27. Juni 2017

"Orgien! Wir wollen Orgien!"

­


Was waren es noch für geruhsame, nachgerade spießige Zeiten, damals, auf der anderen Seite des "großen Teichs" zu den Hochzeiten der Gültigkeit des Volstead Acts von 1919, gemeinhin als Prohibition geläufig, als der Staatsfeind Nr. 1 noch Al Capone hieß statt, je nach dem Gusto der Berichterstatter, Donald Trump oder Vladimir Putin, und als ein Schriftsteller die Diagnose eines von Korruption und Verbrechen metastasierend zerfressenen Gemeinwesens noch an folgender Symptomatik festmachen konnte:

I first heard Personville called Poisonville by a red-haired mucker named Hickey Dewey in the Big Ship in Butte. He also called his shirt a shoit. I didn't think anything of what he had done to the city's name. Later I heard men who could manage their r's give it the same pronunciation. I still didn't see anything in it but the meaningless sort of humor that used to make richardsnary the thieves' word for dictionary. A few years later I went to Personville and learned better.

[...] I rode up to the Great Western Hotel, dumped my bags, and went out to look at the city.

The first policeman I saw needed a shave. The second had a couple of buttons off his shabby uniform. The third stood in the center of the city's main intersection--Broadway and Union Street--directing traffic, with a cigar in one corner of his mouth. After that I stopped checking them up. (Chapter 1, "A Woman in Green and a Man in Gray")

Moments bloguicaux: Angela Merkel und die Ehe für alle

Man musste schon naiv sein, wenn man glaubte, dass Angela Merkel, die während ihrer Kanzlerschaft so manche stolze Bastion des Konservatismus geschleift hat, diesen an der ohnehin schon abrissreifen Mauer der Begrenzung der Ehe auf einen Lebens(abschnitts)bund von Mann und Frau verteidigen würde. Nachdem zuletzt auch die FDP - wie zuvor schon die Grünen und die SPD - und somit alle Parteien, die für eine Koalition mit der Union in Frage kommen, die Homosexuellenheirat zur conditio sine qua non für ein Regierungsbündnis ausgerufen hatten, war abzusehen, dass die Bundeskanzlerin ihre bisher skeptische öffentliche Einstellung zur sogenannten Ehe für alle nicht aufrechterhalten würde.

25. Juni 2017

Sarrazin, Sieferle und die Antisemitismus-Doku: Vom Umgang mit nicht hilfreichen Werken

Der von der römisch-katholischen Kirche weiland herausgegebene Index Librorum Prohibitorum war eine paradoxe Angelegenheit. Denn es ist zu vermuten, dass er so manchem Buch, dessen Lektüre durch die Aufnahme in die schwarze Liste eigentlich verhindert werden sollte, zu neuen Lesern verhalf, die andernfalls nie von dem unter das Bannedikt gestellten Titel erfahren hätten.

Den beschriebenen Effekt erlebte das Publikum in Deutschland in jüngerer Zeit in der Auseinandersetzung um die Schrift „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin. In einer bis dahin beispiellosen, von Journalisten, Lobbyisten und Politikern betriebenen Verdammungszeremonie wurden Werk und Autor zu diskreditieren versucht. Die durch die medialen Erregungen entfachte Neugier der Bürger dürfte zum wirtschaftlichen Erfolg der Sachbuchveröffentlichung nicht unwesentlich beigetragen haben.

24. Juni 2017

咖啡! - Kāfēi!


姚蘇蓉  -  給我一杯愛的咖啡 / "Gěi wǒ yībēi ài de kāfēi "

给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,访问一下爱的禁地。
给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,探视一下爱的神秘。
咖啡是甜是苦,我都不介意,我需要的是鼓励鼓励。
咖啡是冷是热,我都不嫌弃,我寻求的是刺激刺激。
给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,探视一下爱的神秘。
咖啡是甜是苦,我都不介意,我需要的是鼓励鼓励。
咖啡是冷是热,我都不嫌弃,我寻求的是刺激刺激。
给我一杯爱的咖啡,纵然喝醉也不怪你。
我要带着三分醉意,探视一下爱的神秘。

23. Juni 2017

Zitat des Tages: Kleiderordnung in der Schule

"Die Schule ist kein Schwimmbad, kein Laufsteg und auch keine Disco. Zu locker gekleidete Mädchen haben eine ablenkende Wirkung auf Jungs."

So der nur noch wenige Tage amtierende Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Josef Kraus, im Interview mit WELT-Online in Bezug auf schulische Kleiderordnungen.

Kommentar: Josef Kraus scheint ein Mann dezidierter und - gemessen am Klischee des linken Lehrers - eher konservativer Meinungen zu sein. Darauf lässt jedenfalls die Timeline der Pressemitteilungen auf der DL-Homepage schließen.

19. Juni 2017

"Morgen in der Stadt" (1709), 討厭的早晨 (1944)



Jonathan Swift - "A Description of the Morning" (1709)

Now hardly here and there a hackney coach
Appearing, showed the ruddy morn's approach.
Now Betty from her master's bed had flown,
And softly stole to discompose her own.
The slipshod 'prentice from his master's door,
Had pared the street, and sprinkled round the floor.
Now Moll had whirled her mop with dext'rous airs,
Prepared to scrub the entry and the stairs.
The youth with broomy stumps began to trace
The kennel edge, where wheels had worn the place.
The smallcoal-man was heard with cadence deep,
Till drowned in shriller notes of chimney-sweep.
Duns at his lordship's gate began to meet;
And Brickdust Moll had screamed through half a street;
The turnkey now his flock returning sees,
Duly let out at nights to steal for fees.
The watchful bailiffs take their silent stands;
And schoolboys lag with satchels in their hands.


18. Juni 2017

Wider den Zwang zur Distanzierung. Was ich vor 25 Jahren nicht getan habe

Erinnern Sie sich noch an die Lichterketten, die im Winter 1992 in vielen deutschen Städten als Reaktion auf den Brandanschlag von Mölln stattfanden? Ich muss gestehen, dass ich an keiner solchen Veranstaltung teilgenommen habe.

Die Einstellung, die auf diesen Versammlungen vertreten wurde, nämlich dass man Verbrechen gegen Leib und Leben verurteilte, entsprach (und entspricht) freilich meiner Überzeugung. Ich hätte kein Problem damit gehabt, zu dieser Haltung zu stehen.

17. Juni 2017

Marginalie: Das Unterschichtenfernsehen? Nein, das Triebabfuhrfernsehen

Wenn eine Journalistin die von ihr rezensierte Fernsehsendung mit Attributen wie „Blase der Blödheit“ und „komplett sinnleere[n] Dauerschleife“ versieht; wenn sie die in dem Format auftretenden Kandidaten als „Dumpfgockel“, „Trottel“ und „Brunftwachteln“ apostrophiert; wenn sie für die weiteren Folgen der Show „zumindest einige Prolligkeiten aus dem Bückwarenbereich“ erwartet; dann könnte man als naiver Leser vermuten, dass es sich bei dem Artikel um einen drastisch formulierten, ja grenzwertigen Verriss handelt.

In Wirklichkeit ist Anja Rützel, Verfasserin eines auf Spiegel-Online erschienen, die vorstehenden Zitate enthaltenden Textes über die RTL-Produktion „Die Bachelorette“, laut Autorenporträt auf der Homepage der Fischer-Verlage „bekennender Trash-TV-Fan“. Ihrer Polemik ist zu entnehmen, dass sie mit den Zumutungen für ihr ästhetisches Empfinden gerechnet hat. Wie kann man als Freundin des sogenannten Unterschichtenfernsehens nur so despektierlich über einen Exponenten dieses Flimmerkistensegments schreiben, zumal ohnehin alles so gekommen ist, wie man es vorhergesehen hat?

16. Juni 2017

Helmut Kohl ist tot


Er war der erste Bundeskanzler, dessen Amtszeit der Verfasser dieser Zeilen voll und ganz miterlebt hat. Und er war der letzte Vertreter der rheinischen CDU, also einer katholisch-konservativen, aber gerade nicht nationalistischen, sondern der Westbindung und der europäischen Integration verschriebenen Partei.

Bug oder Feature?

Deutschland tut sich schwer mit dem "Neuland" Internet.
Einerseits versuchen geistig im Gestern und Vorgestern verhaftete Politiker die praktische Nutzung einzuschränken.
Andererseits soll die verbleibende Nutzung möglichst schnell laufen. Und wenn das irgendwo nicht klappt, setzt die große Diskussion ein: Staatsversagen oder Marktversagen?

Aber wie so oft lautet die Antwort: Das Versagen sitzt vor der Tastatur. Sowohl bei manchen Internet-Nutzern wie bei "Journalisten", die darüber berichten.
Denn das behauptete "Problem" ist keines, das gehört so.

Eine kleine Filmrezension für einen nicht hilfreichen Film

Die letzten Wochen rauschte es so ein kleines bischen im feuilletonistischen Blätterwald: Der Sender Arte weigerte sich eine bestellte Dokumentation über Antisemitismus in Europa mit dem Titel "Auserwählt und Ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa" zu senden. Begründet wurde dieser Schritt von Seiten Arte damit, dass die Autoren "das Thema verfehlt" hätten und am Ende eine ganz andere Reportage gemacht hätten, als man bestellt habe.
Da so etwas in Deutschland aus naheliegenden Gründen immer ein Politikum darstellt, lies es sich der Zentralrat der Juden in Deutschland nicht nehmen, den Sender nachdrücklich aufzufordern die Reportage doch bitte zu senden und nicht in der Schublade verschwinden zu lassen. Die Bild Zeitung, in ihren sinkenden Auflagen durchaus an etwas Aufmerksamkeit stark interessiert, heizte die Diskussion in den vergangenen Tagen dann weiter an, pfiff auf das Urheberrecht und setzte den Film in einer eher etwas ungewöhnlichen Aktion für 24 Stunden ins Netz.

15. Juni 2017

Der mediale Mythos des Raser-Problems – Teil 1

Die Temperaturen mögen zwar dazu passen, aber vermutlich wird in diesem Wahljahr das traditionelle Sommerloch nicht aufklaffen. Gleichwohl holen die Grünen einen alten Hut der medialen Saure-Gurken-Zeit aus der Requisite: Härtere Strafen für Raser werden gefordert. Der Straßenverkehrsgemeingefährdungsparagraph § 315c StGB soll nach Ansicht der Partei der Gutdünkenden dahin abgeändert werden, dass grob verkehrswidriges und rücksichtloses Zu-Schnell-Fahren, wodurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet werden, nicht nur dann strafbar ist, wenn es an unübersichtlichen Stellen, an Straßenkreuzungen, Straßeneinmündungen oder Bahnübergängen erfolgt (§ 315c Abs. 1 Nr. 2 lit. d StGB).

13. Juni 2017

Marginalie: Die SED will Steuern

Wenn sich ein Neoliberaler mit dem Steuerkonzept von Sozialisten auseinandersetzt, dann steht die Bewertung wohl schon vergleichsweise fest. Dennoch erscheint mir das, was die SED derzeit in ihr Parteiprogramm schreibt, derart wahnwitzig, dass es noch dem letzten auffallen müsste, dass das, was die SED da plant schlicht das Ende der BRD ist, wie wir sie kennen.

12. Juni 2017

Die Quadratur der Rente. Von und mit Martin Schulz

Martin Schulz, ersatzweise einem seiner Berater, ist die alter Weisheit aufgegangen, dass in einem Land mit einer überalterten Bevölkerung, das Thema Rente ein wunderbares ist, um auf Stimmenfang zu gehen. Nachdem man mit innerer Sicherheit bei den Landtagswahlen, vor allem in NRW, krachend gescheitert ist, der Schulz-Zug auf dem Abstellgleis irgendwo zwischen Düsseldorf und Berlin hängen geblieben ist und so allmählich die Apparatschik Mentalität, die Schulz in Brüssel an den Tag gelegt hat, durchsickert, wird es langsam eng für "den Kandidaten".

10. Juni 2017

徐志摩 - 在黑夜里奔 | Xu Zhimo, "Nachtzug" (1931)



徐志摩 - 在黑夜里奔


车擒火住轨,在黑夜里奔:
过山,过水,过陈死人的坟:

过桥,听钢骨牛喘似的叫,
过荒野,过门户破烂的庙;

过池塘,群蛙在黑水里打鼓,
过噤口的村庄,不见一粒火;

过冰清的小站,上下没有客,
月台袒露着肚子,像是罪恶。

这时车的呻吟惊醒了天上
三两个星,躲在云缝里张望;

那是干什么的,他们在疑问,
大凉夜不歇着,直闹又是哼,

长虫似的一条,呼吸是火焰,
一死儿往暗里闯,不顾危险,

就凭那精窄的两道,算是轨,
驮着这份重,梦一般的累坠。

累坠!那些奇异的善良的人,
放平了心安睡,把他们不论

俊的村的命全盘交给了它,
不论爬的是高山还是低洼,

不问深林里有怪鸟在诅咒,
天象的辉煌全对着毁灭走;

只图眼着过得,裂大嘴打呼,
明儿车一到,抢了皮包走路!

这态度也不错!愁没有个底;
你我在天空,那天也不休息,

睁大了眼,什么事都看分明,
但自己又何尝能支使运命?

说什么光明,智慧永恒的美,
彼此同是在一条线上受罪,

就差你我的寿数比他们强,
这玩艺反正是一片湖涂账。

8. Juni 2017

Meckerecke: Ex und cum. Ein Tiefpunkt des deutschen Gesinnungsjournalismus

Woran denken Sie, liebe Leser, wenn Sie das Wort "Steuerraub" lesen? An ein Diktum des Doctor Angelicus? Weit gefehlt. Der deutsche Gesinnungsjournalist bezeichnet mit dieser Vokabel das Ausnutzen von fiskalrechtlichen Regelungslücken, die vor ihrer Schließung jedenfalls in ihrer Cum-Cum-Variante von einem Sprecher des Bundesfinanzministeriums als "illegitim", aber nicht illegal bezeichnet wurden.

7. Juni 2017

Hat der einfache Gesetzgeber ein Steuererfindungsrecht? Zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts

Gemäß dem Beschluss des 2. Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 13. April 2017 zu 2 BvL 6/13 ist das Kernbrennstoffsteuergesetz mit Artikel 105 Absatz 2 in Verbindung mit Artikel 106 Absatz 1 Nummer 2 des Grundgesetzes unvereinbar und nichtig (hier der Entscheidungsvolltext; hier die Pressemitteilung).

Diese Entscheidung ist, wenn man rein ihren Tenor betrachtet, wenig aufsehenerregend, da das für nichtig erklärte Gesetz Betreiber von Atomkraftwerken, also eine überschaubare Zahl von Normadressaten, betraf. Für den Rest der Menschheit ist jedoch die Begründung von Interesse, mit welcher das Bundesverfassungsgericht seine Ansicht unterfüttert.

Denn die zentrale Frage, mit der sich die Karlsruher Richter auseinanderzusetzen hatte, lautete: In welchem Umfang hat der einfache Gesetzgeber ein Steuererfindungsrecht, also die Befugnis, neue Steuerarten einzuführen?

Ist die Bewilligung von Horst Mahlers Auslieferung eine Meldung wert?


Wenn der Chefredakteur des „Hintertupfinger Kuriers“ die Schlagzeile „Heute kein Verkehrsunfall auf der Dorfstraße“ in seine Zeitung setzt, dann liegen zwei Interpretationen nahe: Entweder handelt es sich um einen sehr schlechten Journalisten, der einer Selbstverständlichkeit Nachrichtenwert beimisst. Dies wäre der Fall, wenn es auch in den vergangenen Wochen keinen Verkehrsunfall auf der Dorfstraße gegeben hätte. Bekanntermaßen ist „Hund beißt Mann“ keine Meldung, „Mann beißt Hund“ dagegen schon. Oder es verhält sich so, dass Unfälle auf der Dorfstraße die Regel und nicht die Ausnahme sind. Dann ist ein reibungsloser Verkehrsfluss auf der Hauptgasse des kleinen Ortes sehr wohl erwähnenswert.

"Trumpen rabunken! Covfefe schtonk!"

Nun ist es also passiert. Am vergangenen Donnerstag hat der amerikanische Präsident das gemacht, was nach dem augenscheinlich einhelligen Urteil unseres polit-medialen Komplexes den Tatbestand eines Kapitalverbrechens erfüllt: Er hat ein Wahlversprechen eingelöst. Die Ankündigung, sich aus dem Pariser Klimaabkommen, dem Accord de Paris, beschlossen im Dezember 2015 auf der jährlichen Weltklimakonferenz und im November 2016 in Kraft getreten, zurückzuziehen, hat denn auch übergreifend durch die hiesigen Lager ein Beben auf der nach oben offenen Betroffenheits- und Empörungsskala ausgelöst. Wie zum Beweis, daß man wieder einmal keine Parteien, sondern nur noch Deutsche - Entschuldigung: Schonlängerhierseiende (SLHSs) - kennt, oblag es der Führung der nominellexistenten Opposition im Bundestag in Gestalt von Frau Katja Kipping, das Offenkundige auszusprechen: 
"dieser Austritt aus dem Klimaschutz ist eine Kriegserklärung" 
- freilich nicht nur an die Deutschen oder den Alten Kontinent, sondern gleich "an den Planeten" - aber da Mutter Gaia über wenige schlagfertige Divisionen verfügt, wird es wohl wieder einmal an den Deu...den Längerhieranwesenden hängenbleiben, den Fehdehandschuh aufzunehmen.

5. Juni 2017

齊豫 - 菊嘆 (1983)

Die Wochenenden immer den Künsten!



齊豫 - 菊嘆

所有的等待 只為金線菊
微笑著在寒夜裡 徐徐綻放
像林中的落葉 輕輕飄下
那種招呼 美如水聲
又微帶些風的怨嗔
讓人從蕨類咬住的小徑
驚見澄黃的月光
還有 傍晚樵夫遺下的柴枝
冷冷鬱結著的 褪了色的幽淒

所有的等待 只為金線菊
微笑著在寒夜裡 徐徐綻放
像林中的落葉 輕輕飄下
那種招呼 美如水聲
又微帶些風的怨嗔
讓人從蕨類咬住的小徑
驚見澄黃的月光
還有 傍晚樵夫遺下的柴枝
冷冷鬱結著的 褪了色的幽淒

走過總是垂髮低頭
故意是裝不來的 林外的溪水
緊緊攀著草葉的幾滴淚
此刻 在風中瓦解了
妳問我浮萍的邏輯
啊 ..... 那就是吧
露珠向大地 沉墜的輕喟
而菊 尤其金線菊 是耐於等待的
寒冬過了就是春天 

我用一生來等妳的展顏
我用一生來等妳的展顏
我用一生來等妳的展顏


3. Juni 2017

So, jetzt habt ihrs geschafft. Eine Anmerkung zum Kirchentag.

Als bürgerliches Mitglied der evangelischen Kirche muss man schon eine ganze Weile entweder ziemlich stark oder ziemlich blöde sein. Ersatzweise hilft auch ein bischen was von beidem. Aber so richtig ist es kein Geheimnis, dass sich die evangelische Kirche Deutschlands in den letzten Jahren mehr und mehr zu einer Außenstelle der Grünen verwandelt hat. Das die heutige Vorsitzende(!) der Grünen, Katrin Göring-Eckhardt, vorher Chef (Präses) der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland gewesen ist, ist dabei nur der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl. Auch andere Vorturner, wie die berühmte (oder eher berüchtigte) Margot Käßmann, machen nicht gerade einen Hehl aus ihren politischen Ansichten, als auch aus ihrem Anspruch diese Ansichten laut und deutlich in die Welt zu tragen.

2. Juni 2017

Zeitmarke. "It was twenty years ago today...."

­

"...Sergeant Pepper taught a band to play.
They've been going in and out of style,
But they're guaranteed to raise a smile.
So let me introduce to you
the one and only Billy Shears
and Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band!"


Als Paul McCartneys Stimme, heute vor 50 Jahren zum ersten Mal auf Abertausenden von Plattenspielern abgespielt, den Reigen im Songzyklus des zwölften Albums der Beatles eröffnete , um dann nach der absteigenden Bläserkaskade in G-Dur von Ringos Ringen um die rechte Tonart abgelöst zu werden, bildete das einen seltenen, nein: nie wieder seitdem erreichten Kulminations- und Umschlagpunkt auf gleich drei zeitgeistigen Ebenen. 


1. Juni 2017

Fußnoten zum Begriff der Leitkultur

In unregelmäßigen Abständen führt das Bundesbauerntheater einen Schwank in zwei Akten namens „Leitkulturdebatte“ auf. Dramatis personae sind nach guter altaltgriechischer Art neben einem einzigen Schauspieler nur die Mitglieder des Chores. Im ersten Aufzug tritt der stets schwarz gekleidete Protagonist auf die Bühne und deklamiert in hartem Stakkato seine Forderung nach einer (an dieser Stelle gestattet das Stück improvisatorische Freiheit) deutschen, europäischen, abendländischen, christlichen oder christlich-jüdischen Leitkultur. Den zweiten Akt füllt das näselnde Lamento des Chores aus linken Parteien, Multikulti-Lobbyisten und Medienvertretern, die den rechten, ja faschistischen Charakter des Monologes des düster gewandeten Hauptdarstellers rügen und dem Publikum mit der Subtilität eines Knallchargen versichern, das Grundgesetz reiche zur Lösung der Integrationsfrage völlig aus.

31. Mai 2017

Marginalie: Und jetzt wundern sie sich

­Ist es lustig? Oder ist des seltsam? Da haben nicht wenige Politiker, die deutschen vorneweg, seit Monaten wenig anderes zu tun, als Donald Trump zum Leibhaftigen zu erklären, und jetzt wundern sich genau die selben, dass der Leibhaftige ihnen den Stinkefinger zeigt.

Aktuelle "Fake News" kurz kommentiert

­Wie heute durch zahlreiche Presseportale vermeldet wurde, wies der UN Gernalsekretär Atonio Guterres, im Rahmen einer Rede darauf hin, "dass der Klimawandel wissenschaftlich bewiesen ist und eine allgegenwärtige Bedrohung darstellt." Viele Presseportale, wie zum Beispiel Die Zeit online, verbreiteten diese Nachricht.

Dazu ist meines Ermessens folgendes zu sagen:

1) Es kann per definitionem keinen wissenschaftlichen Beweis eines naturwissenschaftlichen Sachverhaltes geben. Entweder hat also Atonio Guterres wissenschaftliche Prinzipien nicht verstanden oder er sagt bewußt etwas Falsches.

2) Der Wandel des Klimas ist erdgeschichtliche Normalität, deren Wahrnehmung auch ohne Beweis auskommt. Mir ist kein ernstzunehmender Wissenschaftler bekannt, der diese Wahrnehmung anzweifeln würde.

3) Die Aussage der Klimawandel stelle eine allgegenwärtige Bedrohung dar direkt neben die Behauptung er sei bewiesen zu platzieren, versucht dieser willkürlichen Behauptung ebenfalls wissenschaftliche Seriosität zu verleihen.

30. Mai 2017

Brauner Wind im Wasserglas

Das diesjährige Basistreffen der Grünen findet im Lutherjahr statt. Und wer sich mit dem großen Reformator näher beschäftigt hat weiß, daß er deftige und kontroverse Wortmeldungen bevorzugte.

Entsprechend schlägt auch die offizielle Lutherbotschafterin der EKD zu:
Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern. Da weiß man, woher der braune Wind weht.

Und prompt kommt die Reaktion, in allen Internetforen rechts oder sehr weit rechts der Mitte wird das Zitat herumgereicht und wortreich Klage geführt, daß Kässmann alle "Biodeutschen" als Nazis verunglimpfen würde. Und Kolumnisten wie Broder schließen sich der Empörung an.

Aber: Stimmt das Zitat überhaupt?

29. Mai 2017

徐志摩 - 再别康橋 - Xu Zhimo, "Erneuter Abschied von Cambridge" (1928)



In Cambridge, direkt hinter der Brücke, über die der Weg vom King's College über die Cam führt, die den Campus der Universität teilt, findet sich seit dem Juli 2008 ein Gedenkstein, auf dem die letzten vier Zeilen eines Gedichts in hanzi, also in chinesischen Schriftzeichen, eingraviert sind. Es handelt sich um eines der bekanntesten Gedichte der modernen chinesischen Lyrik, und um eins der beiden bekanntesten seines Verfassers, Xu Zhimo (1897-1931). Das Gedicht ist seit vielen Jahrzehnten verpflichtende Schullektüre auf chinesischen weiterführenden Schulen in jenem Abschnitt, der bei uns der gymnasialen Mittelstufe entspricht, und man kann ruhigen Gewissens sagen, daß jeder dieser Schüler ein oder zwei Zeilen darauf im Gedächtnis bewahrt. Vollständig lautet das in reimenden Vierzeilern gehaltene Gedicht so:

再别康橋

輕輕的我走了,
正如我輕輕的來;
我輕輕的招手,
作別西天的雲彩。

那河畔的金柳,
是夕陽中的新娘;
波光裡的艷影,
在我的心頭蕩漾。

軟泥上的青荇,
油油地在水底招搖;
在康河的柔波裡,
我甘心做一條水草!

那榆蔭下的一潭,
不是清泉,是天上虹;
揉碎在浮藻間,
沉澱著彩虹似的夢。

尋夢?撐一支長篙,
向青草更青處漫溯;
滿載一船星輝,
在星輝斑斕裡放歌。

但我不能放歌,
悄悄是別離的笙簫;
夏蟲也為我沉默,
沉默是今晚的康橋!

悄悄的我走了,
正如我悄悄的來;
我揮一揮衣袖,
不帶走一片雲彩。

22. Mai 2017

Kleine Meldungen. Heute: Aus dem Willy-Brandt-Haus

Zu den Obliegenheiten, die mit dem Bürgerstatus einher gehen, zählen bekanntlich nicht nur -Rechte, sondern auch -Pflichten, deren oberste seit 211 Jahren bekanntlich die "Ruhe" darstellt. Als "Bürgerjournalist" (vulgo Blogger) erwächst dazu die Pflicht zur Information des geneigten wie aufrechten Publikums, falls sich die Möglichkeit bietet, der Aufklärungsarbeit gerade auch unserer öffentlich-rechtlichen Anstalten die eine oder andere hilfreiche Facette beizufügen. Da der Chronist nicht nur über ein scharfes inneres Auge verfügt, als Kompensation für eine nachgerade fledermausartige Blindnis in der stets überbewerteten Wirklichkeit verfügt, sondern auch über einen nachweisbaren Anflug von 7. Sinn - er hat, es kann auf Anfrage belegt werden, am 1. Mai exakt um 15 Uhr 45 in einem Facebook-Chat den Wahlerfolg der AfD bei den noch im Nebel des Futurs verborgenen Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen auf 7.4 Prozent taxiert - sieht er sich in der glücklichen Lage, zu einer Kleinen Meldung vom heutigen Tage Erhellendes beizusteuern.

Die folgende Meldung rauscht heute, kurz vor der Mittagszeit, kurz verstörend die hautstädtischen Medienoutlets. Unter der Headline "BOMBEN-ALARM UND WIRBEL UM PARTEIPROGRAMM: Riesen-Aufregung in der SPD-Zentrale" meldete etwa das Online-Portal der Zeitung mit den vier Großen Buchstaben:

Riesen-Aufregung in der SPD-Zentrale
SPD-Zentrale zeitweise geräumt - Quelle: Reuters
Inmitten der Beratungen des SPD-Parteivorstandes über das Regierungsprogramm für die Bundestagswahl ist am Montag die Parteizentrale in Berlin evakuiert worden. Um 9.45 Uhr wurde ein verdächtiger Gegenstand in der Poststelle des Willy-Brandt-Hauses gefunden. 
Die Mitglieder des Parteivorstandes und die Mitarbeiter versammelten sich für knapp zwei Stunden außerhalb des Gebäudes auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Der Parteivorstand sollte ab 10 Uhr eigentlich abschließend über den Entwurf des Regierungsprogramms beraten, über den ein Parteitag am 25. Juni entscheidet.

Weiter hieß es gegen Mittag in der über die Stunden leicht den wechselnden Gegebenheiten angepaßten Meldung:
Die Polizei sperrte das Gebäude ab, aus dem Warnsirenen zu hören waren. 
Hier dürfte womöglich vom Zeitungsschreiber eine voreilige Verbindung insinuiert worden sein. Nach den letzten drei Landtagswahlergebnissen sollte dies für diese Partei der Normalzustand sein.

Beim folgenden Satz:
Daher standen auch Spitzengenossen wie Fraktionschef Thomas Oppermann, Generalsekretärin Katarina Barley oder Arbeitsministerin Andrea Nahles auf dem Bürgersteig.
beschlich den Chronisten das sichere Gefühl, einen Blick in die Zukunft nach dem 24. September erhascht zu haben. Ab etwa 15:00 heute Nachmittag wurde die BILD-Meldung um diese Auskunft ergänzt:

Nach BILD-Informationen soll es sich bei dem Gegenstand um einen Holzkasten handeln, der einer Spendenbox ähnelt. Aus ihm sollen zwei Drähte herausgeguckt haben. Nach einer Überprüfung durch Röntgen konnte eine Gefahr ausgeschlossen werden. „Es sah so aus, als wenn in der Tat ein paar Drähte herausragen würden“, sagte der Polizeisprecher. Ob es sich um einen Scherz gehandelt hat, müssten die weiteren Ermittlungen zeigen.
I call you fake news! Wie dem Chronisten aus gewöhnlich stets gutinformierten Kreisen versichert wurde, liegt hier eine Verwechslung vor. Bei dem "Holzkasten, aus dem Drähte herausguckten," soll es sich demnach um den Genossen Stegner gehandelt haben. Außerdem scheint der Name von Herrn Röttgen (mutwillig?) entstellt worden zu sein. Nun bleibt die Frage: welches denn nun wirklich jener verdächtige Gegenstand war, welcher bei den Genossen, und dies ganz wörtlich verstanden, die Alarmglocken schrillen ließ?

Der Chronist sieht sich hier in der glücklichen Lage, dieses Welträtsel aufzulösen:

Marginalie: Raider muss weg!

Crooked Hillary says we must call on Saudi Arabia and other countries to stop funding hate. I am calling on her to immediately return the $25 million plus she got from them for the Clinton Foundation!

Nun hat also Crooked Don nach gerade einmal 120 Tagen im Amt seine erste Auslandsreise hinter sich (zuvor hat er es nicht einmal über den Mississippi geschafft), und sie führt ihn ausgerechnet ins Land der Scheichs, wo er was getan hat? 

Er hat Saudi-Arabien und andere (islamische) Staaten aufgefordert, die Finanzierung des Terrors zu bekämpfen, und seine Tochter hat eine 100-Millionen-Dollar-Spende für ihre Stiftung eingesammelt.

白左 - oder was heißt eigentlich "linksverstrahlt" auf Chinesisch?

白左 - bái zuǒ.

Manchmal ist es hübsch, wenn man auf einen kleinen Beitrag aufmerksam wird, der durchweg erhellend ist, einen erhellenden Aspekt zu den Facetten des Rauschens der Gegenwart addiert, und den man nicht erweitern oder erläutern muß, weil er den Sachverhalt so bündig faßt, daß einem nur der Hinweis darauf bzw. die Weiterverteilung an die eigene Filterbubble obliegt. Deshalb hier ein solcher Fingerzeig auf einen dieser Fingerzeig, den Michael Klonovsky vor wenigen Tagen auf seinem wie immer lesens- und schätzenswerten Netzlog acta diurna gegeben hat.

Auf der Webseite von openDemocracy widmet sich ein Beitrag dem in chinesischen online-Foren vagabundierenden Terminus baizuo (白左), "or literally the 'white left'" (ich danke Leser *** für den Hinweis). Der Begriff sei erstmals vor etwa zwei Jahren aufgetaucht und gehöre inzwischen zu den am meisten gebrauchten "derogatory descriptions for Chinese netizens to discredit their opponents in online debates". In China kann also jemand geschmäht werden, indem man ihn als "weißen Linken" bezeichnet – ist das nicht skurril? – bzw. diesem Menschen vorwirft, wie ein solcher zu argumentieren. (acta diurna, 16. Mai 2017)
(Als kleine Anfügung sei noch bemerkt, daß es ein hübsches Erlebnis für einen - nicht allzu umtriebigen - Lernenden des Chinesischen ist, den Sinn der Hanzi unverhofft schneller zu erfassen als ihre Übersetzung oder die Transliterierung im Hanyu pinyin. Obwohl es sich um schlicht Triviales handelt: das Zeichen 白, bái gehört zur Grundausstattung der Farbbezeichnungen wie , , / schwarz, rot, gelb  und ist aufgrund der einprägsamen Strichfolge mnemotechnisch ein Selbstläufer; für 左 als Gegensatz zu 右, yòu/rechts, gilt als elementarer Dichotomie desselbe.)

17. Mai 2017

Geoffrey Bayldon, 1924 - 2017



Es gibt Schauspieler, die, obwohl sie auf eine lange Karriere, oft Jahrzehnte überspannend, zurückblicken können, es dennoch nie in die Reihe der markanten, großen Stars geschafft haben - und die trotzdem in manchen Fällen so sehr mit einer bestimmten Rolle identifiziert worden sind, daß man von einem Verschmelzen der schauspielerischen persona sprechen kann. Ihre übrige Karriere als sidekicks, als bit players, supporting actors - also als die markanten Charaktere, die den Hauptakteuren Rahmen und Kontrast verleihen, wirkt daneben nicht nur blaß, sie verschwindet auch auf dem Gedächtnis des zusehenden Publikums. Geoffrey Bayldon, der am vorigen Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben ist, war so ein Fall. Für jetzt drei oder vier heranwachsende Generationen - für das hier intendierte Publikum kann eine Generation wohl mit höchstens fünf Jahren angesetzt werden - war er, nicht nur in deutschen Sprachraum, sondern auch in seiner englischen Heimat, eins mit Catweazle, dem exzentrischen, grimassierenden und so absolut starrköpfig wie inkompetenten Zauberer, der sich - 1066 and all that - durch einen wie üblich mißratenen Zauberspruch vor der Verfolgung durch normannische Soldaten nicht an einen anderen Ort, sondern eine andere Zeit hext und hinfort, das heißt 13 Folgen lang, als fish out of temporal water seinen vergeblichen Kampf gegen die Unbillen der modernen Technik ausficht.

16. Mai 2017

Friedensuschis fröhlich feifendes Fähnlein. Ein bescheidener Vorschlag



Als vor über einem Jahr an dieser Stelle vom Protokollanten der Vorschlag gemacht wurde, doch bitte die Alten Zöpfe der bundesdeutschen Corporate Identity zu entsorgen und den Gegebenheiten und Gefühlslagen des 21. Jahrhunderts anzupassen, indem man die überkommenen Hymnen dem Matmos der damnatio memoriae überantworte und sich dessen mit frischem, zeitgeistig sandgestrahltem Liedgut gegen die Unbillen der Zeit wappnen sollte, da war noch nicht abzusehen, wie schnell zu "Scherz, Satire, Ironie" (so Christian Dietrich Grabbes Titel von 1822) die tiefere Bedeutung hinzutreten und der - jawoll - Ernstfall eintreten würde. 

14. Mai 2017

Zur Wahl in NRW. Der Arbeitstag der Spin-Doktoren beginnt.

Es ist 17:07, die Zeit bei der ich den Artikel beginne. In nicht ganz einer Stunde werden die ersten Exit-Polls vorliegen, respektive unterliegen sie dann nicht mehr einem Veröffentlichungsverbot. Und in der selben Minute wird dann auch die Arbeitszeit der Spin-Doktoren beginnen.
Denn, völlig unabhängig von ihrem Ausgang, ist die Wahl in NRW eben nur eine von vielen. Und sie liegt natürlich auch im Schatten der weit bedeutenderen Bundestagswahl im Herbst. Zeit, aus dem Ergebnis das Maximale heraus zu holen.

13. Mai 2017

Wahlplakate in NRW. Zum Schluss die FDP.

Jetzt hätte ich gerne zum Abschluss ein schönes Bild von einem der Lindner-Plakate gehabt. Leider habe ich keins, was weniger daran liegt, dass es keine gäbe, sondern eher daran, dass sie nicht so sehr am Straßenrand hängen, sondern auf klassischen Plakatwänden (wo ich nicht immer vorbei komme). Die ganze Kampagne der FDP unterscheidet sich von den meisten der anderen Parteien: Sie ist erheblich professioneller. Beispiele kann man hier sehen. Wenn man sich die meisten Plakate angesehen hat, so kommt man zu zwei Hauptthemen: 1. Die derzeitige Regierung versaut so ziemlich alles (stimmt). 2. Wählen Sie Christian Lindner, um das zu ändern. Prinzipiell wäre das eine sehr schöne Kampagne, die Sprüche sind markant, frech, teilweise witzig und transportieren auch die eine oder andere Idee (siehe das Thema mit den Gründern, was so bei den anderen nicht vorkommt). Nach meinem Geschmack könnten sie etwas mehr liberale Programmatik vertragen, aber sie sind für sich schon sehr gut.

12. Mai 2017

Viele Wähler zurücklassen: Mutter und Vater Staat bei der nordrhein-westfälischen SPD

Am Sonntag wird im bevölkerungsreichsten Bundesland ein neuer Landtag gewählt. Und wie das vor einem Urnengang so ist, besteht direkte Proportionalität zwischen dem Niveau der von Politikerseite getätigten Aussagen und der Länge des Zeitraums bis zur Öffnung der Abstimmungslokale.

Hannelore Kraft, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin, inszeniert sich gerne als Urheberin des Programms oder - kongenial ausgedrückt - Heilsversprechens Kein Kind zurücklassen. Der Name stammt offenkundig aus Übersee, doch das Sozialpädagogen- und Kümmerergeschwurbel, mit dem die Initiative angepriesen wird, ist typisch für die Erben des aufgeklärten Absolutismus: Da ist von zu hohen Schwellen die Rede und sinngemäß davon, dass die Eltern dort abgeholt werden müssen, wo sie stehen. So spricht "Mutter Staat", wie Zettel die obrigkeitlichen Fürsorge-Anmaßungen in seinem Interview mit Cora Stephan treffend nannte.

10. Mai 2017

Wahlplkate in NRW. Afd & Company

Es mag seltsam und unfair erscheinen, einen Beitrag zur AfD mit Wahlplakaten der Republikaner zu versehen. Aber das hat einen simplen Grund: Trotz intensiver Suche ist dieser Autor nicht in der Lage gewesen, ein Wahlplakat der AfD vor die Linse zu bekommen. Sie sind schlicht nicht da. Und da Republikaner und AfD in diesem Wahlkampf zumindest eine Sache gemeinsam haben, wurden sie hier zusammengepackt, doch dazu unten mehr.

9. Mai 2017

Wahlplakate in NRW. Grün würgt.

Nein, die CDU ist immer noch nicht dran, denn die derzeit zweite Regierungspartei sind ja nun die Grünen. Man sollte erwarten, dass man sich, gerade als kleiner Koalitionspartner, versucht zu profilieren und die Erfolge der vergangen vier Jahre Regierung herauszustellen versucht. Wenn denn welche da wären. Denn offenkundig sind diese so knapp bemessen, dass die Grünen die vermutlich sinnloseste Kampagne der ganzen Wahl fahren.

8. Mai 2017

Feu tricolore (7): Der bittere Sieg des Emmanuel Macron

Emmanuel Macron hat die Stichwahl zum französischen Staatspräsidenten mit rund 66 Prozent der Stimmen gewonnen. Mit einem Sieg des 39-Jährigen war nach der ersten Runde des Urnenganges weitgehend gerechnet worden, wenn auch vielleicht nicht in dieser Deutlichkeit. Im Vergleich zu 2002, als sich der sogenannte front républicain gegen Marine Le Pens Vater Jean-Marie und hinter dem gaullistischen Kandidaten Jacques Chirac vereinigte und diesem im second tour ein Traumergebnis von über 82 Prozent bescherte, nimmt sich der Erfolg des neuen Hausherrn des Elysée-Palastes freilich bescheiden aus.

Das Politmagazin Le Point spricht deshalb vom "naufrage du front républicain", also dem "Schiffbruch der republikanischen Front". Denn besonders im linken Elektorat scheint der Slogan "Ni Le Pen ni Macron" ("Weder Le Pen noch Macron") nicht ganz wenige Anhänger zu finden. Aber auch das katholische Lager, das im ersten Durchgang im Gesamtbevölkerungsvergleich überdurchschnittlich stark zu seinem bekennenden Glaubensbruder François Fillon tendierte, dürfte mit beiden in der zweiten Runde verbliebenen Kandidaten nicht ganz glücklich gewesen sein.

美黛 - 意難忘



Die Sonntage immer den Künsten!



- Mei Tai, "Unvergeßliche Erinnerungen" (Yì nánwàng), 1963:

藍色的街燈,明滅在街頭,
獨自對窗,凝望月色,星星在閃耀。
我在流淚,我在流淚,沒人知道我,
啊,啊,誰在唱呀,遠處輕輕傳來,
想念你的,想念你的,我愛唱的那一首歌。
白色的毛衣,遺留在身邊,
抱入懷裡,傳來暗香,此心已破碎。
我在流淚,我在流淚,沒人知道我,
啊,啊,誰在唱呀,遠處輕輕傳來,
想念你的,想念你的,我愛唱的那一首歌。
你我的回憶,該是兩相同,
咫尺天涯,為何不見,此身已憔悴。
我在流淚,我在流淚,沒人知道我,
啊,啊,誰在唱呀,遠處輕輕傳來,
想念你的,想念你的,我愛唱的那一首歌。


Wahlplakate in NRW. Heute mit der Weltrevolution.

Normalerweise sollte nach der SPD nun die CDU kommen. Dummerweise ist deren Kampagne (so man überhaupt davon sprechen kann) derart seicht, dass sie kaum der Kommentierung lohnt. Weit beachtlicher (kein Witz) sind die Plakate der MLPD. MLPD? Ja, genau: Der "Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands". Eine kommunistische Splitterbewegung, die normalerweise in ihren Wahlergenissen selbst unter den "Sonstigen" kaum zu finden ist, und je nach Bundesland so irgendwo um ein Promille der Wahlergebnisse herum liegt.
 

7. Mai 2017

Wahlplakate NRW. Heute von und mit Hannelore Kraft.

In NRW wird in gut einer Woche gewählt was für den geneigten Bürger dieses bevölkerungsreichsten Bundeslandes bedeutet, dass er sich seit einigen Wochen über intensive Wahlwerbung freuen kann. Alle paar Jahre entdeckt die Politik bekanntlich den Bürger wieder und versucht diesen möglichst dazu zu bringen, das Kreuz doch an der richtigen Stelle zu machen. Das mit bekannteste Mittel sind dabei die diversen Plakate mit denen man dann die Innenstadt zukleistert. Nun muss Werbung nicht unbedingt per se schlecht sein. Manche ist witzig, kann unterhalten, andere kann ansprechen und ganz, ganz selten schafft es die Werbung sogar einen zum Nachdenken zu bringen. 
Leider fällt das Gros von dem, was derzeit in NRW stattfindet, unter keine dieser Kategorien. Es fällt eher unter die Kategorie nervig, teilweise sogar ins Ärgerliche. Da aber die Politik meint, damit ihre Botschaft zu transportieren, und das immerhin die Leute sind, die entscheidenden Einfluss auf dieses Land haben, sollte es doch Sinn machen, sich einmal mit der Wahlwerbung zu beschäftigen. Welche Botschaft will man transportieren? Was will man dem Büger sagen?

Marginalie: Political correctness und Beleidigung

­Eine Lächerlichkeit, eigentlich. Allerdings eine Lächerlichkeit, die leider allzu typisch für den öffentlich rechtlichen Rundfunk in Deutschland (der sich in einem Anfall von totale Absurdität gerne als Wächter der demokratischen Gesellschaft verkauft) ist. So hat der ansonsten auch nicht gerade für allzu feinen Humor bekannte Moderator Christian Ehring in der Sendung Extra-3 vom NDR die AfD-Politikerin Alice Weidel in ziemlich direkter Art als "Nazi-Schlampe" bezeichnet. Als Begründung für diese Verbalinjurie führt Ehring, respektive der NDR, die Forderung von Weidel an, die politische Korrektheit gehöre auf den Müllhaufen der Geschichte.

3. Mai 2017

Einmal Weltraum und zurück

Manchmal gibt es Momente, an denen einem unverhofft, und gerade durch diese Unverhofftheit, das vor Augen geführt wird, was Ernst Jünger vor schon fast neunzig Jahren, in seiner Sammlung kurzer Glossen und Prosastücke mit dem Titel Das Abenteuerliche Herz, den "Traumzustand der Moderne" genannt hat: jener Eindruck von Surrealität, von einer veritablen Unwirklichkeit, die sich durch die Möglichkeiten der modernen Technik eröffnet - gerade auch deshalb überraschend, weil sie zum unabdingbaren, alltäglichen Part in jeder Sekunde unseres Lebens geworden ist. So etwa für den Chronisten am gestrigen 1. Mai.

28. April 2017

Der Erfolg der AfD

Was den Umgang mit der Alternative für Deutschland betrifft, so scheint sich in der hiesigen Medienlandschaft ein Wandel anzubahnen: Sammelten die Leitpublikationen bislang hauptsächlich Belege für die mangelnde Salonfähigkeit der jungen Partei, so wird in mittlerweile bereits mehreren Artikeln – zumeist etwas bang – gemutmaßt, dass die AfD vielleicht teilweise die richtigen Fragen stelle, aber – natürlich – die falschen Antworten darauf gebe.

Ein Beispiel für diese neue Nachdenklichkeit in Bezug auf die als rechtspopulistisch verortete Gruppierung liefert Jana Hensel auf ZEIT-Online: „Und wenn die AfD Recht hat?“ lautet der Titel des lesenswerten Essays, der allerdings mit einer kapitalen Fehleinschätzung beginnt. In einem Nebensatz behauptet die Autorin nämlich, dass sich die AfD
gerade auf ihrem Parteitag einstweilen zerlegt hat[.]
Dieser Befund kann nicht geteilt werden. Vielmehr wurde auf der Versammlung zu Köln – wie auch der Werwohlf in einem zur Lektüre empfohlenen Beitrag feststellt – Geschlossenheit inszeniert. Was fünf Monate vor der Bundestagswahl zweifellos auch nicht die törichteste Strategie ist. Folgerichtig blieb Frauke Petrys Zukunftsantrag unbehandelt und eine unter dem Außenpanzer der Partei vorhandene Bruchlinie weitestmöglich verdeckt.

24. April 2017

Feu tricolore (6): Kurzes und Bündiges zur ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl

Als Blogger mit Beruf ist man im realen Leben bisweilen so sehr mit der Erwirtschaftung von Umverteilungsmasse beschäftigt, dass man nicht die Muße hat, von der Muse geküsst zu werden. Da also der Verfasser dieser Zeilen eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Kür des Präsidenten der Französischen Republik (jedenfalls vorerst) schuldig bleiben muss, wird im Folgenden auf das nicht gänzlich unerprobte Mittel der Wahlanalyse durch Aphorismen und ungeordnete Gedanken zurückgegriffen:

18. April 2017

Zeitmarke. Vor 100 Jahren: Die verrücktgewordene Kapelle (瘋狂樂隊)

Die Wochenenden immer den Künsten!

...Flöten schrillen, Banjos wimmern,
Und die Drumm geht schier in Trümmern,
Wütend, daß die Haare fliegen,
Alle Tasten sich verbiegen,
Schlägt der Meister Pianiste
Auf die alte Jammerkiste...
Immer toller wird das Wüten!
In der Instrumente Tüten
Mischt sich noch des Menschen Laut,
Heulend wie des Windes Braut:
Bass, Tenor und Bariton
Grölen zu dem Saxophon.
Ach, der Lärm wird riesengroß!
Hoffnungslos
Weicht der Mensch des Jazzes Stärke
Baff sieht er der Klassik Werke
In dem Chaos untergehn...


Zu den kulturellen Auswirkungen, die der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg vom Frühjahr und Sommer des Jahres 1917 nach sich zog, wird allgemein ein Phänomen gerechnet, bei dem man diese Wechselwirkung wohl zu Recht bezweifeln kann: nämlich die Verbreitung jenes populären Musikstils, der alsbald unter dem Namen "Jazz" seinen Siegeszug durch die westliche Welt antrat. Auf der anderen Seite kann man, wenn man die Sache nicht zu bierernst angeht (eine Haltung, die bei Historikern des Genres eher nicht verbreitet ist), die Entstehung dieser speziellen Art des synkopierten Lärmens durchaus unter die unmittelbaren Folgen der Weltpolitik rechnen. Dieses scheinbare Paradox ist freilich keines. Herausgebildet hatte sich der Darbietungsstil in den Jahren zuvor, im südlichsten Süden der Vereinigten Staaten, in New Orleans - und hier insbesondere in denn Kaschemmen und Etablissements des größten Rotlichtviertels namens Storyville. Im Lauf des Sommers 1917 erfolgte durch die Behörden eine rigorose Schließung all dieser Räuberhöhlen, Bumslokale, Opium dens. Zum einen, weil sich jetzt die Gelegenheit ergab, unter dem Bedingungen des Kriegsrechts von Seiten der Ordnungsbehörden rigoros durchzugreifen, nachdem New Orleans als Versorgungshafen für die alsbald nach Europa übersetzenden Truppen bestimmt worden war. Zum anderen befürchtete man, daß unter dem exponentiellen Anwachsen von Soldaten und Arbeitern für den Nachschub die damals üblichen Maßnahmen zur "Hygienekontrolle" bei den zahllosen Prostituierten - was in diesem Fall, wie in anderen Hafenstädten überall auf der Welt ein kurzes Vorstelligwerden bei einem Arzt umfaßte, der die Damen auf erste Symptome der Syphilis kontrollierte - schlicht versagen würden. Selbstredend waren diese Maßnahmen nicht flächendeckend erfolgreich - ebensowenig wie die Schließung aller Bordelle in Frankreich 1946 oder das Verbot des käuflichen Sex vor ein paar Jahren in Schweden. Dennoch führte der Wegfall dieses Geschäftsektors zu einer Abwanderung der Musiker in andere Großstädte, die von diesem Boykott nicht betroffen waren. Und in denen sich - dies war der entscheidende Faktor - die Gelegenheit bot, mit jener Art des wilden hedonistischen, improvisierten Lärmens in die damals entstehenden Aufnahmestudios gebeten zu werden.  

17. April 2017

Die türkischen Demokraten: Ein paar Streiflichter

Es kam, wie es kommen musste und die deutsche Presse ist sich (mal wieder) einig: "Die Türken" haben die Demokratie abgewählt, Erdogan ist böse und man muss jetzt ganz vorsichtig sein, wie man weiter vorgeht. Die Vokabel des "Warnens" ist mal wieder in aller Politiker-Mund gelegt, obschon ja eigentlich nur das eingetreten ist, was ja ohnhin jeder gewusst hat. Ich möchte dem mal ein paar andere Gedanken hinzufügen, die ich in der öffentlichen Diskussion großenteils vermisse.

13. April 2017

Reine Endlichkeit, ohne Himmel

Die Tiere werden immer mehr der Menschenwürde angenähert und die Menschen immer mehr auf die Tierstufe herabgedrückt. Von Durs Grünbein wurde am 25. März 2017 ein Beitrag mit dem Titel „Unter Affen“ in DIE WELT veröffentlicht. Er ist einer der letzten, der den alten Blick in die Metaphysik mit dem jetzigen Lebensgefühl verbindet, mit einem ironisch-schmerzlichen Stirnrunzeln. Heute gilt der Streit um die Religionen als beendet – wenn man den fundamentalistischen Islam unter die Ideologien und nicht als religiösen Glauben rechnet. Nur der Kampf um die Ideologien dauert noch an. Der Gottesbegriff hat sich verflüchtigt. Selbst die Kirchgänger eines „lebens- und wirklichkeitsnahen“ Christentums benötigen ihn nicht.

11. April 2017

Avanti Dilettanti. Ein Gedankensplitter zu der der Idee, dass jeder studieren muss.

Das Bundesland Hessen hat einen interessanten Modellversuch gestartet: Um an hessischen Fachhochschulen ein Studium aufzunehmen, genügt derzeit eine mittlere Reife mit einer Benotung von besser als 2,5. Also anders gesagt: Ein mittelmäßiger Realschulabschluß. Das Bundesland verspricht sich davon einen vereinfachten Zugang zu Hochschulen und damit die Erleichterung der Möglichkeit auch ohne Abitur ein Studium abzuschliessen.

Zeitmarke: Пломбированный вагон - der versiegelte Zug



Im Gegensatz zu den Ereignissen, auf die vor wenigen Tagen an dieser Stelle auf die hundertjährige Wiederkehr eines für den weiteren Geschichtsverlaufs eminent wichtigen Datums verwiesen wurde - den Eintritt der Vereinigten Staaten von Amerika in den Ersten Weltkrieg - ist das "heutige" Geschehen - die Rückkehr des russischen Revolutionärs Wladimir Iljitsch Uljanov, genannt Lenin, aus seinem Zürcher Exil - durchaus in einigen hiesigen Medien vermerkt worden; so als Kurzbeitrag der heute-Sendung im Zweites Deutschen Fernsehen vor zwei Tagen oder als Fünf-Minuten-Zeitzeichen als "Kalenderblatt" heute im Deutschlandfunk. Während sich das ZDF hierbei auf keine Wertung einließ, konzedierte der DLF immerhin eine durchweg negative Sicht auf Person und Rolle jenes Mannes, der so lange von staatsozialistischen Regimen, von Gläubigen an die vermeintliche Utopie des Kommunismus und von jenen, die der Faszination der durch nichts gehinderten Entfaltung staatlicher Gewalt erlegen sind, als weltlicher Messias, als ein "Weltgeist" - nicht zu Pferde (als den Hegel Napoleon Bonaparte sah), aber ganz im Geist Hegels als "Weltgeist im Panzerwagen" - angesehen wurde.

9. April 2017

葉楓 - 好預兆 (1962)

Die Sonntage immer den Künsten. Auch wenn es sich sich um leichte, seichte Werke handelt und die Verfertiger, nach den Worten des Schutzpatrons dieses Metiers, Heinz Erhardt, nicht von der Muse, sondern der Pampelmuse geküßt wurden.

7. April 2017

Versuchsballons

Große Schlagzeilen, schreckliche Bilder: Assads Luftwaffe hat wieder einmal Zivilisten im "Rebellengebiet" mit Giftgas angegriffen.
Und in üblicher Weise laufen sofort die Islamistenversteher à la Lüders oder Todenhöfer in deutschen Fernsehstudios auf und werfen Nebelkerzen. Parallel in üblicher Weise die Welle der Putintrolle im Internet, die in jeder halbwegs passenden Diskussion die "Russia-Today"-Version der Ereignisse verbreiten.
Man wisse ja angeblich nichts Verläßliches über die Vorfälle und es könnten ja auch die Rebellen selber gewesen sein und vor allem kommt natürlich das "cui bono": So ein Giftgasangriff wäre doch militärisch völlig sinnlos und damit gäbe es überhaupt keine Motivation für Putin/Assad, sich so zu exponieren.

Ach so?
Kleine Rückblende:

Zeitmarke. Vor 100 Jahren: Kriegserklärung der USA an das Deutsche Kaiserreich

­
Das historische Gedächtnis - jedenfalls soweit es sich in öffentlichem Gedenken, in der medialen Erinnerung und, im weitesten Sinn, dem, was man das "öffentliche Gedächtnis" nennen könnte - jener historischen Tiefendimension von spezifischen Ereignissen, die zu dem geworden sind, was der französische Historiker Pierre Nora als Liens de la mémoire, als "Gedächtnisorte", charakterisiert hat - dieser Gedächtnisraum hat, was die "Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts" anbetrifft, in den letzten drei Jahren, also seit der hundertsten Wiederkehr ihres Auftakts, eine seltsame Spaltung durchlaufen. Während die publizistische Evokation der Ereignisse im Sommer 2014, zwischen den Daten des Attentats von Sarajewo am 28, Juni bis zu den "Guns of August" - die Depeschen, halbherzigen Vermittlungsversuche, die Unbekümmertheit, mit der ein ganzer Kontinent sich anschickte, sich in einen historisch nie dagewesenen Schindanger zu verwandeln - sich wie ein basso ostinato gedämpft durch das mediale Rauschen zogen, neben der Ukrainekrise und den ersten Nachrichten über die Tagesordnung der alltäglichen Bestialität des "Islamischen Staates" - nicht zuletzt in den zahlreichen Besprechungen von Christopher Clarks eingehender historischer Studie Die Schlafwandler, die sich der Gemengelage von Blindheiten und historischen Fehlanalogien widmete, die die damaligen politischen und militärischen Führungen in einem noch im Nachheinein lähmenden Automatismus in dieses Desaster hineinstolpern ließ - während also die, man möchte sagen "Prähistorie", jenes endgültige Ende des Alten Europas des "langen neunzehnten Jahrhunderts" Publizisten und TV-Moderatoren präsent war, hat sich über die nachfolgenden Jahre, die eigentliche Urkatastrophe, ein seltsamer Nebel gelegt. Eine Leerstelle des historischen Gedächtnisses ist entstanden, in dem der Verlauf des Kriegs, die daran beteiligten Parteien, die über endlose Monate festgefressenen Materialschlachten mit ihren Hunderttausenden von Toten, die Auswirkungen auf das Leben in den daran beteiligten Ländern, nicht mehr vorkommt.

6. April 2017

Insel im Nebel. Deutschland im Smog.

Viel ist in den vergangenen Wochen zum Brexit geschrieben worden. Warum er kommen wird, warum er nicht kommen wird, dass er schlimm wird, dass er harmlos wird, was er für die NATO bedeuten wird, was er für Europa bedeuten wird, was er nicht für NATO und Europa bedeuten wird und noch vieles mehr. Auch in unserem kleinen Zimmer gab und gibt es eine erregte Diskussion, eher Debatte dazu, die sich vielfach an der Frage entfacht wie geschickt oder ungeschickt der Brexit von Seiten der Briten durchgeführt wird.

4. April 2017

"Osmoderma eremita"



Zur Abwechslung einmal eine ganz schlichte und ganz dumme Frage:

Was ist eigentlich aus den Juchtenkäfern geworden?




(Abb.: Wikimedia)




U.E.

© Ulrich Elkmann. Für Kommentare bitte hier klicken.

3. April 2017

Montag, d. 3. April 2017. "Im Dar al-Harb nichts Neues"







In Sankt Petersburg sind heute um die Mittagszeit durch einen terroristischen Anschlag mit einer Nagelbombe in der U-Bahn elf Menschen getötet und mindestens 47 verletzt worden. Das Bild einer Überwachungskamera zeigt den mutmaßlichen Täter.

(Bildquelle: Thomas Kindler)

Musikalisches Interludium: Shidaiqu. 吳鶯音 - 明月千里寄相思


"Ein Schlager von Rang ist mehr 1950 /
als fünfhundert Seiten Kulturkrise."
- Gottfried Benn, "Kleiner Kulturspiegel"

Um es mit einem Motto aus Michael Klonovskys Netztagebuch acta diurna zu halten: Die Sonntage immer den Künsten!

"Dies ist kein Musikblog", wie der Gründer dieses Webdiariums, dieser kleinen Ecke auf der Allmende des "globalen Dorfs" (Marshall McLuhan), einmal feststellte. Dennoch: am Tag des Herrn, und zumal zu einer Zeit, an dem die vehement ins Lotophagische umgeschlagene Jahreszeit nahelegt, den Ärger über die Verfahrenheiten von Politik und Alltag zugunsten der Illusion des unbekümmerten Seelebaumelnlassens entschlossen hintan zu stellen, sei auch ein Schlenker ins unverbrüchlich Hedonistische verstattet. Zumal wenn sich die Gelegenheit ergibt, dabei auf einen hierzulande völlig unbekannten musikalischen Kosmos hinzuweisen, den auch der Aufbruch der Medien unter dem Signum der "Weltmusik" nicht, zumindest noch nicht, an westliche Ohren hat branden lassen.

26. März 2017

Die Glaubwürdigkeit der CDU und das Merkel Problem

­Etwas mehr oder weniger Lustiges passiert in diesen Tagen, wenn man mal dann und wann durch den Blätterwald wandert und nicht nur die Schlagzeilen zu London oder den römischen Verträgen durchliest: Die CDU versucht es mit Programm. Kalt erwischt von dem unerwarteten Erfolg von Martin Schulz (der auch retrospektiv nur schwierig nachzvollziehen ist), ist der CDU scheinbar in diesen Tagen aufgegangen, dass sie gar nicht mehr so alternativlos ist, wie sie sich selber gerne sieht.

23. März 2017

Kleine Erinnerung: Vor 25 Jahren starb F. A. von Hayek

Nur als Erinnerung: vor einem Vierteljahrhundert, am 23. März 1992, starb in Freiburg im Breisgau, gut einen Monat vor seinem dreiundneunzigsten Geburtstag, der Mann, den der Endunterfertigte, bei allem Bewußtsein über die Verkürztheit eines solchen Urteils, für den bedeutendsten Denker des zwanzigsten Jahrhunderts erachtet: Friedrich August von Hayek: bedeutendster Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften von 1974 und durch sein Buch The Road to Serfdom, 1944 zeitgleich mit Karl Poppers ungleich voluminöserem The Open Society and Its Enemies erschienen, zum maßgeblichen Kronzeugen gegen die Versuchungen des Kollektivismus, der Staatsvergottung - nicht nur in den Führerdiktaturen seiner Zeit, sondern gegen die allen staatlichen Organisationen innewohnenden Tendenzen - und des obersten Prinzips der Freiheit des Einzelnen als unabdingbarer Grundlage einer prosperierenden, auf Dauer angelegten Gesellschaft, die diesem Einzelnen erst den Wohlstand, die Freiheit, sich nach den eigenen Maßstäben zu entscheiden, ermöglicht. Hayeks grundsätzlicher Einspruch gegen alle utopischen Entwürfe, gegen die Anmaßungen von Intellektuellen, Philosophen und Politikern - und zwar egal von welcher Couleur, welcher wohlmeinenden Intention, welchen noch so hehren Idealen ihr Tun motiviert wird - entspringt der Einsicht, daß niemand über ein solches Wissen verfügt, verfügen kann, daß jede Gesellschaft sich zwar dem Tun der einzelnen Individuen verdankt, aber diese Gesellschaft nie das Resultat einer bewußten Planung sein kann. (Damit greift Hayek ganz bewußt eine Erkenntnis auf, die zwei Jahrhunderte vor ihm der schottische Aufklärer Adam Ferguson (1723-1816) formuliert hat.)

Marginalie: Mal wieder die Lückenpresse

Das Thema Lückenpresse (und artverwandte Wörter) ist ja nun schon öfter öffentliches Thema gewesen, zuletzt besonders nach dem Mord von Freiburg, aber auch insbesondere nach dem Kesseltreiben von Köln 2015, bei dem sich die Presse nicht nur alle Mühe gab, den Vorfall zu ignorieren, als auch möglichst lange den Hintergrund zu verschweigen. Wir alle wissen wie das ausgegangen ist, und auch wenn sich die Medien mühen zu betonen, dass die meisten Deutschen ihnen immer noch glauben, so dürfte die Glaubwürdigkeit der selben mit den Vorgängen zu Silvester und zu Freiburg schon deutlich eingebeult worden sein.