12. Dezember 2017

Llarians Filmkritik: Tausend Planeten Zeitgeist

2017 war filmtechnisch betrachtet ein vergleichsweise langweiliges Jahr, sowohl im positiven wie im negativen Sinne. Die wenigen guten Filme kann man an einer Hand abzählen, aber auch die Zahl der Stinker war vergleichsweise übersichtlich. Langweilig eben. Und nicht so richtig viel dabei für das man eine echte Kritik schreiben müsste. Bis mir dann am vergangenen Wochenende der Film "Valerian - Die Stadt der tausend Planeten" begegnete. Zu diesem Film gibt es einiges zu sagen und deshalb soll er hier mit einem kleinen Review geadelt werden. Als Warnung sei vorweg geschickt: Dieser Artikel enthält Spoiler und ob er sich mit vernünftigen Gedanken beschäftigt kann ich auch nicht garantieren.

11. Dezember 2017

6. Dezember 2017

Ein Schritt zum Frieden

Wieder einmal hat es Trump geschafft die Medien damit zu überraschen, daß er einfach nur ein Wahlversprechen umgesetzt hat: Die USA verlegen ihre Botschaft in Israel in die Hauptstadt Jerusalem. Übrigens hat das der US-Kongreß schon 1995 beschlossen, es fehlte nur noch die Zustimmung des Präsidenten. Man kann also wirklich nicht von einer überhasteten Entscheidung sprechen.

Jetzt dominieren in den deutschen Medien natürlich die Journalismus-Lehrlinge, die das "gefährlich" und eine "Gefahr für den Friedensprozeß" nennen. Ein "Friedensprozeß", der aber schon 2000 durch die palästinensische Ablehnung von Camp David am Ende war, inzwischen hat Palästinenser-Diktator Abbas die Gespräche auch offiziell abgebrochen. Es gibt den "Friedensprozeß" schon längst nur noch in den Wunschträumen westlicher Intellektueller.

Befürchtet werden muß jetzt natürlich, daß Hamas und Co. den Anlaß für neue Terrorangriffe nutzen, die entsprechenden Ankündigungen sind ja schon publiziert.
Das heißt aber letztlich nicht viel. Es fehlt den Terroristen nie an Motivation für solche Angriffe. Beschränkt werden diese nur durch die israelischen Gegenmaßnahmen, nicht durch den Verzicht auf "Provokationen". Beeinflußbar ist in Maßen nur der Zeitpunkt solcher Angriffe, denn die Palästinenser nutzen diese natürlich für ihre Propaganda und werden jetzt schon lange vorbereitete Attentate als Antwort auf Trumps Entscheidung präsentieren.

Sowohl die peinlichen Reaktionen in Deutschland und Westeuropa wie der übliche arabische Terror sind aber letztlich Nebensächlichkeiten.
Viel wichtiger ist die Aussicht, daß die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt ein wichtiger Schritt zum Frieden sein kann.

29. November 2017

Mal wieder zwei Fälle

In Deutschland passieren täglich Verbrechen, das ist soweit nichts besonderes. Und die Justiz, die ja blind ist, bemüht sich des Öfteren zu betonen, wie neutral sie versucht damit umzugehen, so dass jedem Verbrechen seine gerechte Strafe folgt und jedes Opfer gleich behandelt wird. Und die deutsche Öffentlichkeit, auch wenn sie sich nicht so blind wähnt, will dem natürlich nachfolgen. Wie schwierig das ist, und wie gut das funktioniert, möchte ich anhand von zwei Beispielen aufzeigen, die sich in den vergangenen Tagen ereignet haben. Natürlich sind zwei Taten nie gleich, aber man kann doch Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzeigen:

Die Stasi ist tot, es lebe die Stasi

Es gibt sicher nur wenige Figuren im deutschen Politikbetrieb die derart massiv polarisieren wie der Fraktionsvorsitzende der AfD in Thüringen Björn Höcke. Auch im kleinen Zimmer ist der Mann öfter thematisiert, weil er schlicht Dinge vertritt, die dem aktuellen, liberalen Staatsverständnis nicht nur ein bischen entgegenstehen. Der Mann ist provokant und setzt diese Eigenschaft auch sehr bewusst ein um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Alles in allem ergibt sich ein Mensch, dessen inhaltliche Positionen wohl von einer vergleichsweise breiten Mehrheit abgelehnt werden. 
Dennoch sollte betont werden, dass (trotz eifriger Versuche) nie nachgewiesen wurde, dass er den rechtsstaatlichen Rahmen verlassen hat, oder simpel gesagt: Er tritt zwar für die Beseitigung des §130 (Volksverhetzung) ein, hat aber selber wohl keine begangen, zumindest ist nichts entsprechendes bekannt.

26. November 2017

方逸華, 1934年7月27日-2017年11月22日. Mona Fong (27. Juli 1934 - 22. November 2017)

Am Donnerstag dieser Woche starb in Hong Kong Fang Yihua, die auch im chinesischen Raum besser unter der anglisierten Form ihres Namens Mona Fong bekannt ist, im Alter von 83 Jahren (oder vielleicht, wie es sich für die Branche, in der sie tätig war, geziemt, von 86 Jahren: viele ältere Quellen nennen als ihr Geburtsdatum den 1. 1. 1931), von den hiesigen Medien, denen sie kein Begriff war, übersehen. Wenn ihr Name hier Kennern des chinesischen Kinos geläufig sein dürfte, dann als zweite Hand und, spät in ihrem Leben, zweite Ehefrau des großen Moguls (und Mäzenaten) der Hongkonger Filmindustrie, Sir Run Run Shaw, dem dritten und einflußreichsten der drei Shaw-Brüder, denen das chinesische Kino eigentlich seine Existenz verdankt. (Das erste vom ältesten Bruder, Runme, gegründete Studio, Tianyi, begann 1925 mit der Filmproduktion, um für die größte chinesische Diaspora in Indonesien und Malaysia "einheimische" Film, mit chinesischen Darstellern und - damals noch - chinesischen Zwischentiteltafeln zu produzieren, die in Kinos gezeigt wurden, die ebenfalls von den Shaw-Brüdern betrieben wurden. 1937, kurz vor dem Ausbruch des japanisch-chinesischen Kriegs, der für China den Beginn des Zweiten Weltkriegs markiert, verlegten die Brüder ihr Studio von Shanghai ins vermeintlich sichere Hong Kong, das zudem als britische Kronkolonie von den Strikturen und Zensurbeschränkungen der nationalchinesischen Guomindang unter Tschiang Kai-Shek ausgesetzt war.) 1957 gingen aus den Tianyi-Studios die Shaw Brothers Studios hervor, die dann den chinesischen Markt außerhalb der Volksrepublik (und ihrer kulturellen Wüste reiner maoistischer Propaganda)  und für den Rest der Welt beherrschten und das Bild prägten, das die Welt für die nächsten Jahrzehnte von Kino Chinas hatte: schnelle und billige Massenprodukte, die sich auf zwei Sparten beschränkten: Martial Arts-Filme, für deren immergleiche Machart die Namen Bruce Lee und Jackie Chan exemplarisch standen, und seichte Gegenwartskomödien mit trivialen Kabalen, die oft als Musicals angelegt worden waren und bei denen die Güte der Songs in staunenswertem Kontrast zur Seichtheit des Rests stand - bei den US-amerikanischen Musicals, die nicht zufällig zur gleichen Zeit am Broadway aufkamen, läßt sich, als hübsches Beispiel einer kulturellen Parallel-Evolution, genau das gleiche Phänomen beobachten. Man ist immer wieder von der Plattheit und Trivialität der Bühnenshows überrascht, aus denen unverbrüchliche Klassiker des Great American Songbook, bis hin zu den Liedern von George Gershwin und Rogers und Hammerstein bis heute im Ohr geblieben sind (auch As Time Goes By verdankt sich nicht etwa den kreativen Bemühungen um Casablanca, dessen Filmpremiere sich im nächsten Monat zum 75. Mal jährt, sondern wurde von Herman Hupfeld 1931 für das schnellstens von der "Furie des Vergessens" (Hans Magnus Enzensberger) vertilgte Musical Everybody's Welcome getonsetzt).

24. November 2017

Spätherbstliche Elegie in Prosa

Das Leben verläuft in einer Kurve, die sich üblicher- und auch idealerweise zusehends verflacht. Wer kann sich nicht mehr an die unermesslichen Wonnen aus Kindertagen erinnern, als man am Heiligen Abend auf die Bescherung wartete und dann, als das Geschenk ausgepackt war, dieses in seliger Versunkenheit einer Überprüfung nach allen Seiten unterzog? Wer kann sich nicht mehr an die unermesslichen Drangsale erinnern, wenn das Lieblingsspielzeug defekt und Trost schlechterdings unmöglich war? 

Es folgte die Jugend mit ihren Verzückungen – der ersten Liebelei, dem Gefühl des Erwachsenwerdens – und der rezidivierenden Konfrontation mit der subjektiven Gewissheit, nicht liebenswert und doch noch nicht so sehr gereift zu sein. Nach der Volljährigkeit, der Schulzeit wechselten die Erfolge des Wohlbestehenkönnens in der harten Realität mit dem Erschrecken über den kalten Wind, der das Mann- und Frausein umweht. 

Und irgendwann hat man es sich gerichtet. Wenn nichts dramatisch Gutes oder Schlechtes mehr passiert, verwaltet man sein Leben gleichförmig zu Ende – je nach Temperament mit einer Grundstimmung der Zufriedenheit oder des Missmuts. Der Gedanke an das Sterben verliert seine histrionische Überspitzung: Eines Tages wird er kommen, der stachellose Tod, und alles, was in diesem Leben an Schuld und Schmerz, an Lust und Liebe angefallen ist, im Sinne einer Generalbereinigung auf null stellen. 

Die Dinge ereignen sich nicht zweimal, zuerst als Tragödie und danach als Farce, sondern immer nur einmal: als Tragödie und Farce zugleich.

Noricus

© Noricus. Für Kommentare bitte hier klicken.

22. November 2017

Blick in die Glaskugel: Der 16. März 2018

Viel ist geschrieben worden über den historischen 19. November, an dem in Deutschland zum ersten Mal der Regierungsbildungsautomatismus nach einer Bundestagswahl versagt hat. Und wenn sich die SPD nicht doch noch zu einer Neuauflage der GroKo breitschlagen lässt, werden wir bis weit ins neue Jahr hinein keine sogenannte stabile Regierung haben. 

Ob der Bundespräsident nun eine Minderheitsregierung forciert oder nach einer gescheiterten Kanzlerwahl das Parlament auflöst und den Weg für Neuwahlen - die wahrscheinlich frühestens im April stattfinden könnten - freimacht, ob die Parteivorsitzenden von CDU (wahrscheinlich), CSU (unwahrscheinlich) und SPD (50:50) im Amt verbleiben oder nicht - schon jetzt wirft ein bestimmtes Datum seinen Schatten voraus über den frisch gewählten Bundestag und seine Mitglieder.

Es ist der 16. März 2018.

21. November 2017

Zitat des Tages: Beide strahlen.

Merkel also geht wieder einmal hinüber zu den Grünen. 
[...]
Auch mit Claudia Roth, der ebenfalls dem linken Grünen-Flügel zuzurechnenden Bundestagsvizepräsidentin, gibt es ein längeres Begrüßungszeremoniell. Beide strahlen.

Aus dem Artikel "Ein fast normaler Tag im Plenum" von Günter Bannas vom 21.11.2017 auf faz.net.

Zitat des Tages: Die Schönheit des Scheiterns

Die Jamaika-Unterhändler haben also bewiesen, dass man sich trotz ideologischer Differenzen annähern kann, gleichzeitig die eigenen Grundüberzeugungen nicht verlieren muss – und am Ende auch zum eigenen Misslingen stehen sollte. Schöner ist noch keine Koalition gescheitert.
Ferdinand Otto, DIE ZEIT

Kommentar:

Ich weiß ja nicht, welche Sondierungsgespräche Herr Otto von der ZEIT verfolgt hat. Ich bin nicht einmal sicher, über welches Land er berichtet, was die politische Kultur angeht.

20. November 2017

Prankenhieb: Regiert werden um jeden Preis?


Denn die Liberalen und ihr Chef Christian Lindner sind damit nicht nur aus schwierigen Verhandlungen geflohen. Sie haben sich vor allem aus der Verantwortung für Deutschland gestohlen. Erst die Partei, dann das Land – das ist die Devise, nach der Lindner gehandelt hat. Er zeigt sich damit als verantwortungsloser und pflichtvergessener Politiker.
Quelle: shz.de (stellvertretend für eine Vielzahl ähnlich lautender Artikel).

Schon wieder so ein Weltuntergang. Staatskrise. Schaden an "unserem Land". In so schwierigen Zeiten (Trump, Flüchtlinge, AfD, Klima, Diesel, 1. FC Köln zwölf Spiele ohne Sieg) ist der Abbruch der Sondierungsgespräche (bin ich eigentlich der einzige, dem dabei die Assoziation der Magensonde, also einer künstlichen Ernährung von etwas, das allein nicht lebensfähig ist, auffällt?) durch die FDP - so ruft es aus allerlei Ecken - noch verwerflicher.

„Für die Müllfee“

So lautet die schöngeschriebene Aufschrift auf einem Behälter an einem der parallelen Isar-Spazierwege zwischen Harlaching und Grünwald. Nicht oben am Hochufer, sondern am Waldstreifen zwischen Kanal und Wildwasserbett. Wer das wohl ersonnen hat? Wohl nicht die städtische Entsorgung, sondern jemand aus einem Verein, dem die Müllbeseitigung am Herzen liegt. Das Herz spielt hier überhaupt eine große Rolle: Der Behälter steht nahe der Hochbrücke, wo die Liebespaare ihre Schlösser ans hohe Drahtgitter (gegen die Selbstmordversuchung) hängen und die Schlüssel hinunter ins Flussbett werfen.

18. November 2017

Zitat des Tages: Der Wählerauftrag und die Verantwortung

"Aber natürlich erwarte ich, dass sich alle Seiten ihrer Verantwortung bewusst sind. Und mit dieser Verantwortung umzugehen heißt auch, den Auftrag nicht an die Wähler zurückzugeben."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Welt-am-Sonntag-Interview, aus dem in diesem Welt-Online-Beitrag vorab zitiert wird, mit Bezug auf die Sondierungsgespräche über die mögliche Bildung einer Schwampel-Koalition.

Kommentar: Der promovierte Jurist Steinmeier weiß natürlich, dass nicht die am Verhandlungstisch sitzenden Parteifunktionäre, sondern er selbst über Neuwahlen entscheiden muss, wenn die Bundeskanzlerwahl für den erfolgreichsten Kandidaten lediglich eine relative Mehrheit der Stimmen der Mitglieder des Deutschen Bundestages ergibt. Hat das Staatsoberhaupt mit dieser Äußerung bereits offenbart, wie es auf den beschriebenen Fall reagieren würde? Überraschend wäre diese Präferenz des Bundespräsidenten nicht; denn Steinmeier kann nicht übersehen, dass Angela Merkel alles andere als die Idealbesetzung für die Rolle der Anführerin einer Minderheitsregierung darstellt: Das System Merkel baut ja gerade darauf auf, eine möglichst breite, duldsame Parlamentsmajorität hinter sich zu haben, die ein von Programmen und Inhalten unbekümmertes, auf den Machterhalt der "Chefin" konzentriertes Durchregieren ermöglicht.

14. November 2017

Streiflicht: Die CSU verzichtet

Wie aus gut unterrichteten Kreisen bekannt wurde, hat die CSU sich endlich bewegt und einen großen Schritt Richtung Jamaika gemacht. Was Horst Seehofer, gemeinsam mit Alexander Dobrindt, in die Sondierungsgespräche Anfang dieser Woche einbrachten, war ­eine kleine Sensation: Die CSU ist bereit statt anderthalb Millionen Flüchtlingen, die man eigentlich 2018 ohne Einspruchsmöglichkeit abschieben wollte, nur noch eine Million abzuschieben. Gleichzeitig deutete man an, dass man vielleicht auch bereit sei darüber zu reden, sieben neue Atomkraftwerke, die man eigentlich 2020 errichten wollte, erst einmal weiter in die Zukunft zu schieben.

12. November 2017

Der Mensch, das Werk und die Einsamkeit am Pranger

Eine Todsünde kann nach römisch-katholischer Lehre durch das im Rahmen der Beichte gespendete Sakrament der Versöhnung (auch Buße genannt) getilgt werden. In der säkularen Religion unserer Tage genügt hingegen schon der Verdacht einer schweren Verfehlung, um einen Menschen dem ewigen Höllenfeuer zu überantworten. Kevin Spacey, durch seine Rolle in dem Film Sieben mit den Todsünden (oder richtig: Hauptsünden) jedenfalls in hollywoodesker Drehbuchtiefe vertraut, erlebt in diesen Tagen den ungebremsten Rigorismus einer unbarmherzigen (als Katholik ist man versucht zu sagen: sehr protestantischen) Moral.

Ob die Vorwürfe nun zutreffen oder nicht: An Spaceys Werk ändert das nichts. Wer ihn zuvor für einen großen Sohn der Melpomene (oder, je nach Ansicht, der Thalia) hielt, sollte davon jetzt nicht abrücken. Anders formuliert: Spaceys schauspielerische Leistungen sind völlig unabhängig davon, ob er – um in der Religions-Isotopie zu bleiben und es leicht flapsig zu formulieren – einen heiligmäßigen Lebenswandel führt.

11. November 2017

Von der dritten und der vierten Phase in der Geschichte der Bundesrepublik

Bei Stammlesern dieses Blogs wird der Titel des vorliegenden Beitrags Erinnerungen wecken: Vor gut sieben Jahren publizierte Zettel in diesem virtuellen Logbuch einen Essay unter der Überschrift "Die dritte Phase in der Geschichte der Bundesrepublik geht in diesen Tagen zu Ende. Eine These" (ZR vom 14.09.2010). Darin periodisierte Zettel die Geschichte seit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes in drei Abschnitte von jeweils circa zwanzig Jahren, und zwar in die durch die Kanzlerschaft Konrad Adenauers geprägte Zeit von der Schaffung der Bundesrepublik (beziehungsweise der bereits zuvor vollzogenen Währungsreform) bis zu den späten sechziger Jahren, daran anschließend rund zwei Dezennien des gesellschaftlichen Umbruchs, repräsentiert durch die sozialdemokratisch-liberalen Koalitionen unter Brandt und Schmidt, und schließlich das Intervall zwischen der Wiedervereinigung und der durch Thilo Sarrazins Sachbuchbestseller "Deutschland schafft sich ab" ausgelösten Debatte, die Zettel gleichsam als Anfang vom Ende der dritten Phase in der Geschichte der Bundesrepublik betrachtete.

6. November 2017

Zitat des Tages: Legal, aber nicht unumstritten

"Nur weil etwas legal ist, muss es noch lange nicht legitim oder unumstritten sein. [...] Das fehlende Geld könnte etwa in Krankenhäuser, Schulen und Straßen investiert werden."

Frederik Obermaier und Bastian Obermayer in ihrem auf sueddeutsche.de erschienenen Artikel "So lief die SZ-Recherche", der eine Art FAQ zur journalistischen Enthüllung der sogenannten Paradise Papers darstellt.

Kommentar: Wenn es eine Meisterschaft im Phrasendreschen gäbe, hätte das Duo Obermaier und Obermayer beste Chancen auf den Gewinn des Doppel-Wettbewerbs. Man lässt - um es in memoriam Loriot zu formulieren - mal wieder die Ente zu Wasser, auf deren Flügel bei früheren Gelegenheiten in nicht besonders feuchtigkeitsfester Farbe "Panama Papers" und "Cum-Ex-Steuerraub"  gepinselt worden war. Gerechtfertigt wird das alles dann noch mit einem Obama-Zitat, das in den Kreisen unserer beiden Schreiber zweifelsohne jedes rationale Argument ersetzt.

5. November 2017

Meckerecke: Hexerjagd mit dem Bumerang

Schadenfreude ist invertierter Neid und wie dieser eine wenig achtbare Gemütsregung. Deshalb sollte es Konservativen und Liberalen keine klammheimliche Freude bereiten, dass die jüngste Sexismus-Säuberungsaktion mit Harvey Weinstein, Kevin Spacey und nun auch Peter Pilz linke Männer aus Kultur und Staat zur Strecke gebracht hat.

Bezüglich des österreichischen Politikers fällt es aufgrund des Zeitpunktes der Enthüllung und der Umstände der entsprechenden Causa äußerst schwer, keine gezielte Aktion der Grünen zur Demontage ihres Apostaten zu vermuten. Pilz hatte nämlich mit seiner ehemaligen Mitarbeiterin eine einvernehmliche Regelung unter Vereinbarung des Stillschweigens getroffen, wobei der Wunsch nach Diskretion nicht einer Vertuschungsbemühung des 63-Jährigen, sondern den Forderungen der an der Übereinkunft beteiligten Frau entsprungen sein soll. Heuchlerische Vorwände, wonach mit der Aufdeckung der Angelegenheit dem Opfer Genüge getan oder ein Bewusstsein für das Ausmaß des Problems geschaffen werden sollte, wären so wenig glaubhaft, dass sie - soweit ersichtlich - in halbwegs ernsthaften Publikationen noch nicht einmal zum Vortrag gelangten.

3. November 2017

Luther und die Linke. Die Exkommunikation als Weg in den eigenen Machtverlust. Eine Gedankenpromenade

Wenn von der kulturellen Hegemonie der Linken die Rede ist, wird eigentlich etwas Altbekanntes zur Sprache gebracht: Die Medien sind nicht erst seit gestern überwiegend links, die Universitäten (dem Klischee nach jedenfalls die geisteswissenschaftlichen Fakultäten) ebenso und in den Reihen der sonstigen Intellektuellen gehört es spätestens seit 1945 zum guten Ton, sich ideologisch im Spektrum der Antipoden der Rechten zu verorten. Die an Jahren etwas reiferen Leser dieses Blogs werden sich zum Beispiel noch an die Aufregung um Botho Strauß‘ Essay „Anschwellender Bocksgesang“ erinnern – der wurde vor fast 25 Jahren im SPIEGEL (Ausgabe 6/1993) gedruckt, in der im Rückblick so golden erscheinenden Kohl-Ära, also noch lange vor der Regentschaft Angela Merkels.

30. Oktober 2017

Moderne Familie oder ein Hauch von DDR. Ein Gedankensplitter.

­Stellen Sie sich folgende, vielleicht fiktive(?), Situation vor: Ein Elternpaar geht mit seinem Sprössling zum Tag der offenen Tür einer lokalen Grundschule, um sich dort zu erkundigen, welche Schwerpunkte die Schule setzt, wie das Anmeldeprocedere ist, wieviel Schüler die Schule besuchen und was sonst noch alles wichtig ist. Mit die erste Aussage, die die Eltern von einer anwesenden Lehrkraft bekommen, ist, dass man leider keinen OGS Platz garantieren könne, man aber klar das Ziel verfolge in Zukunft für alle Kinder einen anbieten zu können. Die Eltern haben aber gar nicht nach einem solchen Platz gefragt und entgegnen, dass sie nur nach einer ganz normalen Schulbetreuung suchen, eventuell mit Übermittagsbetreung bis ein Uhr. Die Lehrerin schaut die Eltern an wie ein Auto, braucht ein paar Sekunden um die Information zu verdauen und erklärt, dass man keine solche Betreuung anbietet, sondern nur zwischen OGS Platz und Halbtagsschule unterscheide, und man letzteres natürlich auch(!) anbieten könne.

27. Oktober 2017

Wenn man genau gar nichts verstanden hat

Am Wahlabend zur Bundestagswahl wurden viele mehr oder minder kluge Reaktionen abgegeben. Eine der beliebtesten wie abgedroschensten war die bekannte Formel: Wir haben verstanden.

22. Oktober 2017

Keine Jeanne d'Arc, nirgends: Zur neuen Sexismus-Debatte

Über die derzeitige Sexismus-Debatte (#metoo, Causa Chebli) braucht man eigentlich nicht viele Worte zu verlieren: Bei problemlösungsorientierter Betrachtung ist es völlig sinnlos, ein situationsinadäquates Kompliment mit Vergewaltigungen in einen Topf zu werfen und unterschiedslos mit dem Etikett "Sexismus" zu versehen, weil dadurch der Begriff so ausgehöhlt wird, dass er fast alles oder auch nichts umfassen kann und letztlich in seiner konzeptuellen Beliebigkeit untergeht. Genau darauf scheint es den Promotern dieses neuen Aufschreis jedoch gerade anzukommen: Beweisziel ist, dass nahezu jede Frau in den westlichen Ländern schon einmal mit sexistischem Verhalten konfrontiert war. Das wird natürlich dann richtig, wenn man möglichst viele Handlungsweisen mit dem Negativlabel bestempelt.

18. Oktober 2017

Shitstorm und Kontext

Zu den Kommunikationsformen im Internet gehört seit einiger Zeit der "shitstorm". Jemand reißt eine Äußerung oder einen Vorfall aus dem Zusammenhang, interpretiert ihn in möglichst negativer Weise und zirkuliert das dann mit einem empoörten Kommentar in seinem Netzwerk. Und alle die das entsprechende Welt- oder Feindbild teilen, verbreiten die Empörung mit eigenen Kommentaren weiter. Ab einer gewissen Resonanz gilt dann die häufige Wiederholung der Vorwürfe und die erzielte Reichweite als Beleg dafür, daß es wirklich Grund für Empörung gab.

Aktuell liefert die Berliner Staatssekretärin Chebli ein Beispiel dafür, daß man mit einem Vorfall gleich zwei, und zwar entgegengesetzte, shitstorms auslösen kann.
Einmal der von ihr gewünschte: Wieder einmal ein Beispiel dafür, daß Männer Frauen herablassend behandeln und sie trotz oder wegen ihres beruflichen Erfolgs mit auf die Person zielenden Sprüchen angreifen.
Zum Anderen aber ein gegenläufiger shitstorm der Art, sie solle sich nicht so anstellen, ein Mann dürfe ja wohl einer Frau noch ein Kompliment machen. Wo sie schon dabei sind thematisieren auch viele Beiträge noch die Vermutung, sie hätte ihren Posten ohnehin nur wegen Quote jung/Frau/Migrationshintergrund bekommen.

Imbeziles, kurz kommentiert: Patrick Bahners' intellektueller Offenbarungseid

Es gibt Sätze, Aussagen zumal, bei denen sich eigentlich jeder weitere Kommentar erübrigt: zu offenkundig ist ihre Aussage, stellen sie den, der sie getätigt hat, vor aller Welt bloß. So auch in diesem Fall. Patrick Bahners, seit langem der prominenteste deutscher Vertreter der Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus (D.O.N.A.L.D.) sowie zahn Jahre als Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und seit dem vorigen Jahr dortselbst für das (einstmals) renommierte Ressort "Geisteswissenschaften" zuständig, hat sich am letzten Tag der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, am letzten Sonntag also, zu einer solchen Offenbarung bemüßigt gesehen. Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte er der Öffentlichkeit folgendes mit:­

 Patrick Bahners‏ @PBahners  15. Okt.
Die Einbildung, ein von Menschen gemachtes Gesetz müsse über den heiligen Büchern der Religionen stehen, ist der wahre Fanatismus.

17. Oktober 2017

Rechtsruck oder Linkskommutation? Eine Nationalratswahlnachlese

Viel dürfte sich beim Ergebnis der österreichischen Nationalratswahl nicht mehr tun: Bis auf diejenigen Wahlkarten, die am Sonntag in fremden Sprengeln abgegeben wurden, es soll sich dabei um circa 36.000 Stück handeln, sind alle Stimmen ausgezählt. Die ÖVP wird mit 31,5 Prozent die deutlich stärkste Kraft. Auf Platz 2 und 3 sind mit hauchdünnem Unterschied (26,9 zu 26,0 Prozent) die SPÖ und die FPÖ zu liegen gekommen. Die NEOS schaffen mit 5,3 Prozent komfortabel, wenn auch nicht mit einem berauschenden Resultat, erneut den Einzug ins Parlament. Die Liste des Grünen-Renegaten Peter Pilz überspringt knapp die 4-Prozent-Hürde, die von ihm verlassene Partei scheitert hingegen an der Untergrenze. Damit Abgeordnete der Ökobewegten doch noch im Hohen Haus Platz nehmen können, müsste es bei den noch nicht berücksichtigten Votumszetteln einen unwahrscheinlich großen Zuspruch für die Alternativen geben.

16. Oktober 2017

Es ist Zeit Geld zu verschenken!

­Lieber deutscher Staat, liebe Regierung und lieber Bürger,
ich habe eine Bitte, bzw. einen Vorschlag an Sie alle. Ich bitte Sie Geld zu verschenken. Und zwar viel Geld. Wenigstens 10 Milliarden Euro, im Idealfall sogar 15 Milliarden. Vielleicht, ja vielleicht sogar 100 Milliarden Euro.

14. Oktober 2017

Nicht der Roboter bedroht uns, sondern?

Vorhersagen treffen meist entweder nicht oder ziemlich anders ein. Wenn jemand fürchtet, die Roboter würden eines Tages die Menschen nicht nur am Schachbrett übertreffen, sondern sich selbständig machen und uns bedrohen, zielt er auf das Gruseln. Bei einem üblen Zusammenspiel von Überwachern und Technik würde ein bürgerliches Bravsein ohne Freiheit erzwungen, das die Rebellion vieler wecken würde. Das Thema deckt auch eine Veränderung in unserem Weltbild auf. Nicht Roboter werden die Menschen besiegen wollen, sondern eine wirkliche Gefahr ist: Der Mensch versteht seine Stärke in der Schwäche nicht mehr, er stuft sich herab auf eine bloß höhere Tierart ohne freien Willen, mit nur automatischen Gefühlen, wie eine langsame Schnecke oder ein seelenloser Affe.

12. Oktober 2017

Von Wählerinnen und Wählern

­Es gibt eine Formulierung, welche man dieser Tage immerfort hört. Eine Formulierung, welche jeder Politiker ganz selbstverständlich nutzt. Von ganz links bis ganz rechts in der parlamentarischen Sitzordnung, obschon diese ja derzeit noch ausgehandelt wird - zumindest soweit es den deutschen Bundestag betriff. Jeder hat sich an diese Formulierung gewöhnt. Sie ist neue, standardisierte Umgangsform. Wer Sie nicht nutzt, macht sich unwählbar bei seiner Klientel. Da scheint sogar der Beelzebub AfD nicht ausgenommen.

„Die Wählerinnen und Wähler“ sind in aller Munde.

11. Oktober 2017

Kurz, Strache, Kern. Am 15. Oktober wählt Österreich

"Ritter, Dene, Voss", heißt eines der Theaterstücke Thomas Bernhards. Die in jenem Titel genannten Namen gehören eigenartigerweise nicht den Bühnenfiguren. Vielmehr hat der wohl wirkmächtigste aller österreichischen Österreich-Kritiker damit den Darstellern der Uraufführung des erwähnten Werkes ein Denkmal gesetzt.

Während der Wahlkampf vor der Abstimmung über den neuen Deutschen Bundestag an den vergeblich erwarteten Godot aus Becketts absurdem Drama erinnerte, hätte Bernhard in der Auseinandersetzung der alpenrepublikanischen Parteien um Sitze im Nationalrat zweifellos Stoff für eines seiner Schauspiele gefunden. Ob er das Opus "Kurz, Strache, Kern" genannt hätte, kann die Nachwelt nicht mit Sicherheit feststellen.

3. Oktober 2017

Zum Umgang mit Dramen

Nach jedem von Mördern verursachten Drama, sei es islamistisch, sei es rechtsextrem, sei es linksextrem oder sei es ohne ideologischen Hintergrund, stellt sich unmittelbar im Anschluss daran die Frage, wie mit Aspekten der Tat umzugehen ist, über die das Land gespalten ist. Das Land, um das es hier geht, sind die USA.

2. Oktober 2017

Mein Katalonien? Nein, Katalonien? Gedanken zur Legalität und zur Legitimität einer Volksabstimmung

Im Verfassungsblog ist im Vorfeld zu dem gestern durchgeführten Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens eine dreiteilige, von dem spanischen Staatsrechtsprofessor Andrés Boix Palop verfasste Serie mit dem Titel "The Catalunya Conundrum" erschienen. Die Artikel-Triologie (Teil 1, Teil 2, Teil 3) hat sich eine Leseempfehlung redlich verdient.

Dass die Volksabstimmung über die Sezession der autonomen Region im Nordosten der iberischen Halbinsel gegen die spanische Verfassung verstößt, war - so Palop - aus früheren Entscheidungen des spanischen Verfassungsgerichtshofs zu erschließen und entspricht auch der ganz herrschenden Meinung in der Lehre. Wenig überraschend fielen die zum nunmehrigen Eigenstaatlichkeitsanlauf gefällten Entscheidungen der Madrider Höchstrichter gegen die Separatisten aus.

Der Zentralregierung wirft Palop vor, auf den Rechtsbruch nicht in der verfassungsmäßig vorgezeichneten Weise zu reagieren: So wäre ein Artikel in der spanischen Verfassung anzuwenden, der eine Art Bundeszwang erlaubt. Stattdessen wurden und werden rechtsstaatlich bedenkliche Maßnahmen der Repression gegen Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens beziehungsweise der Abhaltung eines Referendums ergriffen.

1. Oktober 2017

Haltet den Dieb

Putzmunter startet die abgewählte Regierungspartei in die Opposition. Jetzt werde es "auf die Fresse" geben, verkündet die neue Fraktionsvorsitzende Nahles.
Und es wird darüber diskutiert, ob man denn nun so eine ungehobelte und aggressive Sprache in der Politik verwenden dürfe.

Natürlich darf man das. Früher waren noch ganz andere Ausdrücke üblich, das galt dann als "Sternstunde des Parlamentarismus". Man darf auch ankündigen, die "Regierung jagen" zu wollen, wie AfD-Gauland das getan hat. Ebenfalls eine völlig unproblematische Formulilierung. Problematisch ist nur die Heuchelei, mit der manche die eine Äußerung akzetabel und die andere für eine Gefahr für die Demokratie halten wollen.

Aber was wollte Nahles eigentlich mit dieser plötzlichen Aggressivität ausdrücken?

Kurs auf den Eisberg. Wie sich Claus Leggewie und Daniel Cohn-Bendit die Schwampel zurechtphantasieren

Wie vom Verfasser dieser Zeilen erwartet, werden in den Medien die Trommeln für eine mögliche Schwampel-Koalition auf Bundesebene bereits kräftig gerührt. Der Cicero bildet einmal mehr die löbliche Ausnahme. In der als liberal-konservativ taxierten WELT delektiert sich hingegen Alan Posener unter Beigabe einiger Kalauer an seiner prophetischen Gabe, die soziokulturellen Grundlagen des in Aussicht genommenen Bündnisses schon vor 13 Jahren erkannt zu haben, und fordert die Protagonisten auf, nun endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Ulf Poschardt, Chefredakteur des gennanten Springer-Blattes, verkündete am 12.09.2017 noch dezidiert, Jamaika sei "nichts" und "tot", um es 17 Tage später nur noch "irre" zu finden, dass jetzt plötzlich alle das schwarz-gelb-grüne Bündnis herbeisehnen, wobei der Ton des Beitrags die Befürchtung nährt, dass sich Poschardt von der Euphorie für die offensichtliche Mésalliance anstecken lassen könnte. (Randbemerkung: Beim Anblick der im letztverlinkten Artikel enthaltenen Porträtfotos Özdemirs und Lindners musste der endunterfertigte Autor an diese Reflexion Zettels denken, die unverändert Gültigkeit besitzt.)

Die TAZ scheint vor allem zu beschäftigen, dass die Grünen vielleicht zu sehr in ihrer ressentimentgeladenen Selbstgerechtigkeit verhaftet sind, um sich mit der Union und der FDP zu vermählen, wobei die Aussage des Soziologen Armin Nassehi, die Konservativen machten alles schlimmer, falls sie nach rechts rückten, widerspruchslos zitiert wird. Anders formuliert: Eine Schwampel-Koalition ist nur denkbar und wünschenswert, wenn sie Merkels alternativlose Politik unverändert fortsetzt. Dass man zu diesem Zweck eine Crew ins Boot holen muss, deren Stallgeruch nicht in jedem Einzelfall mit dem Biomarkt-Biedermeier harmoniert, ist die ästhetische Kröte, die es dabei zu schlucken gilt.

28. September 2017

Zitat des Tages: Der Koch in Grün, der Kellner in Gelb

„Die Grünen haben ein großes, in diese Welt passendes Narrativ, die FDP hat einen begnadeten Kommunikator an der Spitze; Jamaika könnte eine grüne Richtung nehmen, aber mit Methoden, die von der FDP kommen.“

So Bernd Ulrich in seinem Kommentar „Vielleicht gar nicht so schlecht“, erschienen am 25.09.2017 auf ZEIT-Online.

Kommentar: Was der stellvertretende Chefredakteur und Ressortleiter Politik des hanseatischen Wochenmagazins in dem oben angeführten Satz zum Ausdruck bringt, ist besorgniserregend. Noch bevor die Wunden geleckt sind und die Leitmedien zu verstehen beginnen, was am Sonntag überhaupt passiert ist, wird von einer Edelfeder wie Ulrich bereits Stimmung für eine sogenannte Schwarze-Ampel-Koalition gemacht. Und dieses Jamaika-Bündnis soll freilich keinen liberalen oder konservativen oder gar liberal-konservativen Einschlag haben, nein: Vielmehr wird erwartet, dass die Partei, die nur knapp 9 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte, die Rolle des Drehbuchschreibers übernimmt. Der Koch im grünen Kittel, der Kellner in gelber Livree – ließe sich der im Zitat formulierte Gedanke wohl in zugespitzte Worte fassen.

27. September 2017

Zitat des Tages: Die Zielobjekte des Antifaschisten

Kann schon sein, dass es nicht wirklich 12,6 Prozent Nazis in Deutschland gibt. Vielleicht sind es einfach nur 12,6 Prozent Menschen, die kein Problem damit haben, eine Partei zu wählen, die zum Teil aus Rechtsextremisten besteht. Aber das reicht. Es reicht, um zu sagen, dass wir 87,4 Prozent Antifaschistinnen und Antifaschisten brauchen, die sich mit einem angemessenen Betreuungsschlüssel um diejenigen kümmern, denen es nicht peinlich ist, ihre Wehrmachtsfantasien öffentlich zu äußern.

[...]

Dabei sind das Problem nicht allein die 12,6 Prozent. Genau so viel Antifa-Arbeit werden weiterhin diejenigen nötig machen, die schadenfroh erklären, die Linken und Grünen und Feministinnen seien schuld am Erfolg der Rechtspopulisten, und/oder Merkel, die nicht rechts genug gewesen sei. 

Aus dem Artikel "Antifaschismus muss jetzt Alltag werden" von Magarete Stokowski vom 26.09.2017 auf Spiegel-Online.
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Kommentar: Ich denke es fällt jedem auf, dass sich die beiden Zitate aus dem verlinkten Artikel von Magarete Stokowski einander widersprechen. Einerseits wird jeder, der nicht für die AfD gestimmt hat, als Antifaschist vereinnahmt, andererseits sollen aber explizit auch auch große Teile eben jener 87,4 Prozent klar zu bekämpfendes Zielobjekt der Antifaschisten sein. Das passt nicht überein. Die Inkonsistenz, die in eben jenem Widerspruch steckt, ist aber nicht das entscheidende. Ich denke es ist wichtiger, sein Augenmerk auf das zweite Zitat als als solches, unabhängig vom Widerspruch zum vorherigen Anspruch 87,4 % zu vereinnahmen, zu betrachten.

Zu bekämpfendes Zielobjekt der Antifaschisten sind nicht nur Faschisten oder willige Steigbügelhalter des Faschismus, selbst dann, wenn man diesen Vorwurf auf alle ausdehnt, die in der AfD Mitglied sind oder sie gewählt haben.

Zu bekämpfendes Ziel ist vielmehr explizit jeder, der (egal wie sehr sich derjenige von Rechtsextremen und denen, die mit ihnen zusammenarbeiten, distanzieren mag) das progressive Erfolgsrezept zur Eindämmung der AfD nicht mit trägt. Ich glaube, dies erfüllt ziemlich gut die Definition von Extremismus.


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Techniknörgler

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26. September 2017

Petry Heil oder die Geister, die ich rief

Eins muss man Frau Petry lassen: Sie hatte gestern garantiert ihre 15 minutes of fame. Es am Tag nach einer Bundestagswahl, noch dazu mit derart überraschendem Ergebnis, zu schaffen die Schlagzeilen zu beherschen ist eine Leistung. Dazu muss man schon ganz schön auf die Pauke hauen. Und die Pauke hat ordentlich gescheppert, wenn man sich die verdatterten (und durch und durch unprofessionellen) Reaktionen ihrer Parteikollegen so ansieht.

25. September 2017

Und sie verstehen es doch nicht: Gesetzte Gedanken zur gestrigen Wahl

Wer gestern Abend - so wie der Verfasser dieser Zeilen - die Wahlberichterstattung im Ersten verfolgte, konnte den Eindruck gewinnen, dass die AfD einen Erdrutschsieg errungen hatte, der es den anderen Parteien verunmöglichte, gegen Gauland und Co. eine Regierung zu bilden. Wohlgemerkt: Die AfD ist die Gewinnerin des gestrigen Tages. Sie hat ihr Resultat von 2013 nahezu verdreifacht und zieht hinter den einstigen Volksparteien als drittstärkste Kraft in den Deutschen Bundestag ein. Doch die 12,6 Prozent, die sie laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis geholt hat, sind so überraschend nun nicht, wurde die vor vier Jahren aus der Taufe gehobene Gruppierung doch in den letzten Umfragen der Meinungsforschungsinstititute auf 10 bis 13 Prozent taxiert.

Bei all der Hysterie um den Einzug der AfD in das föderale Parlament wurde vergessen und von den Verlierern der Abstimmung wohl auch gerne übergangen, was das eigentlich Bedeutsame an der gestrigen Entscheidung über die Besetzung der Volksvertretung war: Die Union und die SPD stürzten in der Gunst der Votanten so weit ab, dass sich auch der endunterftigte Blogger zu historischen Vergleichen hinreißen ließ. Die einstmals Konservativen schnitten seit Bestehen der Bundesrepublik nur anno 1949 schlechter ab. Die SPD wurde unter der Herrschaft des Grundgesetzes noch nie mit so viel Abneigung bestraft wie am 24. September 2017.

Ein interessantes Ergebnis. Nebst einer Bemerkung zu Denkzetteln.

­Es ist ein interessantes Ergebnis, fürwahr, deutlich interessanter als der Wahlkampf selber, der wohl als einer der ödesten der letzten 30 Jahre erinnert werden dürfte. Dabei überrascht nicht unbedingt das Ergebnis der AfD, wenn man den typisches Demoskopen-Malus abzieht, entspricht es recht gut den Erwartungen (der ZkZ-Ted hatte 12 Prozent vorhergesagt).

Und nun?

Die ersten Nachwahlhochrechnungen sind verfügbar und werden mit jeder Stunde präziser und bald  werden auch die ersten verläufigen Ergebnisse durch den Bundeswahlleiter veröffentlicht werden (das heißt, sobald Berlin seine Computerprobleme in den Griff bekommt und seine vorläufigen Ergebnisse übermitteln kann).

Die Wahl ist also gelaufen. Und nun?

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Vielleicht trübt mich mein Gedächtnis. Ich meine aber nach den letzten Bundestagswahlen gab es immer sehr schnell ausführliche Artikel über die möglichen mehrheitsfähigen Koalitionen und recht präzise Einschätzungen welche Koalition nun tatsächlich kommen wird. Im Groben und Ganzen wusste jeder wie es weiter ging oder zumindest realistisch ohne großes Kopf zerbrechen weiter gehen könnte.

Es scheint, als wolle es niemand allzu laut aussprechen bzw. ausschreiben. Aber es fällt in den Onlinemedien von FAZ über Welt bis SPON deutlich die Abwesenheit eines Verlaufplanes auf. Es gibt in Deutschland einfach noch kein Protokoll für eine Situation, in der die einzige Mehrheitskoalition, die noch nicht explizit ausgeschlossen wurde, aus mindestens 4 (in Worten: Vier!) verschiedenen Parteien besteht.

Das Merkel "die Wahl gewinnt", zumindest im dem Sinne, dass sie noch einmal vom deutschen Bundestag zur Kanzlerin gewählt wird, war schon vor der Wahl so klar, das eine Wahrscheinlichkeit von 98% tatsächlich keine Übertreibung war (im Gegensatz zur voreiligen Krönung Hillary Clintons durch die Huffington Post). Folgerichtig ist die relative Mehrheit für die Union keine Nachricht. Das CDU und CSU ihr in Umfragen prognostiziertes Potential deutlich unterboten haben, das ist eine Nachricht. Und es scheint als habe niemand wirklich einen Plan, wie es nun weiter gehen soll. 


Techniknörgler

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24. September 2017

Die Denkzettelwahl. Ein Kurzkommentar

Und es wurde doch eine Denkzettelwahl. Aber nicht deshalb, weil die AfD über 13 Prozent der Stimmen geholt hat, sondern weil die Union mit etwa 33 Prozent auf das schlechteste Ergebnis nach 1949 abgestürzt ist und die SPD mit knapp 21 Prozent ihr schwächstes Resultat seit Bestehen der Bundesrepublik erzielt hat. Die kleinen Parteien haben an Zuspruch gewonnen - die Linke und die Grünen nur geringfügig, die FDP um circa 5,5 und die AfD um rund 8,5 Prozentpunkte. Die Gruppierung um Alexander Gauland ist der Gewinner dieses Abends.

Dieser Ausgang des Votums ist der Anfang vom Ende der Ära Merkel. Die SPD hat schon angekündigt, in die Opposition gehen zu wollen. Politisch und rechnerisch möglich ist demzufolge nur noch die sogenannte Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen. Deutschland wird, was die Zersplitterung des Parlaments angeht, ein ganz normales europäisches Land des 21. Jahrhunderts - mit zwei Volksparteien, die diesen Namen nicht mehr verdienen, sondern nur noch Mittelmächte darstellen.

Noricus

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23. September 2017

Der letzte Blick in die Kristallkugel: Wie geht die Bundestagswahl aus?

Wenn man auf die letzten Prognosen der großen Meinungsforschungsinstitute (zum Ergebnis der jüngsten Umfrage von YouGov geht es hier) vertraut, so gestalten sich die Schwankungsbreiten bei den Resultaten der Parteien, die eine realistische Chance auf den Einzug in den Bundestag haben, wie folgt:

Union    34 bis 37 %
SPD      20 bis 23 %
AfD       10 bis 13 %
FDP       9 bis 11 % 
Linke     8,5 bis 10 %
Grüne    7 bis 8 %

21. September 2017

秋歌之。Qiūzhī gē, Das Lied vom Herbst

Zwar steht der astronomische Herbstanfang, der sich der genauen Ausrichtung des Erdäquators aufs Zentralgestirn verdankt, strenggnommen erst am morgigen Tag ins Haus, doch sei die Gelegenheit hiermit beim Schopf genommen, einige Verse zu zitieren, die sicher zu den berühmtesten der deutschsprachigen Literatur zählen: Rainer Maria Rilkes "Herbsttag", heute vor genau 115 Jahren in Paris niedergeschrieben während seiner Zeit als Sekretär Rodins und genau zehn Tage nach der Entstehung seines anderen bekannten Gedichts zum gleichen Thema, "Herbst" ("Die Blätter fallen, fallen wie von fern / als welkten in den Himmeln ferne Gärten...") und im gleichen Jahr in der ersten Fassung des Buchs der Bilder veröffentlicht.

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

17. September 2017

Streiflicht: Ein aufgebauschtes Problem

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Auch dieser Tage wollte dieser Autor wieder ein paar Artikel zum Thema Dämlichkeit von Wahlplakaten verfassen, und als Basis dieser Artikel  sollten wieder mal ein paar schöne Fotos aus der einen oder anderen deutschen Innenstadt dienen.
Doch neben den üblichen Plattitüden ist etwas anderes vielleicht ganz bedenkenswert, dass nicht direkt ins Auge fällt. Denn im Unterschied zur Landtagswahl finden sich bei dieser Wahl durchaus Plakate einer Partei, die zur Landtagswahl praktisch gar nicht plakatiert hat. Allerdings sind die Plakate dann doch nicht so ganz gewöhnlich: Sie waren nahezu alle zerstört.


16. September 2017

Die Mehltau-Kanzlerin und die verdrossene Republik

Die Bundestagswahl steht vor der Tür, und in einigen deutschen Medien regt sich so etwas wie Unmut über die amtierende und wohl auch zukünftige Bundeskanzlerin. Wenn Alexander Kissler auf cicero.de davon spricht, dass
das Regieren der späten Merkel [...] die Vernunft [...] aus dem Debattenfeld gestoßen
habe, politische Sachfragen "ins Moralische" gezogen und Kritiker zu Misanthropen gestempelt würden, so mag das noch wenig verwundern, ist doch jede an die Regierungschefin adressierte Verneigung des nach dem berühmten römischen Redner benannten Magazins durch einen gewaltigen Hexenschuss entwertet.

14. September 2017

Die sieben Krim-Lügen

Nicht nur wegen der bevorstehenden Bundestagswahl kommt immer wieder das Krim-Thema hoch.
Und dazu kann man ja auch interessante Fragen diskutieren. Soll man nun die Sanktionen verschärfen oder lockern? Gibt es weitere Maßnahmen, mit denen der Westen auf Putins Eroberungspolitik reagieren kann? Welche weiteren Gesprächsangebote sollte man Rußland machen? Wie kann man die Verteidigungskapazitäten der NATO erhöhen? Und noch vieles mehr ...

Aber was man nicht mehr sollte: In den Diskussionen auf die verschiedenen Lügen einzugehen, mit denen Putins Unterstützer agieren und die immer wieder gebracht werden, um von den eigentlichen Themen abzulenken.
Daher nun einmal die Hitliste der sieben wesentlichen Propagandalügen zum Krim-Konflikt, damit diese ein für allemal erledigt sind.

12. September 2017

Ein bisschen Polit-Esoterik: Zum tieferen Sinn in Jens Spahns Äußerung über englisch sprechende Kellner

Der Verfasser dieser Zeilen dachte ursprünglich, zu Jens Spahns Äußerung über englisch sprechendes Gastronomiepersonal in Berlin nichts schreiben zu müssen. Denn augenscheinlich war die öffentlichkeitswirksame Indignation des Parlamentarischen Staatssekretärs nur der Aufhänger dafür, eine in der CDU einstmals allgemein geteilte, nach zwölf Jahren Merkel-Kanzlerschaft jedoch als beschämend konservativ geltende Ansicht über den kulturellen Wandel und das dagegen bestehende Sicherheitsbedürfnis des einfachen Mannes in einem durch und durch fadisierenden Wahlkampf zu platzieren. Vom politischen Kalkül her erinnerte das alles ein bisschen an Wolfgang Thierses Schrippen-Kampanilismus.

Doch man kann der Äußerung des Schäuble-Adlatus freilich auch einen über das Erzielen von Publicity-Punkten hinausreichenden Zweck zubilligen. So meint Andrea Hanna Hünniger auf ZEIT-Online, Spahn wolle sich mithilfe seiner Attacke auf die alloglotte Hipster-Community ein neues Feindbild dienstbar machen. Dies habe etwas mit einem „Rechtsruck“ zu tun, dessen „Schwellenhüter […] die Konservativen“ seien. Sobald sich diese einer Koalition mit den Unsäglichen öffneten, werde „der Ultranationalismus mehrheitsfähig“. Im Fall des 37-jährigen Unionsmannes stellt die Autorin „kontrafaktisch“ die Frage, ob dieser nicht den Pakt mit dem ideologischen Teufel einginge, wenn im Gegenzug dafür das weiche Polster des Regierungschefsessels winkte.

11. September 2017

Never forget.

 
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U.E.

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10. September 2017

Zitat des Tages: Flagge zeigen!

Merkel berichtete, ihr begegneten auf Wahlveranstaltungen viele „von der AfD und der NPD, einfach mit dem Ziel, andere Menschen beim Zuhören zu stören“. Man könne unterschiedlicher Meinung sein. „Aber sich nur hinstellen und schreien, das finde ich, ist zu wenig.“ Tauber sagte: „Aber das halten wir aus. Wir weichen nicht, das sind wir unseren Anhängern schuldig.“ Die Zahl der Interessierten sei viel höher als die der „Schreihälse“ – auch im Osten.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verurteilte die Störaktionen bei Merkels Veranstaltungen. Es sei wichtig, dass Politiker die Möglichkeit hätten, auf Kundgebungen für ihre Politik zu werben, sagte sie in Rostock. „Da darf man friedlich protestieren. Aber was nicht geht, ist diese Grenzüberschreitung, die Krawallmacherei.“
Aus dem Artikel "Politik muss Flagge zeigen zeigen" (Stand 10.09.2017) auf faz.net. 
Kommentar: Das Unterbrechen und Stören von Veranstaltungen und insbesondere das Bewerfen mit Lebensmitteln, seien es Obst und Gemüße, seien es Torten (auch und gerade tiefgefroren), ist absolut inakzeptabel und richtet sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung, egal mit welchen pseudointellektuellen Ausreden sie daherkommen oder wie sehr der Angegriffene oder die andere Extreme angeblich schlimmer sei als man selber. Denn letzteres sind nur die Ausreden, mit denen Antidemokraten und Extremisten ihre Aushebelung demokratischer Grundnormen, die sich früher oder später eben nicht mehr nur gegen die angeblich größere Gefahr richten, propagandistisch rechtfertigen. Das ist demokratischer Grundkonsens.
Entsprechend ist es richtig, dass Politiker sowohl der CDU als auch der SPD und insbesondere unsere Bundeskanzlerin klar Stellung gegen das Bewerfen mit Lebensmitteln beziehen, sobald sie selber betroffen sind. Jeder sollte gegen solche Störaktionen Stellung beziehen, sobald es ihn oder sie selber trifft. 

Techniknörgler

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8. September 2017

Das Kreuz mit dem Kreuz: Noch einmal die FDP wagen?

Die Wahlkabine ist der Darkroom der Demokratie. Hinter dem für Diskretion sorgenden Vorhang kann der Souverän – ohne Überwachung durch offiziös bestallte Sozialkontrolleure – seinen gewohnheitsmäßigen ideologischen Passionen nachgehen oder einfach mal eine Schweinerei ausprobieren, für die man ihm, wenn sie ruchbar würde, gehörig auf die Finger klopfen würde.

Wenn der Verfasser dieser Zeilen aus seinem Herzen keine Mördergrube macht, so muss er bekennen, dass er hinsichtlich der anstehenden Bundestagswahl große Lust verspürt, für den Protest zu stimmen. Dann wähl sie doch? Nein. Denn der endunterfertigte Autor liebäugelt in den kühneren seiner staatsbürgerlichen Phantasien damit, seinen Unmut dadurch auf das großformatige Papier zu bringen, indem er die Bayernpartei wählt.

7. September 2017

Warum lasst ihr sie nicht reden?

Lass die Leute reden, denn wie das immer ist: 
Solang die Leute reden, machen sie nichts Schlimmeres 
Und ein wenig Heuchelei kannst du dir durchaus leisten 
Bleib höflich und sag nichts - das ärgert sie am meisten
(Die Ärzte: "Lasse reden", 2007)

Ich wollte eigentlich gar nix zum "Schnittchen"-Eklat in der selbst für den momentanen Zustand der Diskussionsunkultur unterirdischen Politblubberrunde "Wie geht's Deutschland" schreiben, obwohl ich sie zufällig sogar live gesehen habe (mein Masochismus scheint tatsächlich gar keine Grenzen zu haben...).

Was mich dann doch dazu veranlasst hat, ist ein ganz anderes Ereignis - nämlich die Abschaltung meines liebsten Feindes in der Blogosphäre - des Honigmanns. Dieser Blog hatte für mich immer eine karthatische Funktion - egal was ich mir im Alltag, im Fernsehen, im Netz an kapitalem Schwachsinn anhören musste - zwei, drei Seiten Honigmann haben das wieder zurechtgerückt. Mir sind zwar die genauen Hintergründe nicht bekannt - macht Wordpress ebenfalls eine "Netzwerkdurchsetzung"? Da das Blog ja von mehreren Autoren betrieben wird, ist mir nicht mal klar, ob ihn die niedersächsische Justiz gerade eingekastelt hat oder nicht. Aber egal, der Honigmann ist offline, und das finde ich schade. Denn dieser Typ disqualifiziert sich einfach am erfolgreichsten durch seine 10.000 Beiträge, die jetzt nur noch mühsam mittels Waybackmachine zu finden sind. Und das wirft - genau wie der Verlauf dieser Talkrunde natürlich grundsätzliche Fragen auf.

5. September 2017

"Die schaurige Moritat von Rebekka, die mit den Türen knallte"



A trick that everyone abhors
In little girls is slamming doors.
A wealthy banker's little daughter
Who lived in Palace Green, Bayswater
(By name Rebecca Offendort),
Was given to this furious sport.

She would deliberately go
And slam the door like billy-o!
To make her uncle Jacob start.
She was not really bad at heart,
But only rather rude and wild;
She was an aggravating child...

It happened that a marble bust
Of Abraham was standing just
Above the door this little lamb
Had carefully prepared to slam,
And down it came! It knocked her flat!
It laid her out! She looked like that.

Her funeral sermon (which was long
And followed by a sacred song)
Mentioned her virtues, it is true,
But dwelt upon her vices too,
And showed the deadful end of one
Who goes and slams the door for fun.

The children who were brought to hear
The awful tale from far and near
Were much impressed, and inly swore
They never more would slam the door,
-- As often they had done before. 

- Hilaire Belloc, "Rebecca, Who Slammed Doors For Fun And Perished Miserably" (1907)

3. September 2017

Die Wahlwette

Nicht nur im Blätterwald rauscht es derzeit ganz gut, auch in unserem kleinen Zimmer werden Szenarien gewälzt, Argumente getauscht und Phantomkoaltionen gebildet. Von ganz "normaler" schwarz-gelber Koalition bis zu CDU/CSU-Minderheitsregierungen.
Alles ganz lustig und vor allem sehr schön, weil derzeit ohnehin alle im Kaffeesatz lesen und das spannende Ereignis ja noch weit weg ist. Höchte Zeit ein kleines Spiel daraus zu machen.

1. September 2017

Pluralismus

Am Sonntag ist es soweit: Das staatliche Fernsehen erfüllt einen zentralen Teil seiner Informationspflicht und gibt den Bürgern die Möglichkeit, sich umfassend auf die Bundestagswahl vorzubereiten. Das bedeutet, daß die Vorsitzende der einen Regierungspartei und der Vorsitzende der anderen Regierungspartei ihre politische Weltsicht darlegen. Vertreter der Opposition sind nicht zugelassen.

Das klingt nach einer "lupenreinen Demokratie" in irgendeinem obskuren Teil der Welt, ist aber inzwischen journalistische Praxis in Deutschland. Wobei man am Sonntag eigentlich keinen Journalismus erwarten darf - erfahrungsgemäß traut sich keiner der "Moderatoren", das übliche inhaltslose Geschwurbel der Amtsinhaberin durch kritische Nachfragen zu präzisieren. Vom Juniorpartner der Koalition wird ohnehin wenig erwartet.

28. August 2017

島小夜綠曲 - "Das Lied der grünen Insel"

綠島小夜 - Lǜ dǎo xiǎo yè qǔ (Die Serenade der Grünen Insel)



這綠島像一隻船
在月夜裡搖呀搖

姑娘喲妳也在我的
心海裏飄呀飄

讓我的歌聲隨那微風
吹開了你的窗簾

讓我的衷情隨那流水
不斷地向妳傾訴

椰子樹的長影
掩不住我的情意

明媚的月光
更照亮了我的心

這綠島的夜已經
這樣沉靜

姑娘喲妳為什麼
還是默默無語

25. August 2017

"Nous oublions trop que la satire doit blesser"

"JE SUIS CHARLIE"











Et à propos de vous tous, maintenant?



U.E.

© Ulrich Elkmann. Für Kommentare bitte hier klicken.

24. August 2017

Botschafter im All

Voyager 1 und 2 sind seit vier Jahrzehnten im All unterwegs, die eine aus Erdsicht nach Norden, die andre nach Süden. Sie legen täglich 1,4 Millionen Kilometer zurück. Ihre erste Aufgabe war die Erkundung der äußeren Planeten unseres Sonnensystems. Jetzt sind sie stumm unterwegs in die Unendlichkeit. Damit sie eines Tages andere Sonnen und Planeten mit einer eventuellen Zivilisation erreichen können, wurden sie als Botschafter ausgerüstet. Die Sonden haben eine 30 cm große Datenplatte aus vergoldetem Kupfer an Bord, die „Voyager Golden Records“. Was berichten sie von unserer Erde und was sagt das über uns?

Keine Alternative zur Alternative. Eine alternative Sicht.

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Eigentlich wollte ich diesen Artikel erst später schreiben. Aber da mein geschätzter Mitautor Meister Petz einen sehr gut informierten und recherchierten Artikel zur AfD geschrieben hat, möchte ich dann doch beim Eisen bleiben so lang es heiß ist. Die im folgenden formulierten Gedanken gehen mir schon seit Monaten durch den Kopf und es ist einmal an der Zeit, sie in geordnete Form zu bringen.

23. August 2017

Prankenhieb: Dann wählt sie doch! - Ein Aufruf nebst einer Betrachtung der Seriosität Jürgen Elsässers

Noch gut ein Monat bis zur Bundestagswahl, und der Wahlkampf geht erstaunlich geräuschlos vor sich - der Schulzzug steht auf freier Strecke, eine Ablösung von Merkel scheint nicht in Sicht. Das wissen auch alle außer dem Schulzzug, aber der hofft ähnlich der AfD darauf, so unsympathisch zu sein, dass sich die Umfrageteilnehmer nicht trauen zuzugeben, für ihn stimmen zu wollen. Die Umfragen sind aber erstaunlich stabil, eine schrödereske Aufholjagd wie 2002 ist nicht zu erwarten. Offen bleibt lediglich noch, ob ich am Wahlabend vom Kneipenwirt meines Vertrauens eine Flasche Himbeergeist gewinne oder sie zahlen muss. Mit dem habe ich nämlich gewettet, dass die AfD einstellig bleibt.

Die AfD hat derweil in der letzten Woche in Magdeburg einen "Russlandkongress" veranstaltet, und weil sie natürlich der Lügenpresse nicht trauen, haben sie schon während der Veranstaltung dazu aufgerufen, sich das Video anzuschauen und nicht den Systemmedien zu glauben. Das habe ich getan. Dieses Video dauert 9 Stunden (in den Pausen kommen immer engagierte Einspielerkonserven vom Compact-Magazin) und hat es wirklich in sich. Bisweilen kam man sich von der Rhetorik vor wie auf einem Parteitag der MLPD oder der kommunistischen Plattform, aber in der Hinsicht schenken sich die sowieso nichts.

Da selbst ein Prankenhieb mit einer Streicheleinheit beginnen soll, zunächst etwas Positives: Die Veranstaltung bestätigt, dass die AfD tatsächlich keine Ein-Themen-Partei (Zuwanderung) ist, sondern im Gegenteil über ein außenpolitisches Konzept verfügt. Und dieses unterscheidet sich bezeichnenderweise nur in Nuancen von dem der Linken. Raus aus der NATO, Bruch mit den USA, Annäherung an Moskau. Damit aber das Publikum nicht aus Versehen ihre Anteile an der BRD GmbH (systemkonform: Wählerstimme) versehentlich Mütterchen Wagenknecht anvertraut, wurde das Ganze ordentlich mit pathetisch deklamierten Putinzitaten und volksdeutschem Zuckerguss bestreut. Radebrechende Spätaussiedler wurden als wahre Träger des Deutschtums gefeiert (das ist besonders lustig, weil gerade diese Gruppe nach ihrer Ankunft in den 90er Jahren kaum besser integriert war als die heutigen Invasoren und eine vergleichbare Kriminalitätsstatistik hatte). 

22. August 2017

Aus der Schwalbenperspektive (13): Spottdrosselgezwitscher zum Bundesliga-Saisonauftakt

Es ist angepfiffen: Die Bundesliga-Saison 2017/2018 hat begonnen. Der Sinn des Lebens, ja das Leben selbst ist zurück, und zwar mit seinen kleinen Alltagsfreuden, als da insbesondere wären: Verschwörungstheorien, die Diversity-Frage und die gute, alte Kapitalismuskritik.

Es gibt ein Aug, das alles sieht, und wenns fernab des Schiedsrichters geschieht - nun auch in der Bundesliga. Die Rede ist vom sogenannten Video-Assistenten. Dieser wird in der angelaufenen Spielzeit zum ersten Mal im heimischen Kicker-Oberhaus verwendet. Nein, ein Big Brother ist das nicht, auch kein Leviathan, denn zum einen darf der in Köln stationierte Bildschirm-Referee nur in eng umrissenen Situationen tätig werden, und die endgültige Wahrheitsfindung liegt bei den Pfeifenmännern (oder der Pfeifenfrau, Singular gerechtfertigt, dazu gleich mehr) auf dem Platz.

21. August 2017

Absturz

Eine Firma geht pleite. Das ist nichts Besonderes, das passiert in Deutschland etwa zehntausend Mal pro Monat.
Aber es ist Wahlkampf. Und ab einer gewissen Firmengröße gibt es dann den Holzmann-Effekt, das heißt Politiker geben viele Steuermillionen aus, um die Firma und die Arbeitsplätze für ein paar weitere Monate zu "retten".

Im Falle Air Berlin ging das besonders schnell: Schon gleich nach Bekanntwerden der Insolvenz erklärte die Wahlkampfregierung, daß der Steuerzahler sehr gerne 150 Millionen zuschießen würde. Etwas zu schnell, finden viele Experten aus der Branche. In so kurzer Zeit eine Kreditverhandlung mit Geschäftsführung, Eigentümern und Gläubigern durchzuführen - das riecht schon nach vorherigen Absprachen und einer gezielten Insolvenz.

Und generell ist es natürlich verboten, daß sich eine Regierung aktiv in den Wettbewerb einmischt. Früher war das üblich, aber dank der europäischen Einigung sind die Möglichkeiten politischer Subventionierung inzwischen stark eingeschränkt. Air-Berlin-Konkurrenten wie Ryanair haben deswegen schon Protest eingelegt und sich an die EU gewandt.

So weit, so schlecht, so üblich - aber nun geht es sogar noch weiter.

许巍 - 蓝莲花. "Der blaue Lotus" (2002)

许巍 - 蓝莲花

Xu Wei - "Der blaue Lotus" (Lán liánhuā, 2002)



沒有什麼能夠阻擋
你對自由的嚮往
天馬行空的生涯
你的心了無牽掛

穿過幽暗的歲月
也曾感到彷徨
當你低頭地瞬間
才發覺腳下的路

心中那自由地世界
如此的清澈高遠
盛開著永不凋零
藍蓮花

Nichts konnte jemals
Deine Sehnsucht nach Freiheit zähmen
Du hast alle Fesseln abgeschüttelt - 
Du hast dein Herz an nichts gebunden.

Du hattest den Weg verloren
Auf deiner Bahn durch das Dunkel
Doch sobald du nach unten geschaut hast
Hast du den Weg unter deinen Füßen entdeckt.

In der grenzenlosen Welt in deinem Herzen
Blüht auf ewig, rein und klar
Nie verwelkend, nie vergehend
Der blaue Lotus.

xīnzhōng nà zìyóu de shìjiè
rúcǐ de qīngchè gāo yuǎn
shèng kāizhe yǒng bù diāo líng
lán liánhuā

20. August 2017

Marginalie: Die Empörung über Erdoğan ist berechtigt, aber scheinheilig

Es ist ein eklatanter Verstoß gegen die anerkannten Regeln der diplomatischen courtoisie, wenn ein ausländisches Staatsoberhaupt Empfehlungen für die Parlamentswahlen in einem anderen Land abgibt. Von daher ist die Empörung deutscher Spitzenpolitiker über den - laut SPIEGEL-Online an "meine Bürger in Deutschland" gerichteten - Aufruf des türkischen Präsidenten, bei der Bundestagswahl nicht CDU, SPD oder die Grünen zu wählen, durchaus verständlich und berechtigt. Die öffentlich zur Schau gestellte Entrüstung ist aus zwei Gründen aber auch scheinheilig.

19. August 2017

Selbstdemontage. Samt einer Coda von fremder Hand

Es gibt Vorkommnisse, öffentliche Selbstdemontagen, zu denen sich jeder Kommentar erübrigt. So gestern bei dem Statement, das der Kanzlerkandidat der SPD, Marin Schulz, am Freitag morgen zum Massaker in Barcelona vor den Kameras der Weltöffentlichkeit ablieferte.



Zitat des Tages: Terrorismus und Fatalismus

"Das Risiko lässt sich nicht vermeiden, damit müssen wir uns abfinden. Aber jeder Einzelne kann Widerstand leisten – weiter in Cafés, zu Konzerten und auf Flaniermeilen gehen, und damit die eigenen Werte verteidigen."

Sandra Louven, "Der Terror ist zurück in Spanien", 18.08.2017, Handelsblatt online, zu den Terroranschlägen in Barcelona und Cambrils.

Kommentar: Um es vorwegzunehmen: Der Verfasser dieser Zeilen ist anderer Meinung als Sandra Louven. Die zwei angeführten Sätze aus deren verlinktem Artikel haben sich ungeachtet dessen ein Zitat des Tages verdient, weil sie den Tenor der nach Terroranschlägen erfolgenden, meist recht verschwurbelten Appelle der politisch-publizistischen Klasse prägnant zusammenfassen.

17. August 2017

Der Tod des Herzogs und die Niedersachsenwahl

Wenn man zeigen möchte, daß in der hohen Machtpolitik die moralischen Maßstäbe anderen Prioritäten unterliegen als im Alltagsleben, wird gerne Fouché zitiert. Als Napoleon, der außerhalb der Schlachtfelder oft wenig geschickt agierte, den Herzog von Enghien entführen und ermorden ließ, da kommentierte sein Polizeiminister: "Das war schlimmer als ein Verbrechen, das war ein Fehler". Denn fies darf man schon sein als Staatsmann - aber möglichst nicht doof.

Nun ist es etwas schwierig, von Napoleon überzuleiten auf Thomas Oppermann. Ein ganz krasser Niveauabstieg in nur wenigen Sätzen. Immerhin kann man auch vom SPD-Fraktionschef sagen, daß er außerhalb der - in Deutschland Gott sei Dank nicht mehr aktuellen - Schlachtfelder oft wenig geschickt agiert.

Es wäre auch übertrieben zu sagen, die von ihm angekündigte Verschiebung der Koalitionsgespräche nach der Wahl wäre ein Verbrechen.
Aber demokratisch anständig ist sie natürlich nicht. Nach den klassischen Vorstellungen arbeitet die Regierung für das Wahl des Landes, und eine unnötige Verzögerung bei der Regierungsbildung schadet also dem Land. Die SPD nimmt diesen Schaden in Kauf, um ihre Chancen bei der Niedersachsenwahl zu verbessern.
Kein Verbrechen, aber ein übliches mieses parteitaktisches Manöver.

Und ein Fehler.

16. August 2017

Die Mitglieder der Bundesregierung in der Einzelkritik

Um einen Wahlkampf zu beschreiben, bietet sich ein militärisches Vokabular an: Die Kampagne zur Abstimmung über die Bestückung des nächsten deutschen Bundestages wäre demnach als Sitzkrieg zu bezeichnen. Es rührt sich nicht viel und das Ergebnis dürfte so ausfallen, dass Angela Merkel auch weiterhin über eine Parlamentsmehrheit für ein von ihr geführtes Kabinett verfügen wird.

Aber auch wenn man Überraschungseffekte einkalkuliert, steht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest, dass in der kommenden Legislaturperiode entweder die CDU/CSU oder die SPD (möglicherweise auch beide) an der Bundesregierung beteiligt sein werden, weshalb es mit dem einen oder anderen Minister ein Wiedersehen geben wird.

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) hat sich den verdienstvollen Spaß gemacht, die Mitglieder der derzeitigen deutschen Bundesregierung einer Einzelkritik zu unterziehen, wie man dies sonst etwa aus dem Sportjournalismus kennt. Da es langweilig ist, Einzelkritik an der Einzelkritik des wohl besten deutschsprachigen Tagesperiodikums zu üben, wird der Verfasser dieser Zeilen im Folgenden seine eigene Bewertung der Leistungen der Bundeskanzlerin und ihrer Minister abgeben. Die geschätzte Kommentatorenschaft ist herzlich eingeladen, es ihm im Kleinen Zimmer gleichzutun.