreiter des FOCUS - Israel droht mit Selbstverteidigung - locker um etliche Stockwerke zu unterbieten.



*     *     *

PS. Der Tagesspiegel ist nicht das einzige Organ der "vierten Gewalt", das sich an diesem Wochenende an diesem Wettbewerb beteiligt. Die Zeitung, hinter der nach früherer Eigenwerbung "immer ein kluges Kopf steckt", berichtete am Samstag über das Urteil in einem Prozeß gegen vier Angeklagte, die im Oktober 2014 im westfälischen Tönisvorst einen 81-jährigen Rentner in seinem Haus überfallen und so bestialisch gefoltert hatten, daß er die Tortur nicht überlebte, um an vermeintliche Informationen über Wertsachen zu gelangen. Bermerkenswerterweise wertete der Richter den Umstand, daß sie von ihrem Vorhaben abgelassen hatten, nachdem der Tod eintrat, als mildernden Umstand. Die Namen der Verurteilten (nach dem deutschen Presserecht werden aus Personenschutzgründen nur die Vornamen genannt) lauten, wie man den Presseberichten entnehmen kann: Murat C. (23), Hasrit S. (19), Madonna R. (23) und Meto K. (19). Nur macht die FAZ daraus Namen, die eineindeutig einer anderen Nationalität zuzuordnen sind, auf die man anscheinend, den Gehässigkeiten der Tagespolitik folgend, ad libitum mit der Tastatur einprügeln kann: "Jerzy S. und Mariusz F."


Das Motto der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lautet offenbar: "Ab 5 Uhr 45 wird zurückgeschrieben."

U.E.

© Ulrich Elkmann. Für Kommentare bitte hier klicken.

25. Juli 2017

Kurioses kurz kommentiert: Reguläre Eingriffe in die Bestsellerliste

"Die SPIEGEL-Bestsellerliste stützt sich auf Verkaufszahlen, wird aber vielerorts als Empfehlungsliste verstanden. Eingriffe in die Bestsellerliste sind den Regularien zufolge möglich, allerdings selten."

So die stellvertretende SPIEGEL-Chefredakteurin Susanne Beyer auf SPON zu der Entfernung des Titels "Finis Germania" von der SPIEGEL-Beststellerliste.

Kommentar: "Difficile est saturam non scribere", meinte der römische Dichter Juvenal: "Es ist schwierig, keine Satire zu schreiben." Eine redaktionell bearbeitete Bestsellerliste ist schon ein reichlich widersprüchlich Ding.

Woher stammt eigentlich die Meinung, dass ein Verkaufsschlagerranking als Empfehlungsliste aufgefasst wird? Als der Verfasser dieser Zeilen noch den gedruckten SPIEGEL las, wunderte er sich sehr oft über die gute Platzierung so manchen Buches. Auf die Idee, dass das Hamburger Nachrichtenmagazin das von ihm abgedruckte Classement billigte, wäre er jedoch nicht gekommen. Denn eine nach dem objektiven Absatzkriterium erstellte Beststellerliste ist etwas anderes als ein (notwendig subjektiver) Applaus-Index.

Sind Bestsellerlisten nicht prototypische Symtome des prole drift, der "Tendenz zur kulturellen Ochlokratisierung" (Noricus in ZR vom 17.06.2017), auf die man mit dem intellektuellen Hochmut eines Horaz herabschauen könnte? "Odi profanum vulgus et arceo" - "Ich hasse den würdelosen Pöbel und halte ihn von mir fern", schrieb der Poet mit dem Beinamen Flaccus. Als dessen Abkömmling im Geiste vermöchte man sich über den allzu liederlichen Geschmack der "Vielzuvielen" (zur Abwechslung ein Zitat des Nichtrömers Nietzsche) allenfalls mit leicht dandyhaftem disgust zu erheben.

Wie viel Angst hat die Presse vor einem nicht hilfreichen Buch, wenn sie diesem mit der damnatio memoriae und nicht mit purer Arroganz begegnen zu müssen glaubt?

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

23. Juli 2017

Sommerseelenbaumelnlassenmusik: 謝天笑-風是外衣


Herzschlagmusik. Reggae. Auf Chinesisch. Es gibt nichts, was es nicht gibt.

謝天笑-風是外衣




Xie Tian Xiao, "Der Wind ist mein Mantel" (fēng shì wàiyī), vom Album 只有一個願望/zhǐyǒu yīgè yuànwàng (Ein einziger Wunsch), seinem dritten Album von 2008.

每個在我醒來的早上我總想每個人都一樣 
細細的水流進了海洋誰的理想還是在閃閃發光 
那風是外衣風是外衣一步能行萬里能在空中飄來飄去 
風是外衣風是外衣我不停地問自己是不是已無法忘記 
沒次在我憂傷的時候我總想遙望那西邊的太陽 
悠悠的歲月也不會再倒流我明白這都是上天的安排 
那風是外衣風是外衣一步能行萬里能在空中飄來飄去 
風是外衣風是外衣我不停地問自己是不是已無法忘記 
風是外衣 
風是外衣風是外衣一步能行萬里能在空中飄來飄去

Jeden Morgen, wenn ich aufwache
Wünsche ich, das jeder dies wäre:
Ein Tröpfchen Wasser, ein Teil des funkelnden Ozeans.
Der Wind vor der Tür ist wie ein wehender Mantel
Ein einziger Schritt kann mich Meilen forttragen
der Wind ist mein Mantel.
Ich sag es mir immer wieder - ich werde das nicht vergessen.
Und wenn ich bedrückt bin, sehe ich nach Westen
In die sinkende Sonne, und ich weiß:
Dies ist eine göttliche Welt.
Der Wind ist ein Mantel, ein Mantel.
Er reicht Meilen hinauf - der Wind ist mein Mantel

22. Juli 2017

Streiflicht: Nix mit nix. Das war wohl nix.

Der Witz vom "Nix, dass alles mit Nix zu tun hat" ist inzwischen ja schon ein bischen gealtert. Er basierte im Wesentlichen auf der geradezu mantrahaften und nicht weniger absurden Formulierung, dass "das alles (hier ist eine beliebige Schandtat einzusetzen) nichts mit dem Islam zu tun hat". Und er zog seinen humoristischen Ansatz vor allem daraus, dass diese Formulierung nicht nur inhaltlich leer und abgedroschen war, sondern auch nicht zuletzt davon, dass man sich schon Mühe geben musste noch jemanden zu finden, der den Unsinn glaubte.

17. Juli 2017

Zitat des Tages: Links ist immer gut

Die SPD, speziell die Hamburger SPD, hat im Kampf gegen den Linksextremismus immer in der vordersten Reihe ihre Sympathien verschwiegen. Sprachlich hat sie ihn komplett aus ihrem Vokabular gestrichen. "Linksautonomes Zentrum" - das klingt eindeutig besser wie "gewaltbereite Arschlöcher". Links ist immer gut, deswegen kann es keinen Linken Terror geben. Che Guevara, Fidel Castro, Mao, Honecker - Heiko Maas-Wörner, der hat ja sofort "Rock gegen Links" vorgeschlagen: Udo Lindenberg, Grönemeyer, Niedecken und die Toten Hosen rocken gegen Links im Schanzenviertel in Hamburg - da werden die "linksautonomen Friedensaktivisten" die Pflastersteine schon mal vorsorglich im vierten Stock deponieren.
(Bruno Jonas im Staatsfunk)

16. Juli 2017

Empathie – hilft sie oder schadet sie?

In der letzten Zeit ist die Neigung des Menschen zur Nächstenhilfe, die der Fähigkeit des menschlichen Gehirns zum Mitgefühl mit Not und Leid anderer zu verdanken ist, in die Kritik geraten. Die Presse diskutierte Fälle vorschneller und falscher Solidarisierungen mit „Opfern“, und Bücher von Fachleuten beschäftigten sich mit der „Empathiefalle“ und dem falschen Gewissen des ‚Gutmenschen‘. Das Thema reicht von den „Helikopter-Eltern“, die zu viel Sorge um ihre Kinder haben, bis zur Frage einer schädlichen, die Eigeninitiativen lähmenden Entwicklungshilfe und Caritas und zu den Gefahren einer kriegerischen Interventionspolitik.

13. Juli 2017

Weg mit den kleinen Klimakillern

Wie wir alle wissen, zerstört der Mensch durch seine industrielle Lebensweise den Planeten Erde, und zwar vor allem durch die Emission von Kohlendioxid. Besorgte Mitmenschen fragen sich, wie sie in ihrer ganz persönlichen Lebensführung dazu beitragen können, die dadurch drohende Klimakatastrophe abzuwenden.

10. Juli 2017

Moments bloguicaux: Der Mehltau schwindet - Hamburg als ein Köln der anderen Art

Andernorts in diesem Blog haben wir (pluralis auctoris) die Ereignisse, die in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln vonstattengingen, als Auftakt des Schwindens des Mehltaus bezeichnet, der sich in den Jahren nach der Wiedervereinigung über Deutschland gelegt hat.

Wenn die Domstadt metonymisch für die Öffnung des Diskurses über die Themen Ausländerkriminalität und Migration steht, könnte Hamburg zur Chiffre für die Inangriffnahme der Diskussion über linke Gewalt und deren klammheimliche Billigung in Teilen des linken Lagers werden. Schulz und Stegner mögen zwar in zum Fremdschämen geeigneter Beflissenheit betonen, dass "links" und "Gewalt" miteinander unvereinbar seien. Aber das kann den interessierten Beobachter, der das Nix-hat-mit-nix-zu-tun-Ritual (siehe ZR vom 25.03.2016; ZR vom 15.07.2016) zur Genüge kennt, keinesfalls beirren.

Wenn nicht nur bürgerliche Blätter wie die WELT und die FAZ, sondern auch ein dezidiert linkes Medium wie ZEIT-Online das Kind beim Namen nennen, dann zeigt das, dass linksideologisch aufgeladene Bandenkriminalität höherer Söhne und Töchter im bundesrepublikanischen Meinungsspektrum überwiegend auf Ablehnung stößt. Dass ein SPD-Mann die treffendsten Worte für das erwartbare Schuldumkehrungstheater der auf Unwählbarkeit bedachten SED fand, sei nur am Rande angemerkt.

Der Mehltau schwindet wieder ein bisschen. Das mag den Kfz-Haltern, deren Auto ausgebrannt ist, und den von der "Entglasung" ihres Ladenlokals betroffenen Geschäftsleuten verständlicherweise nur ein schwacher Trost sein. Aber es zeigt, dass das politische Immunsystem in diesem Land doch noch funktioniert.

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

9. Juli 2017

Jonathan Swift - "Das jüngste Gericht" (1731)




- Jonathan Swift - "The Day of Judgement" (1731)

With a whirl of thought oppressed,
I sunk from reverie to rest.
A horrid vision seized my head,
I saw the graves give up their dead!
Jove1, armed with terrors, bursts the skies,
And thunder roars and lightning flies!
Amazed, confused, its fate unknown,
The world stands trembling at his throne!
While each pale sinner hangs his head,
Jove, nodding, shook the heavens, and said:
'Offending race of human kind,
By nature, reason, learning, blind;
You who, through frailty, stepped aside;
And you who never fell—through pride:
You who in different sects have shammed,
And come to see each other damned;
(So some folks told you, but they knew
No more of Jove's designs than you)
The world's mad business now is o'er,
And I resent these pranks no more.
I to such blockheads set my wit!
I damn such fools!—Go, go, you're bit'.

3. Juli 2017

Coda: das Lied vom kalten Regen. 寒雨曲

Als akustische Coda zum gestrigen Sturzregen - denn Joris Ivens` Bilderetüde wendete sich zuerst ans Auge, und darüber hinaus ist die Tonspur, die Hans Eisler 1941 zwölf Jahre später dafür komponierte, eine Beigabe zur ursprünglich stumm konzipierten Sonatine, und zudem der kantigen, akustischen Bauhaus-Ästhetik der Tonsetzerkunst etwa eines Bartok oder Orff verpflichtet, was diametral dem Fließenden, Plätschernd-Melodischen, dem Melancholisch-Getragenen, und was der Assoziationen mehr sind, die sich ans Bild des Sommerregens zwanglos anknüpfen, gegenstrebig scheint; nicht zuletzt - wofür nun die Bild- wie die Tonfolge nichts können, und wovon sie auch keine Spur aufweisen: nämlich die zeitlebende unerschütterliche kommunistische Einstellung von Tonsetzer wie Filmemacher selbst zu Hochzeiten stalinistischer Rigorosität - und die Propagierung derselben - aber hier ließe sich die Sentenz von Michael Klonovsky ensprechend abwandeln: "Die Zugehörigkeit zum intellektuellen Pöbel manifestiert sich in keiner Eigenschaft deutlicher als in der Unfähigkeit, die literarische Qualität eines Textes zu würdigen, dessen inhaltliche Tendenz einem zuwider ist"; und nichts vermag hier einen passenderen Kontrapunkt zu setzen als ein Stück der chinesischen Populärmusik, zumal solcher aus Taiwan, deren erstes Auftauchen in den Radioprogrammen auf dem Festland 1979 nach dem Einläuten von Deng Xiaopings Öffnungspolitik einen denkbar großen Kontrast zu den bisherigen Einpeitschungs- Brigade- und Pioniermärschen bildeten, die dreißig Jahre lang den Soundtrack zum Leben in der Volksrepublik geliefert hatten. Als Türöffner dienten die Songs von Teresa Teng (1953-1995): auf Kassetten verbreitet, spätnachts in Radioprogrammen gespielt, machten sie wie nichts anderes klar, daß auch klangliche Melancholie, Liebesschmerz, Privatheit wieder zum erlaubten Leben gehören durften: ihre Fans nannten sie die "kleine Deng" (der Unterschied des Anlauts entspricht der Anlautverhärtung des in Südchina in auf Taiwan gesprochenen Kantonesisch gegenüber dem Mandarin) in Gegensatz zum "großen Deng"; der Spruch "bei Tag gehörte dem Großen Deng; die Nacht der kleinen Deng" wurde zum geflügelten Wort. Um also eine klangliche Coda zum Wolkenbruch setzen, seien hier einige Versionen eines der Sogs hergesetzt, der zu den unverbrüchlichen Evergreens der chinesischsprachigen Populärmusik zählt: das Lied vom kalten Regen, immer wieder eingespielt und, anders als bei sehr vielen Mando- und Kantopopreprisen, auch in späteren Versionen nicht zu kitschiger und belangloser akustischer Allerwelt-Klangtapete, zur Elevator music oder Muzak verwässert (no pun intended!) - ein Schicksal, das diese Lieder etwa mit dem brasilianischen Samba teilen.

Beginnen wir deshalb mit der neuesten Version, von 蔡琴, Tsai Chin, von 2007: 



Der mediale Mythos des Raser-Problems auf Deutschlands Straßen – Teil 2

Der Kraftfahrzeugverkehr ist gefährlich, weil – wie es häufig formuliert wird – dabei große Massen mit hoher Geschwindigkeit bewegt werden. Der Kraftfahrzeugverkehr ist aber auch extrem nützlich: Für den Einzelnen bieten der Personenkraftwagen oder das Motorrad eine Freiheit, wie sie die fahrplangebundenen öffentlichen Verkehrsmittel weder in zeitlicher noch in örtlicher Hinsicht gewährleisten können. Unsere Wirtschaft bedient sich aus derartigen Flexibilitätserwägungen gerne des Lastkraftwagens.

2. Juli 2017

Jonathan Swift - "Platzregen in der Stadt" (1710)

Aus aktuellem Anlaß:



(Platzregen in Berlin, 29. Juni 2017)

Jonathan Swift, "A Description of a City Shower" (1710)

Careful observers may foretell the hour
(By sure prognostics) when to dread a shower.
While rain depends, the pensive cat gives o'er
Her frolics, and pursues her tail no more.
Returning home at night, you'll find the sink
Strike your offended sense with double stink.
If you be wise, then go not far to dine;
You'll spend in coach-hire more than save in wine.
A coming shower your shooting corns presage,
Old aches will throb, your hollow tooth will rage:
Sauntering in coffee-house is Dulman seen;
He damns the climate, and complains of spleen.

Randbemerkung: Die demokratische Kultur begraben. Ein Gedankensplitter.

Vorgestern hat der Bundestag nun also die "Ehe für alle" beschlossen. Das kann man gut finden, man kann es schlecht finden, was es aber vor allem war, ist ein Lehrstück in Sachen der neudeutschen Demokratieverachtung. Warum, werden nun nicht wenige fragen? Der Bundestag ist gewählt, es sind reguläre Vertreter, die sogar von ihren Lehnsherren und -damen freigestellt waren, ausnahmsweise mal nach ihrem Gewissen zu handeln (was sie scheinbar, entgegen der Verfassung, sonst nicht tun) und vermutlich, so behaupten die Demoskopen, haben die Volksvertreter auch die Meinung einer Mehrheit der Bevölkerung umgesetzt. Also, warum ist das eine Verachtung der Demokratie?

28. Juni 2017

"Das Ende der Fahnenstange ist erreicht." Wer hat's gesagt?



Der Protokollant ist sich bewußt, daß es - jedenfalls in diesem Netztagebuch - ungern gesehen ist, ein Fundstück, einen fremden Beitrag, oder längere Zitatpassagen als bloße Trouvaille, ohne Beigabe eigener Reflexion, zu präsentieren. Er gibt freilich freimütig zu, dieser Unsitte gelegentlich zu frönen, da er den Lesern dieses Blogs die Gabe der Einschätzung des Präsentierten zutraut. Zudem eignet sich nicht jede Manifestation des Zeitgeistes, schon gar nicht ein entrüstetes Basta!, als Startposition analytischen Kür- wie Schaulaufens. Und es gibt Momente, wo einem, gemäß der sprachlichen Prägung des Volksmundes, die Spucke wegbleibt.

27. Juni 2017

"Orgien! Wir wollen Orgien!"

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Was waren es noch für geruhsame, nachgerade spießige Zeiten, damals, auf der anderen Seite des "großen Teichs" zu den Hochzeiten der Gültigkeit des Volstead Acts von 1919, gemeinhin als Prohibition geläufig, als der Staatsfeind Nr. 1 noch Al Capone hieß statt, je nach dem Gusto der Berichterstatter, Donald Trump oder Vladimir Putin, und als ein Schriftsteller die Diagnose eines von Korruption und Verbrechen metastasierend zerfressenen Gemeinwesens noch an folgender Symptomatik festmachen konnte:

I first heard Personville called Poisonville by a red-haired mucker named Hickey Dewey in the Big Ship in Butte. He also called his shirt a shoit. I didn't think anything of what he had done to the city's name. Later I heard men who could manage their r's give it the same pronunciation. I still didn't see anything in it but the meaningless sort of humor that used to make richardsnary the thieves' word for dictionary. A few years later I went to Personville and learned better.

[...] I rode up to the Great Western Hotel, dumped my bags, and went out to look at the city.

The first policeman I saw needed a shave. The second had a couple of buttons off his shabby uniform. The third stood in the center of the city's main intersection--Broadway and Union Street--directing traffic, with a cigar in one corner of his mouth. After that I stopped checking them up. (Chapter 1, "A Woman in Green and a Man in Gray")

Moments bloguicaux: Angela Merkel und die Ehe für alle

Man musste schon naiv sein, wenn man glaubte, dass Angela Merkel, die während ihrer Kanzlerschaft so manche stolze Bastion des Konservatismus geschleift hat, diesen an der ohnehin schon abrissreifen Mauer der Begrenzung der Ehe auf einen Lebens(abschnitts)bund von Mann und Frau verteidigen würde. Nachdem zuletzt auch die FDP - wie zuvor schon die Grünen und die SPD - und somit alle Parteien, die für eine Koalition mit der Union in Frage kommen, die Homosexuellenheirat zur conditio sine qua non für ein Regierungsbündnis ausgerufen hatten, war abzusehen, dass die Bundeskanzlerin ihre bisher skeptische öffentliche Einstellung zur sogenannten Ehe für alle nicht aufrechterhalten würde.

25. Juni 2017

Sarrazin, Sieferle und die Antisemitismus-Doku: Vom Umgang mit nicht hilfreichen Werken

Der von der römisch-katholischen Kirche weiland herausgegebene Index Librorum Prohibitorum war eine paradoxe Angelegenheit. Denn es ist zu vermuten, dass er so manchem Buch, dessen Lektüre durch die Aufnahme in die schwarze Liste eigentlich verhindert werden sollte, zu neuen Lesern verhalf, die andernfalls nie von dem unter das Bannedikt gestellten Titel erfahren hätten.

Den beschriebenen Effekt erlebte das Publikum in Deutschland in jüngerer Zeit in der Auseinandersetzung um die Schrift „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin. In einer bis dahin beispiellosen, von Journalisten, Lobbyisten und Politikern betriebenen Verdammungszeremonie wurden Werk und Autor zu diskreditieren versucht. Die durch die medialen Erregungen entfachte Neugier der Bürger dürfte zum wirtschaftlichen Erfolg der Sachbuchveröffentlichung nicht unwesentlich beigetragen haben.

24. Juni 2017

咖啡! - Kāfēi!


姚蘇蓉  -  給我一杯愛的咖啡 / "Gěi wǒ yībēi ài de kāfēi "

给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,访问一下爱的禁地。
给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,探视一下爱的神秘。
咖啡是甜是苦,我都不介意,我需要的是鼓励鼓励。
咖啡是冷是热,我都不嫌弃,我寻求的是刺激刺激。
给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,探视一下爱的神秘。
咖啡是甜是苦,我都不介意,我需要的是鼓励鼓励。
咖啡是冷是热,我都不嫌弃,我寻求的是刺激刺激。
给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,探视一下爱的神秘。

23. Juni 2017

Zitat des Tages: Kleiderordnung in der Schule

"Die Schule ist kein Schwimmbad, kein Laufsteg und auch keine Disco. Zu locker gekleidete Mädchen haben eine ablenkende Wirkung auf Jungs."

So der nur noch wenige Tage amtierende Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, im Interview mit WELT-Online in Bezug auf schulische Kleiderordnungen.

Kommentar: Josef Kraus scheint ein Mann dezidierter und - gemessen am Klischee des linken Lehrers - eher konservativer Meinungen zu sein. Darauf lässt jedenfalls die Timeline der Pressemitteilungen auf der DL-Homepage schließen.

19. Juni 2017

"Morgen in der Stadt" (1709), 討厭的早晨 (1944)



Jonathan Swift - "A Description of the Morning" (1709)

Now hardly here and there a hackney coach
Appearing, showed the ruddy morn's approach.
Now Betty from her master's bed had flown,
And softly stole to discompose her own.
The slipshod 'prentice from his master's door,
Had pared the street, and sprinkled round the floor.
Now Moll had whirled her mop with dext'rous airs,
Prepared to scrub the entry and the stairs.
The youth with broomy stumps began to trace
The kennel edge, where wheels had worn the place.
The smallcoal-man was heard with cadence deep,
Till drowned in shriller notes of chimney-sweep.
Duns at his lordship's gate began to meet;
And Brickdust Moll had screamed through half a street;
The turnkey now his flock returning sees,
Duly let out at nights to steal for fees.
The watchful bailiffs take their silent stands;
And schoolboys lag with satchels in their hands.


18. Juni 2017

Wider den Zwang zur Distanzierung. Was ich vor 25 Jahren nicht getan habe

Erinnern Sie sich noch an die Lichterketten, die im Winter 1992 in vielen deutschen Städten als Reaktion auf den Brandanschlag von Mölln stattfanden? Ich muss gestehen, dass ich an keiner solchen Veranstaltung teilgenommen habe.

Die Einstellung, die auf diesen Versammlungen vertreten wurde, nämlich dass man Verbrechen gegen Leib und Leben verurteilte, entsprach (und entspricht) freilich meiner Überzeugung. Ich hätte kein Problem damit gehabt, zu dieser Haltung zu stehen.

17. Juni 2017

Marginalie: Das Unterschichtenfernsehen? Nein, das Triebabfuhrfernsehen

Wenn eine Journalistin die von ihr rezensierte Fernsehsendung mit Attributen wie „Blase der Blödheit“ und „komplett sinnleere[n] Dauerschleife“ versieht; wenn sie die in dem Format auftretenden Kandidaten als „Dumpfgockel“, „Trottel“ und „Brunftwachteln“ apostrophiert; wenn sie für die weiteren Folgen der Show „zumindest einige Prolligkeiten aus dem Bückwarenbereich“ erwartet; dann könnte man als naiver Leser vermuten, dass es sich bei dem Artikel um einen drastisch formulierten, ja grenzwertigen Verriss handelt.

In Wirklichkeit ist Anja Rützel, Verfasserin eines auf Spiegel-Online erschienen, die vorstehenden Zitate enthaltenden Textes über die RTL-Produktion „Die Bachelorette“, laut Autorenporträt auf der Homepage der Fischer-Verlage „bekennender Trash-TV-Fan“. Ihrer Polemik ist zu entnehmen, dass sie mit den Zumutungen für ihr ästhetisches Empfinden gerechnet hat. Wie kann man als Freundin des sogenannten Unterschichtenfernsehens nur so despektierlich über einen Exponenten dieses Flimmerkistensegments schreiben, zumal ohnehin alles so gekommen ist, wie man es vorhergesehen hat?

16. Juni 2017

Helmut Kohl ist tot


Er war der erste Bundeskanzler, dessen Amtszeit der Verfasser dieser Zeilen voll und ganz miterlebt hat. Und er war der letzte Vertreter der rheinischen CDU, also einer katholisch-konservativen, aber gerade nicht nationalistischen, sondern der Westbindung und der europäischen Integration verschriebenen Partei.

Bug oder Feature?

Deutschland tut sich schwer mit dem "Neuland" Internet.
Einerseits versuchen geistig im Gestern und Vorgestern verhaftete Politiker die praktische Nutzung einzuschränken.
Andererseits soll die verbleibende Nutzung möglichst schnell laufen. Und wenn das irgendwo nicht klappt, setzt die große Diskussion ein: Staatsversagen oder Marktversagen?

Aber wie so oft lautet die Antwort: Das Versagen sitzt vor der Tastatur. Sowohl bei manchen Internet-Nutzern wie bei "Journalisten", die darüber berichten.
Denn das behauptete "Problem" ist keines, das gehört so.

Eine kleine Filmrezension für einen nicht hilfreichen Film

Die letzten Wochen rauschte es so ein kleines bischen im feuilletonistischen Blätterwald: Der Sender Arte weigerte sich eine bestellte Dokumentation über Antisemitismus in Europa mit dem Titel "Auserwählt und Ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa" zu senden. Begründet wurde dieser Schritt von Seiten Arte damit, dass die Autoren "das Thema verfehlt" hätten und am Ende eine ganz andere Reportage gemacht hätten, als man bestellt habe.
Da so etwas in Deutschland aus naheliegenden Gründen immer ein Politikum darstellt, lies es sich der Zentralrat der Juden in Deutschland nicht nehmen, den Sender nachdrücklich aufzufordern die Reportage doch bitte zu senden und nicht in der Schublade verschwinden zu lassen. Die Bild Zeitung, in ihren sinkenden Auflagen durchaus an etwas Aufmerksamkeit stark interessiert, heizte die Diskussion in den vergangenen Tagen dann weiter an, pfiff auf das Urheberrecht und setzte den Film in einer eher etwas ungewöhnlichen Aktion für 24 Stunden ins Netz.

15. Juni 2017

Der mediale Mythos des Raser-Problems – Teil 1

Die Temperaturen mögen zwar dazu passen, aber vermutlich wird in diesem Wahljahr das traditionelle Sommerloch nicht aufklaffen. Gleichwohl holen die Grünen einen alten Hut der medialen Saure-Gurken-Zeit aus der Requisite: Härtere Strafen für Raser werden gefordert. Der Straßenverkehrsgemeingefährdungsparagraph § 315c StGB soll nach Ansicht der Partei der Gutdünkenden dahin abgeändert werden, dass grob verkehrswidriges und rücksichtloses Zu-Schnell-Fahren, wodurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet werden, nicht nur dann strafbar ist, wenn es an unübersichtlichen Stellen, an Straßenkreuzungen, Straßeneinmündungen oder Bahnübergängen erfolgt (§ 315c Abs. 1 Nr. 2 lit. d StGB).

13. Juni 2017

Marginalie: Die SED will Steuern

Wenn sich ein Neoliberaler mit dem Steuerkonzept von Sozialisten auseinandersetzt, dann steht die Bewertung wohl schon vergleichsweise fest. Dennoch erscheint mir das, was die SED derzeit in ihr Parteiprogramm schreibt, derart wahnwitzig, dass es noch dem letzten auffallen müsste, dass das, was die SED da plant schlicht das Ende der BRD ist, wie wir sie kennen.

12. Juni 2017

Die Quadratur der Rente. Von und mit Martin Schulz

Martin Schulz, ersatzweise einem seiner Berater, ist die alter Weisheit aufgegangen, dass in einem Land mit einer überalterten Bevölkerung, das Thema Rente ein wunderbares ist, um auf Stimmenfang zu gehen. Nachdem man mit innerer Sicherheit bei den Landtagswahlen, vor allem in NRW, krachend gescheitert ist, der Schulz-Zug auf dem Abstellgleis irgendwo zwischen Düsseldorf und Berlin hängen geblieben ist und so allmählich die Apparatschik Mentalität, die Schulz in Brüssel an den Tag gelegt hat, durchsickert, wird es langsam eng für "den Kandidaten".

10. Juni 2017

徐志摩 - 在黑夜里奔 | Xu Zhimo, "Nachtzug" (1931)



徐志摩 - 在黑夜里奔


车擒火住轨,在黑夜里奔:
过山,过水,过陈死人的坟:

过桥,听钢骨牛喘似的叫,
过荒野,过门户破烂的庙;

过池塘,群蛙在黑水里打鼓,
过噤口的村庄,不见一粒火;

过冰清的小站,上下没有客,
月台袒露着肚子,像是罪恶。

这时车的呻吟惊醒了天上
三两个星,躲在云缝里张望;

那是干什么的,他们在疑问,
大凉夜不歇着,直闹又是哼,

长虫似的一条,呼吸是火焰,
一死儿往暗里闯,不顾危险,

就凭那精窄的两道,算是轨,
驮着这份重,梦一般的累坠。

累坠!那些奇异的善良的人,
放平了心安睡,把他们不论

俊的村的命全盘交给了它,
不论爬的是高山还是低洼,

不问深林里有怪鸟在诅咒,
天象的辉煌全对着毁灭走;

只图眼着过得,裂大嘴打呼,
明儿车一到,抢了皮包走路!

这态度也不错!愁没有个底;
你我在天空,那天也不休息,

睁大了眼,什么事都看分明,
但自己又何尝能支使运命?

说什么光明,智慧永恒的美,
彼此同是在一条线上受罪,

就差你我的寿数比他们强,
这玩艺反正是一片湖涂账。

8. Juni 2017

Meckerecke: Ex und cum. Ein Tiefpunkt des deutschen Gesinnungsjournalismus

Woran denken Sie, liebe Leser, wenn Sie das Wort "Steuerraub" lesen? An ein Diktum des Doctor Angelicus? Weit gefehlt. Der deutsche Gesinnungsjournalist bezeichnet mit dieser Vokabel das Ausnutzen von fiskalrechtlichen Regelungslücken, die vor ihrer Schließung jedenfalls in ihrer Cum-Cum-Variante von einem Sprecher des Bundesfinanzministeriums als "illegitim", aber nicht illegal bezeichnet wurden.

7. Juni 2017

Hat der einfache Gesetzgeber ein Steuererfindungsrecht? Zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts

Gemäß dem Beschluss des 2. Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 13. April 2017 zu 2 BvL 6/13 ist das Kernbrennstoffsteuergesetz mit Artikel 105 Absatz 2 in Verbindung mit Artikel 106 Absatz 1 Nummer 2 des Grundgesetzes unvereinbar und nichtig (hier der Entscheidungsvolltext; hier die Pressemitteilung).

Diese Entscheidung ist, wenn man rein ihren Tenor betrachtet, wenig aufsehenerregend, da das für nichtig erklärte Gesetz Betreiber von Atomkraftwerken, also eine überschaubare Zahl von Normadressaten, betraf. Für den Rest der Menschheit ist jedoch die Begründung von Interesse, mit welcher das Bundesverfassungsgericht seine Ansicht unterfüttert.

Denn die zentrale Frage, mit der sich die Karlsruher Richter auseinanderzusetzen hatte, lautete: In welchem Umfang hat der einfache Gesetzgeber ein Steuererfindungsrecht, also die Befugnis, neue Steuerarten einzuführen?

Ist die Bewilligung von Horst Mahlers Auslieferung eine Meldung wert?


Wenn der Chefredakteur des „Hintertupfinger Kuriers“ die Schlagzeile „Heute kein Verkehrsunfall auf der Dorfstraße“ in seine Zeitung setzt, dann liegen zwei Interpretationen nahe: Entweder handelt es sich um einen sehr schlechten Journalisten, der einer Selbstverständlichkeit Nachrichtenwert beimisst. Dies wäre der Fall, wenn es auch in den vergangenen Wochen keinen Verkehrsunfall auf der Dorfstraße gegeben hätte. Bekanntermaßen ist „Hund beißt Mann“ keine Meldung, „Mann beißt Hund“ dagegen schon. Oder es verhält sich so, dass Unfälle auf der Dorfstraße die Regel und nicht die Ausnahme sind. Dann ist ein reibungsloser Verkehrsfluss auf der Hauptgasse des kleinen Ortes sehr wohl erwähnenswert.

"Trumpen rabunken! Covfefe schtonk!"

Nun ist es also passiert. Am vergangenen Donnerstag hat der amerikanische Präsident das gemacht, was nach dem augenscheinlich einhelligen Urteil unseres polit-medialen Komplexes den Tatbestand eines Kapitalverbrechens erfüllt: Er hat ein Wahlversprechen eingelöst. Die Ankündigung, sich aus dem Pariser Klimaabkommen, dem Accord de Paris, beschlossen im Dezember 2015 auf der jährlichen Weltklimakonferenz und im November 2016 in Kraft getreten, zurückzuziehen, hat denn auch übergreifend durch die hiesigen Lager ein Beben auf der nach oben offenen Betroffenheits- und Empörungsskala ausgelöst. Wie zum Beweis, daß man wieder einmal keine Parteien, sondern nur noch Deutsche - Entschuldigung: Schonlängerhierseiende (SLHSs) - kennt, oblag es der Führung der nominellexistenten Opposition im Bundestag in Gestalt von Frau Katja Kipping, das Offenkundige auszusprechen: 
"dieser Austritt aus dem Klimaschutz ist eine Kriegserklärung" 
- freilich nicht nur an die Deutschen oder den Alten Kontinent, sondern gleich "an den Planeten" - aber da Mutter Gaia über wenige schlagfertige Divisionen verfügt, wird es wohl wieder einmal an den Deu...den Längerhieranwesenden hängenbleiben, den Fehdehandschuh aufzunehmen.

5. Juni 2017

齊豫 - 菊嘆 (1983)

Die Wochenenden immer den Künsten!



齊豫 - 菊嘆

所有的等待 只為金線菊
微笑著在寒夜裡 徐徐綻放
像林中的落葉 輕輕飄下
那種招呼 美如水聲
又微帶些風的怨嗔
讓人從蕨類咬住的小徑
驚見澄黃的月光
還有 傍晚樵夫遺下的柴枝
冷冷鬱結著的 褪了色的幽淒

所有的等待 只為金線菊
微笑著在寒夜裡 徐徐綻放
像林中的落葉 輕輕飄下
那種招呼 美如水聲
又微帶些風的怨嗔
讓人從蕨類咬住的小徑
驚見澄黃的月光
還有 傍晚樵夫遺下的柴枝
冷冷鬱結著的 褪了色的幽淒

走過總是垂髮低頭
故意是裝不來的 林外的溪水
緊緊攀著草葉的幾滴淚
此刻 在風中瓦解了
妳問我浮萍的邏輯
啊 ..... 那就是吧
露珠向大地 沉墜的輕喟
而菊 尤其金線菊 是耐於等待的
寒冬過了就是春天 

我用一生來等妳的展顏
我用一生來等妳的展顏
我用一生來等妳的展顏


3. Juni 2017

So, jetzt habt ihrs geschafft. Eine Anmerkung zum Kirchentag.

Als bürgerliches Mitglied der evangelischen Kirche muss man schon eine ganze Weile entweder ziemlich stark oder ziemlich blöde sein. Ersatzweise hilft auch ein bischen was von beidem. Aber so richtig ist es kein Geheimnis, dass sich die evangelische Kirche Deutschlands in den letzten Jahren mehr und mehr zu einer Außenstelle der Grünen verwandelt hat. Das die heutige Vorsitzende(!) der Grünen, Katrin Göring-Eckhardt, vorher Chef (Präses) der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland gewesen ist, ist dabei nur der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl. Auch andere Vorturner, wie die berühmte (oder eher berüchtigte) Margot Käßmann, machen nicht gerade einen Hehl aus ihren politischen Ansichten, als auch aus ihrem Anspruch diese Ansichten laut und deutlich in die Welt zu tragen.

2. Juni 2017

Zeitmarke. "It was twenty years ago today...."

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"...Sergeant Pepper taught a band to play.
They've been going in and out of style,
But they're guaranteed to raise a smile.
So let me introduce to you
the one and only Billy Shears
and Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band!"


Als Paul McCartneys Stimme, heute vor 50 Jahren zum ersten Mal auf Abertausenden von Plattenspielern abgespielt, den Reigen im Songzyklus des zwölften Albums der Beatles eröffnete , um dann nach der absteigenden Bläserkaskade in G-Dur von Ringos Ringen um die rechte Tonart abgelöst zu werden, bildete das einen seltenen, nein: nie wieder seitdem erreichten Kulminations- und Umschlagpunkt auf gleich drei zeitgeistigen Ebenen.